Schriesheim

Schriesheim Günther Oettinger spricht am 9. März auf dem Mathaisemarkt / Ex-Ministerpräsident mit der Weinstadt eng verbunden

„Es wird sein Abschiedsbesuch“

Archivartikel

Festredner der traditionellen Mittelstandskundgebung des Bundes der Selbstständigen (BdS) auf dem Schriesheimer Mathaisemarkt am 9. März ist Günther Oettinger. Die Zusage des bisherigen EU-Kommissars und früheren Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg gab der BdS-Landesverband in Stuttgart bekannt. Und sie stößt in Schriesheim auf große Zustimmung.

„Ich freue mich sehr, dass ich ihn wieder einmal treffe“, bekennt Bürgermeister Hansjörg Höfer: „In unserer Stadt ist er ein immer gerne gesehener Gast“, formuliert der Grünen-Politiker unter Hinweis auf Oettingers Verdienste um den Bau des Branich-Tunnels und seine Ehrenpatenschaft über den Madonnenberg. Dass der bisherige EU-Kommissar nun nicht mehr im Dienst ist, sieht Höfer als Vorteil: „Ich hoffe, dass er diesmal etwas mehr Zeit mitbringt, damit wir gemeinsam gemütlich ein Glas Wein trinken können.“

Höfer und Edelmann freuen sich

„Ich bin froh, dass es klappt“, meint auch Schriesheims BdS-Chef Rolf Edelmann, der als Vizepräsident des Landesverbandes maßgeblich an diesem Erfolg beteiligt war. „Er hat eine starke Verbundenheit zu unserer Stadt und zum BdS“, erinnert Edelmann: „Wir sind bei ihm als dem Festredner gut aufgehoben.“

In der Tat: Die Badische Bergstraße ist dem Schwaben seit langem bekannt. Als Chef der CDU-Landtagsfraktion ist er zu Parteiveranstaltungen im November 2000 in der „Krone“ in Hirschberg und im September 2002 in der Kuhbergstube Schriesheim zu Gast. Im Februar 2004 trifft er sich im Schriesheimer Ratssaal mit den Bürgermeistern der Region. Damals trägt er sich auch ins Goldene Buch der Stadt Schriesheim ein.

Wie eng die Kontakte gediehen sind, zeigt sich, als Oettinger, mittlerweile Ministerpräsident, Anfang 2006 zur Verabschiedung von Peter Riehl in die Mehrzweckhalle kommt. „Ein großer, runder Lotse geht von Bord“, scherzt er damals. Und ganz Profi will er auch gleich den Nachfolger kennenlernen: „Wo ist denn der Herr Höfer?“, fragt er.

„Sie haben einen guten Start hingelegt“, lobt Oettinger den Grünen, als er einen Monat später zum Mathaisemarkt kommt. Bereits damals schwimmt er hier auf einer Sympathiewelle, hat er doch kurz zuvor den Bau des Branich-Tunnels innerhalb der nächsten acht Jahre zugesagt.

Als er im November 2007 ein Sonderprogramm „Straßenbau“ ankündigt, gilt dies für das Mammut-Projekt Tunnel als Durchbruch, der kurz danach definitiv ist. „Heute ist Dein Geburtstag“, scherzt Oettinger in der Fraktionssitzung vom 9. Januar 2008 an den Landtagsabgeordneten Georg Wacker gewandt: „Und deshalb sage ich Dir hier und heute: Du bekommst Deinen Tunnel.“ 13 Tage danach folgt die offizielle Mitteilung: Der Branich-Tunnel ist Teil des Sonderprogramms. Am 17. November 2008 erfolgt der Spatenstich zu den vorbereitenden Arbeiten durch Innenminister Heribert Rech (CDU).

Den Startschuss für die eigentliche Tunnelröhre will Oettinger eigentlich selbst vornehmen. Doch dazu kommt es nicht mehr: Denn am 24. Oktober 2009 wird bekannt, dass er sein Amt als Ministerpräsident aufgibt und in Brüssel Energie-Kommissar der EU wird. Kurz danach erhält er eine Auszeichnung, die ihn fortan mit Schriesheim verbindet: Am 7. November 2009 wird er Ehrenpate des Madonnenbergs.

Oftmals Gast in Schriesheim

Als 2013 die Biografie von Peter Riehl vorgestellt wird, kann Oettinger in Schriesheim nicht dabei sein; doch er schickt eine Videobotschaft. Den versäumten Besuch holt er bald darauf im April 2014 nach. Insofern freut sich auch der Altbürgermeister „riesig“, dass Oettinger nun wiederkommt. Denn angesichts des Laufs der Zeiten wird es wohl sein „Abschiedsbesuch“ in Schriesheim, wie Rolf Edelmann glaubt.

Doch wer weiß: Oettingers Vor-Vorgänger Lothar Späth kommt 2005 dem in Pension gehenden Bürgermeister Riehl zu Liebe – 15 Jahre nach seinem Ausscheiden aus demMinisterpräsidenten-Amt.