Schriesheim

Schriesheim Michael Krebs bietet im Zehntkeller Musikkabarett mit tiefsinnigen Texten vom Feinsten

Erstmals mit Wein begrüßt

Da kommt einer fast schon schüchtern auf die Bühne im Schriesheimer Zehntkeller. Aber einige Piano-Klänge und ein wenig Geplauder mit dem Publikum später ist klar: Mit dem Kabarettisten Michael Krebs steht ein Hochkaräter der tief-, manchmal auch hintersinnigen Unterhaltungskunst auf der Bühne, der es fertig bringt, das Publikum in seine Show einzubinden und zum Mitsingen als Chor zu animieren: Unterhaltung von der ersten bis zur letzten Note.

Dabei kann und will der Kabarettist seine schwäbischen Wurzeln aus der Nähe von Schwäbisch Hall nicht verschweigen. Kleine Anekdoten aus der Heimat, die er zum Besten gibt, haben es faustdick in sich. In Schriesheim fühlte er sich gleich wohl. Noch nie zuvor sei er mit einer Flasche Wein begrüßt worden, schmeichelt er den Gastgebern. Jetzt habe er in seinem Aufenthaltsraum gleich eine ganze Palette gefunden.

Kino-Klassiker in Kürze

Allerdings dauere es, bis er die eingeladen habe, so Krebs süffisant, während gleich bei seinem Eingangssong ein „Unbekannter Fehler“ auftrat: Die rechte Hand verselbstständigte sich, was einen völligen Neustart erforderlich machte. Selbst das Mikrofon hatte einen Aussetzer – freilich gehörte auch das zum Lied.

Dann wurden auch seine AGB zu dem Konzertbesuch im dunklen Schriesheimer Zehntkeller besungen und auf die „VAS“ (verkürzte Aufmerksamkeitsspanne) des medial geschädigten Konsumenten mit einem Liedzyklus hingewiesen. Da Kinogänger zweistündigen Straßenfegern nicht mehr folgen könnten, fasste Krebs die wichtigsten Klassiker wie „Titanic“, „Herr der Ringe“ und „Romeo und Julia“ in kurzen musikalischen Zweizeilern zusammen: „Zwei verlieben sich, doch ein Unglück droht – dann sind beide glücklich, aber tot.“ Auch dies ließ sich noch verkürzen. „Zwei lieben sich – tot“. Damit sei alles Wesentliche gesagt. Auch Homers „Odyssee“ – „Ein Mann fährt von zu Hause weg. Nach einer Pause kommt er wieder zurück“ – brachte die Lacher endgültig auf die Seite des Kabarettisten. Krebs hat auch eine Hommage auf Hotelbar-Pianisten komponiert. Immerhin verdiente er selbst sechs Jahre als solcher in Hamburg sein Geld. Vor allem das Lied „Geht’s auch leiser?“ sei von den Gästen immer sehr gefragt gewesen.

Wünsch Dir was

In der Pause durften die Bescuher Wunschzettel in einen Korb legen. Diese Zettel mussten aber zweimal gefaltet sein. Aus diesen bunten Wünschen wurde der zweite Teil des Konzerts scheinbar spontan „gebastelt“. Mit „Die Logik wird im Allgemeinen unterschätzt und in der Praxis meist durch Autorität ersetzt“ setzte sich Krebs mit Ausländerfeindlichkeit und Egozentrik auseinander. Und er stellte fast resigniert fest, dass es einfach unfair sei, wenn Donald Trump die besseren Lieder für sein Kabarett liefere.

Für alle hatte der Pianist hintersinnigen Trost übrig: „Du kannst ganz sicher sein, es kommt alles nur noch schlimmer.“ Zwischendurch erklang der neue Song „Leude“, ehe mit Metallica die Gitarre, die bis dahin achtlos an der Seite der Bühne stand, zum Einsatz kam. Schließlich wurden bei der Zugabe, die Krebs zusammen mit Jan Wölfer zelebrierte, noch Lügenpizza, Lügeneltern und Lügenpresse durch den Kakao gezogen.

„An mir liegt’s nicht“, stand passend auf dem T-Shirt, das Michel Krebs am Ausgang verkaufte. Die Zuhörer hatten da fast drei Stunden Programm erlebt, das mit einer rasenden Geschwindigkeit und Spontanität über die Bühne fegte – unnachahmbar.