Schriesheim

Schriesheim Gedenken zum 90. Geburtstag von Motorrad-Legende Helmut Fath / Ehrengrab der Stadt

Feier für einen unvergessenen Sportler

Archivartikel

„Seine Erfahrung und sein Fachwissen sind bis heute unvergessen.“ Es sind die letzten Worte im Nachruf auf Helmut Fath; Bürgermeister Hansjörg Höfer hat zuvor an den „fairen Sportsmann“ erinnert, der auch mal Konkurrenten half, an den Rennfahrer und zweifachen Weltmeister, der sich von Rückschlägen nicht entmutigen ließ. Und an den genialen Konstrukteur der „Urs“, die ihren Namen, so mutmaßt der Rathauschef, nicht nur von Faths Heimatort, sondern auch vom lateinischen „ursus“ hat, was auf die Bärenkräfte des Motors hinweisen sollte.

Auf den Tag genau vor 90 Jahren wurde der Ursenbacher Ehrenbürger geboren, konnte dieses Jubiläum aber nicht feiern, weil ihn ein Krebsleiden schon 1993 aus dem Leben riss. Nun stehen Freunde, Verwandte und Weggefährten an seinem Grab, mittendrin Witwe Waltraud Fath, die immer wieder um Fassung ringt. Sie bedankt sich bei allen, die gekommen sind, die das Paar immer unterstützten. Auch für sie hat Höfer anerkennende Worte, drückt seinen Respekt aus für ihre Geduld selbst in schwierigen Zeiten: „Ein Rennfahrer geht ins Rennen, und man weiß nie, kommt er wieder zurück.“

Zwischendurch wird es still, dann hört man die Grillen zirpen auf dem idyllisch gelegenen, kleinen Friedhof. Frische Blumen blühen auf Faths Grab, und Ortsvorsteherin Rosemarie Edelmann erklärt, dass die Stadt nach einer Initiative des Ortschaftsrats nun die letzte Ruhestätte des Rennfahrers als Ehrengrab übernimmt.

Schweigend endet dieser Teil des Abends, doch schon auf dem Parkplatz wird es wieder laut, hört man doch Motorengeräusche, die dem Verstorbenen sicher gefallen hätten: Einige Besucher sind mit Zweirädern gekommen und fahren nun ein Stück seiner alten Rennstrecke bis zum Dorfgemeinschaftshaus. Dort stehen Partyzelte, und der Motorsportclub Oberflockenbach hat einen großen Bierwagen organisiert. Am Zapfhahn steht Ursenbachs Sängerchor-Vorsitzender Wolfgang Blochin; er füllt die Gläser von Hans-Georg Seib und Bernd Quaas, die sich auf den nächsten Tag vorbereiten.

„Ursenbach bebt“, am gestrigen Sonntag zum dritten Mal im Ortsteil, hat zum runden Geburtstag Faths noch eine Schippe draufgelegt, berichten die Mit-Organisatoren: Knapp 40 Gespanne werden erwartet, viele historische Maschinen, dazu die Crème de la Crème der Rennszene. Dieter Braun, John Ekerold und Rolf Steinhausen werden erwartet, ihre Namen zaubern Motorsportfans ein Lächeln aufs Gesicht. „Wir haben sehr viele Leute angeschrieben“, berichtet Quaas.

Eine Herzensangelegenheit

Sein Mitstreiter Seib trägt Konterfeis von lebenden und verstorbenen Stars der Szene auf einem T-Shirt, mittendrin Fath und sein Partner Wolfgang Kalauch, die nicht nur zufällig genau überm Herzen platziert sind: Man spürt, es geht hier nicht nur um Fachwissen. Zwei Gäste kommen aus der Region Bourgogne Franche-Compté, haben endlose Staus hinter sich und strahlen jetzt in der Vorfreude aufs Wiedersehen mit alten Freunden.

Oder über den Anblick der Maschine, die gerade an ihnen vorüber rollt: ein Suzuki-Gespann, dunkelblau, 200 PS stark und mit beeindruckend breiten Reifen. Beim letzten Bier gibt´s noch einen akustischen Leckerbissen: Ein Motorsportfan legt eine Platte auf, und nun läuft im Hintergrund der O-Ton einer Radio-Übertragung. Vom Rennen auf dem Nürburgring 1968.