Schriesheim

Schriesheim Vorschriften der Stadt beim Mathaisemarkt sorgen auch auf Facebook-Seite des „MM“ für rege Diskussion

Festzug ohne Gutsel: „Dann bleib ich daheim!“

Archivartikel

Unser Beitrag über das Gutsel-Wurf-Verbot beim Mathaisemarkt in Schriesheim ist auch auf Facebook auf eine breite Resonanz gestoßen. „Auf welchem Mist ist das gewachsen“, schreibt eine Leserin, und eine andere findet: „Hier sollen mit allen Mitteln althergebrachte Traditionen zerstört werden. Kann man nur noch den Kopf schütteln.“

Die beiden Kommentare stehen stellvertretend für viele, in denen Leser ihre Kritik an den Regelungen für den Mathaisemarkt-Umzug äußerten. Die engagiert geführte Debatte zeigt, dass das Thema die Menschen bewegte und einige offenbar schon Konsequenzen zogen wie ein Leser, der schrieb: „Also daheim bleiben, alles klar.“

Einige Nachfragen betrafen auch die Regelungen im Einzelnen; sie wurden den Vereinen von der Verwaltung in einer Präsentation vorgestellt, die dem „MM“ vorliegt. Darin findet sich unter dem Vermerk „Wichtig“ eine stichwortartige Aufzählung. Sie beginnt mit „Kein Ausschank vom Wagen“ und endet mit der Aufforderung, Lücken im Zug zu vermeiden. Dazwischen findet sich ein Verbot, das bei vielen Lesern für Kopfschütteln sorgte: „Kein Werfen von Süßigkeiten o.ä. vom Wagen“. Eine Begründung wird der Aufzählung nicht beigefügt, doch steht sie in engem Zusammenhang mit einer möglichst lückenlosen Sicherung der Gespanne, die beim Zug unterwegs sind.

Verkleidung vorgeschrieben

Traktor und Anhänger müssen mit einer Verkleidung, die bis 20 Zentimeter über dem Boden herunterreicht, versehen werden, zwischen Zugmaschine und „Rolle“ sollen Seile oder Gummibänder gespannt sein, die ein Überklettern verhindern. Auf jeder Seite müssen „zwei ständig sichernde Begleitpersonen“ („Wagenengel“) unterwegs sein. „Zur besseren Erkennbarkeit sind gelbe Warnwesten zu tragen“, heißt es weiter, und auch, dass die „Engel“ über eine „persönliche Eignung“ verfügen sollen und „kein Ausschank an Besucher“ erfolgen darf. Dazu dürften die Freiwilligen auch kaum Zeit haben, denn mit der „ständigen Überwachung der Gefahrenbereiche“, notfalls ein „Eingreifen bei Personen im Gefahrenbereich“ haben sie vermutlich alle Hände voll zu tun. Die „Engel“ stellen ein Novum dar, auch wenn die Vereine bereits in früheren Jahren angehalten wurden, bestimmte Vorschriften bei den Aufbauten zu befolgen. Doch neonfarbene Warnwesten gab es nicht bei den Festzügen der letzten Jahre, und sogar der große Umzug im Jubiläumsjahr 2014 kam ohne sie aus.

Nur einmal „gelbe Engel“

Ein einziges Mal waren zuvor schon „Warnwesten-Engel“ auf der Festzugstrecke unterwegs. 2017 waren die Sänger des MGV Lyra in den quietschbunten Jacken im Einsatz, die damals aber eher für Aufmerksamkeit beim Publikum sorgen sollten. Denn eher ging es um die Aufschrift „sangesfreudig, kultiviert, humorvoll“, mit der sich die Herren in aller Bescheidenheit selbst charakterisierten.