Schriesheim

Schriesheim Jan Spatz, Spitzenkandidat der AfD, stellt sich und das Programm seiner Partei für die anstehende Kommunalwahl vor

Für direkte Demokratie, gegen Windkraft

„Ich bin wohl nicht so, wie sich viele einen AfD‘ler vorstellen“, sagt Jan Spatz. Der Spitzenkandidat der „Alternative für Deutschland“ zur Gemeinderatswahl in Schriesheim ist jung (21), Student und hat Migrationshintergund: „Neben der deutschen Staatsbürgerschaft besitze ich auch die polnische“, erzählt er: „Und ich spreche fließend Polnisch.“

Das Gespräch findet statt in der „MM“-Redaktion in Ladenburg. Spatz unterscheidet äußerlich nichts von den meisten seiner Altersgenossen. Lässig gekleidet, weiße Turnschuhe, weißes Sweatshirt, über dem ein Kreuz hängt. Schmuck oder Bekenntnis? „Beides“, sagt er: „Christliche Werte sind mir sehr wichtig.“ Dennoch will er in Kürze aus der katholischen Kirche austreten. Angriffe ihrer Bischöfe gegen die AfD empfindet er als unangemessen.

Spatz formuliert gestochen. Derzeit studiert er an der PH Heidelberg Lehramt. In zweieinhalb Jahren hat er seinen Bachelor. Wie kam er zur AfD? „Zunächst habe ich von ihr einen Prospekt gelesen.“ Dann sich immer intensiver mit ihr beschäftigt, erste Veranstaltungen besucht. Die sagten ihm zu. So wurde er Mitglied und nun sogar Spitzenkandidat.

Im Spektrum der AfD sieht Spatz sich als konservativ, aber gemäßigt: „Mit Neonazis habe ich überhaupt nichts zu tun“, versichert er: „Ich bin auch kein Björn-Höcke-Fan.“ Diese Positionierung gelte ebenso für den AfD-Ortsverband Schriesheim.

Im Programm gibt es drei große Schwerpunkte: Direkte Demokratie, Verhinderung von Windkraft, Modernisierung des Schulzentrums.

Direkte Demokratie: „Die Bürger sollen über Themen, die sie bewegen und die umstritten sind, selbst entscheiden können“, erläutert Spatz den ersten Schwerpunkt. Im Vorfeld könne ja jede Partei auf einem Info-Blatt ihre Position darstellen.

Jugend: Mit diesem Punkt verbunden: die Forderung nach stärkerer Berücksichtigung des Jugendgemeinderates: „Er wird derzeit nicht recht ernst genommen“, sagt Spatz: „Es ist doch ein Witz, dass es drei, vier Jahre dauert, bis die vom Jugendgemeinderat geforderten zwei Basketballkörbe installiert sind.“

Windkraft: „Ich selbst bin in diesem Thema kein Fachmann“, bekennt Spatz. Doch auch für ihn steht fest: Die beiden im Gespräch befindlichen Standorte in Schriesheim sind falsch. Zum einen aus ökologischen Gründen, weil sie in Naturschutzgebieten („FFH-Fläche“) lägen, zum anderen, weil sie die menschliche Gesundheit gefährden würden, etwa durch Infraschall. Grundsätzlich sei er aber nicht gegen Windenergie: „Es ist eine Frage der Standorte.“

Schulsanierung: Dieses Thema ist dem Spitzenkandidaten aus seinen Jahren, in denen er die Kurpfalz-Realschule besuchte, aus eigener Anschauung bestens bekannt. „Die Toiletten waren stets ein Riesen-Problem“, erinnert er sich. Neben der baulichen Sanierung müsse jedoch auch die Digitalisierung des Schulzentrums ein Ziel des Umbaus werden: „Whiteboards und WLAN gehören in jedes Klassenzimmer.“

Migration: Dieses Thema steht für Spatz nicht im Vordergrund. „Man sollte es nicht verschweigen, aber es sollte nicht alles dominieren.“ In der bisherigen Unterbringung der Flüchtlinge vor Ort sieht Spatz keine Probleme. „Einige von ihnen wohnen ja in meiner Nähe“, sagt der in den Fensenbäumen lebende Spitzenkandidat: „Das ist in Ordnung.“

Aber dann kommt doch Kritik auf: „Diese Wohnungen seien ihnen gegönnt. Doch meine Mutter hat keine solche Wohnung bekommen, als sie damals aus dem kommunistischen Polen geflohen ist.“ Bei Entscheidungen über die künftige Unterbringung von Flüchtlingen werde er als Stadtrat „die Bürger fragen“ und dann entsprechend abstimmen.

Bei anderen Themen der Kommunalpolitik möchte sich Spatz inhaltlich noch nicht festlegen: „In diese werde ich mich einarbeiten, wenn sie anstehen“, sagt er. „Das ist ja im Studium ganz genau so.“