Schriesheim

Festakt zum Jubiläum der Städtepartnerschaft

Archivartikel

Schriesheim.Als Gastgeschenk gibt es Hühner; die dicken, glasierten Ton-Federviecher sind eigentlich nur eine Randnotiz beim Festakt zum 35-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft mit Uzès. Doch sie stehen zum einen für das Kunsthandwerk der südfranzösischen Region, zudem tauchten ihre Artgenossen schon beim Jubiläum vor fünf Jahren als Zehntkellerdeko auf. Nun kehren sie also zurück, überreicht von Jean-Luc Chapon, der zuvor bekennt, dass er das Wort Glück mit Schriesheim verbindet: „Wer ist nicht glücklich, wenn er hier ist.“

Der Bürgermeister von Uzès gehört zu den Wegbereitern der Jumelage, erinnert sich, wie sein damaliger Schriesheimer Kollege Peter Riehl und dessen Stellvertreter Horst Schütze einst in seinem Büro standen: „Sie haben Uzès entdeckt und es den Schriesheimern nahe gebracht.“ Beim Festakt in Schriesheims „guter Stube“ fehlen die beiden, sind krank und werden schmerzlich vermisst, auch von den übrigen Rednern, die sich auf die Anfänge beziehen. Fit und munter ist dagegen der 77-jährige Rathauschef aus Frankreich. „Die Opposition weiß das“, grinst er: „Aber ich beruhige sie mit der Tatsache, dass meine Mutter 105 Jahre alt geworden ist.“

Anekdoten vieler Besuche

Auch Gérard Bonneau blickt zurück; der Leiter des französischen Partnerschaftskomitees erinnert an die Vorsitzenden, die Schütze auf deutscher Seite folgten: Lothar Treibert, Irene Cuny, Volker Arras, Bernhard Schneider und nun Claudia Ebert. Bonneau gehört zu den regelmäßigen Schriesheim-Besuchern, war zuletzt beim Mathaisemarkt da und berichtet lachend vom Festzug im Jahr des 30-jährigen Jubiläums, wo er „für sechs Stunden“ mit Ebert verheiratet war. Bürgermeistergattin Birgit Ibach-Höfer bleibt ihm als Tunnelpatin im Gedächtnis; nun sitzt sie ganz vorne im voll besetzten Keller und freut sich an diesen Anekdoten.

Einen Dank an „Monseigneur“ Bonneau gibt es von Bürgermeister Hansjörg Höfer, der ihn ebenso wie Ebert für jahrelanges Engagement lobt; zwar sorgt die geistliche Anrede für Erheiterung, doch übernimmt Maria Weber als kompetente Dolmetscherin die Feinheiten des Dialogs. Dann wird es wieder ernst, Höfer geht auf die Bedeutung der Städtepartnerschaft ein. „Sie ist so fest verwurzelt, dass sie nicht mehr wegzudenken ist“, Freundschaften seien entstanden, gemeinsame Erlebnisse würden Menschen verbinden. Er stellt sie in den Rahmen der europäischen Einigung, nennt den Staatenbund nicht nur ein „beispielloses Friedensprojekt“, sondern auch eine Wertegemeinschaft, die gegen den aufkeimenden Populismus verteidigt werden müsse.

Austausch auf vielen Ebenen

Hier steigt auch Ebert ein mit ihrem kurzen historischen Exkurs: Bereits im neunten Jahrhundert habe es die erste, damals noch kirchliche Jumelage gegeben. Paderborn und Le Mans verbrüderten sich, 1925 erst folgten weitere Städte, und ab 1950 standen Frieden und Versöhnung im Mittelpunkt. Aktuell bilden 2200 deutsch-französische Partnerschaften das „Fundament der Freundschaft“. Dass die Jugend diese Gedanken weiter trage, sei gewährleistet, geht Ebert auf die Schüleraustausche ein, für die vor Ort Lehrerin Katja Ewald zuständig ist: Auch sie ist da, ebenso wie Feuerwehrkommandant Oliver Scherer, der den Austausch der Wehren koordiniert. BDS, Sportvereine, Musikgruppen und viele andere hätten in den letzten Jahren Besuche im Languedoc gemacht, sagt Ebert, die zudem an die Jahresfahrt im August erinnert.

Dass die „Schriesemer“ hoch willkommen sind, versichern die Gäste; Weinkönigin Annalena Spieß, die mit ihren Prinzessinnen ebenfalls dabei ist, empfindet schon Vorfreude: „Wir fiebern auf die Reise hin.“ Doch erst wird hier gefeiert: mit Buffet, Wein, Musik vom „Liederkranz“-Frauenchor und den „Heidelberg Jazzmen“. Sowie Kerzen, Tischdecken und Blumen, was bedeutet, dass die oft kritisierten Sicherheitsvorschriften nicht mehr gar so strikt gehandhabt werden.

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