Schriesheim

Schriesheim Naturnahes Gräberfeld auf dem Friedhof eingeweiht / Platz für 138 Urnen

Ewige Ruhe nach langen Diskussionen

Archivartikel

Frisch gepflanzt und etwas schmal, spenden die neuen Ahornbäume und der Grategus noch nicht viel Schatten. Das macht aber nichts, denn der nördliche Bereich des Friedhofs ist noch üppig bestanden mit alten Bäumen, so dass man auch am bisher heißesten Tag des Jahres kühlen Schatten hat. Stadträte, Kirchenvertreter, Ehrenbürger Peter Riehl und etliche Schriesheimer sind zur Einweihung eines neuen Grabfeldes gekommen, dem Diakon Klaus Nagel am Ende noch seinen geistlichen Segen spendet.

„Mit der naturnahen Bestattung gehen wir neue Wege“, erklärt Bürgermeister Hansjörg Höfer eingangs, erinnert an Beratungen im Gemeinderat und die Gründung eines überfraktionellen Ausschusses. Tatsächlich begann eine teils emotionale, persönliche Diskussion vor über drei Jahren mit der Anregung der Grünen, einen Friedwald einzurichten. Die Begutachtung von drei Teilflächen auf Altenbacher Gemarkung kostete 16 000 Euro, doch am Ende erwies sich das Gebiet als nicht geeignet. Vom Fraktionssprecher der Freien Wähler, Heinz Kimmel, stammte die Idee eines naturnahen Grabfeldes auf dem Friedhof. Kein Pflegeaufwand für Angehörige, eine zentrale und vor allem barrierefreie Lage waren für den Gemeinderat letztlich die entscheidenden Argumente. Ebenfalls 16 000 Euro wurden für die Anlage des Feldes veranschlagt.

Areal von 200 Quadratmetern

Zusammen mit der Genossenschaft Badischer Friedhofsgärtner wurde das 200-Quadratmeter-Areal geplant. Es wird durch einen Kiesweg gegliedert, unterm Baum steht eine Bank, die Beete sind mit gelb blühenden Waldsteinia und immergrünen Gewächsen bepflanzt. Dazwischen liegen Sandstein-Findlinge und Baumscheiben aus Hartholz. Auf ihnen können kleine Aluminium-Plaketten mit Namen, Geburts- und Sterbedaten der hier Bestatteten angebracht werden. 138 Urnen-Grabstätten sind hier möglich. „Wir könnten auch nach Norden erweitern, wenn wir mehr Platz brauchen“, sagt Kimmel und zeigt auf eine Freifläche in direkter Nachbarschaft.

Besonderes Projekt

Doch jetzt ist noch niemand hier bestattet, ein Schild in Blattform gibt aber schon einen Eindruck vom späteren Aussehen. Waldähnlich solle der Bereich wirken, sagt Thorsten Baege von der Genossenschaft. „Es ist ein besonderes Projekt.“ Das sich in der Gestaltung deutlich von traditionellen Gräbern unterscheide, schon, weil den Namen nicht direkt einzelne Grabstellen zugeordnet würden. 1800 Euro kostet hier ein Platz, dazu kommen Bestattungskosten und Gebühren für die Stadt, mit der Pflege ist die Gärtnerei Kimmel beauftragt. Im Preis enthalten sind 15 Jahre Liegezeit.