Schriesheim

Schriesheim Der vor einer Woche nach Sturmwarnung abgesagte Festzug wird am Sonntag nachgeholt / Diskussion über Krönung

Fast alle morgen wieder dabei

Zweites Mathaisemarkt-Wochenende, das bedeutet zweiter Höhepunkt – so heißt es in Schriesheim seit vielen Jahren. Noch nie traf dieser Slogan so zu wie diesmal: Denn am Sonntag wird der vor einer Woche wegen Sturmwarnung kurzfristig abgesagte Festzug nachgeholt.

Einen kräftigen Schub an Schaulustigen kann das größte Fest der Region, das 2018 noch 82 000 Besucher verbucht hat, durchaus vertragen: Wie Feuerwehr-Kommandant Oliver Scherer dem „MM“ gestern berichtet, lagen die Besucherzahlen bislang unter der Woche bei 3000 am Montag und bei 5000 am Dienstag.

Fast alle machen wieder mit

Die Voraussetzungen für Zustrom sind gut – nicht nur, was das Wetter, sondern auch, was die Teilnehmer angeht. Am Sonntag wurde noch befürchtet, dass eine Vielzahl von Vereinen nicht nochmal antreten würde. Grund: Die Landwirte könnten auf die zu diesem Zweck ausgeliehenen und hergerichteten Anhänger kaum eine Woche lang verzichten.

Doch dem ist nicht so: Nur ein einziger Verein, der für den zurückliegenden Sonntag angekündigt war, kann morgen nicht dabei sein, und zwar die Hundefreunde. „Dass so viele wieder mitmachen, das hat uns überrascht und freut uns natürlich sehr“, bekennt die Vize-Ordnungsamtsleiterin Isabel Herschel.

Etwas größer ist die Zahl der Musikgruppen, die nicht dabei sein können– aus Schriesheim das Stadtorchester und von außerhalb einige Fanfarenzüge. Sie bestehen aus vielen Aktiven, und bei ihnen ist es nicht allen möglich, auch am neuen Termin von auswärts anzureisen.

Doch diejenigen Fanfarenzüge, die morgen dabei sind, werden in den „normalen“ Festzug integriert. Denn traditionell ist der zweite Sonntag ja ihr Termin. Aber dafür erfreuen sie sich einer Zuschauerkulisse, die sie sonst nicht gehabt hätten.

Ein Programmpunkt allerdings muss wegen der Terminverlegung ausfallen: das traditionelle Schleppergeschicklichkeitsfahren der Landjugend, die ja selbst beim Festzug mitfährt und traditionell den letzten, phonstarken Wagen stellt. Dass es in diesem Jahr keine Traktorenschau vor dem Zehntkeller gibt, das hat jedoch nichts mit dem Festzug zu tun; dies liegt daran, dass sich Organisator Peter Grüber von dieser Aufgabe zurückgezogen hat. Ebenso wie von der Festzug-Moderation.

Sein Nachfolger ist Wolfgang Frank aus der bekannten Gastwirts-Familie. Gemeinsam mit Karl-Heinz Schulz, der das bereits seit zwölf Jahren macht, kommentiert er an der Volksbank, Georg Brand aus dem Historischen Rathaus heraus und Klaus Urban an der Gaulsbrücke.

Doch nicht nur den Festzug diskutieren die Schriesheimer derzeit, sondern auch zwei weitere Punkte. Erstes Thema: Dass der CDU-Bundestagsabgeordnete Karl A. Lamers eine der drei Weinhoheiten krönen durfte. Der Winzer-Chef Karlheinz Spieß begründete dies noch auf der Bühne mit Lamers‘ Engagement für den Mathaisemarkt und speziell für die Weinhoheiten, dankte aber auch dessen Kollegen Uli Sckerl (Grüne) und Gerhard Kleinböck (SPD).

Gleichwohl kritisieren Grüne und SPD dies als „Politisierung der Krönung“. „Die Verantwortlichen wollten sich eben bei ihm bedanken“, meint Bürgermeister Hansjörg Höfer: „Ein politisches Statement wollten sie damit mit Sicherheit nicht abgeben.“ Aber auch Höfer findet, dass „im Prinzip“ Politiker an der Krönung nicht mitwirken sollten.

Zweites Thema: Auf Wunsch der neuen Weinhoheiten sang die „Eintracht“ beim Krönungsabend das Lied „Willenlos“. Darin schwärmt Marius Müller-Westernhagen von einer Prostituierten namens „Fräulein Mayer“. Im Text heißt es unter anderem: „Sie schaffte täglich zehn Freier/Was für ‘ne Kondition.“

„Auch ich war überrascht, als ich das Lied gehört habe“, bekennt Bürgermeister Höfer, sieht darin aber kein großes Problem: „Es sollte eben etwas Modernes sein.“ Zudem, so beobachtete er, hätten die „gestandenen Sänger“, als sie das vorgetragen haben, „selbst grinsen müssen“.