Schriesheim

Schriesheim Bürgermeister Hansjörg Höfer äußert sich zu den Themen Neubaugebiet Süd und Festplatz-Gestaltung

„Für uns als Stadt hat derzeit das Schulzentrum Priorität“

Archivartikel

Die Nachricht sorgt in der Schriesheimer Kommunalpolitik für Freude: Die Weinstadt hat, wie gestern vom „MM“ kurz gemeldet, die magische Marke von 15 000 Einwohnern überschritten und damit ihren Status als mit Abstand bevölkerungsreichste Kommune im Verbreitungsgebiet dieser „MM“-Ausgabe ausgebaut. Und wenn es nach Bürgermeister Hansjörg Höfer geht, dann soll dies nicht das Ende sein.

Denn im Zug der aktuellen Überarbeitung des Flächennutzungsplanes hat Schriesheim bekanntlich Erweiterungswünsche angemeldet: so auf einer Fläche von 18 Hektar im südwestlich gelegenen Gewann „Oberer Schlittweg“, also in einem Bereich, der bisher von Feldern und Aussiedlerhöfen geprägt ist.

Die Genehmigung des Nachbarschaftsverbands Heidelberg-Mannheim ist Voraussetzung dafür, dass der kommunale Entscheidungsprozess dafür beginnen kann. Denn bis jetzt gibt es noch keinen Gemeinderatsbeschluss darüber, ob ein solches Neubaugebiet entstehen soll.

Die Stimmungslage im Gemeinderat zu dem Thema ist höchst uneinheitlich, wie die „MM“-Sommerinterviews mit den Fraktionsvorsitzenden gezeigt haben. Sie reichen von den Freien Wählern, die ein weiteres Baugebiet für überfällig halten, bis zur FDP, die dies ablehnt. Irgendwo dazwischen liegen Grüne, CDU und SPD, die ihre Zustimmung an stadtplanerische, ökologische oder soziale Bedingungen knüpfen.

Sollte der Grundsatzbeschluss für ein Neubaugebiet eine Mehrheit finden, „dann beginnt die Arbeit erst“, wie Höfer im Pressegespräch am Montag erläuterte. „Dann geht es in die Details“, erklärt er. Die wären: Wie soll das Neubaugebiet aussehen? Welche Art von Wohnraum soll geschaffen werden? Außerdem muss die Umlegung erfolgen. „Wir als Stadt haben hier keine Grundstücke“, betont der Bürgermeister.

Ob sich das ändern soll, muss ebenfalls geklärt werden, also konkret: Welche Gemeinweseneinrichtungen sollen hier errichtet werden? Das betrifft vor allem das Feuerwehrhaus. Bei den bereits erwähnten Sommerinterviews hatten sich alle Fraktionschefs für die Beibehaltung seines gegenwärtigen Standortes am Festplatz ausgesprochen.

Wohin mit dem Feuerwehrhaus?

Höfer plädiert dennoch dafür, ein Grundstück dafür im Neubaugebiet zumindest frei zu halten. Und er hat dafür mehrere Argumente. Zum einen sei nicht sicher, ob das Wasserwirtschaftsamt einer Überbauung des Kanzelbachs zur Erweiterung des Feuerwehrhauses auf den Festplatz hin zustimme. Abgesehen davon werde es dort auch nach Abriss des Toilettengebäudes „sehr eng“ werden. Vor allem jedoch sei auch der Hauptbau des Feuerwehrhauses nach 30 Jahren sanierungsbedürftig.

Ein logistischer Punkt kommt hinzu: Sollte die Stationierung des Rettungswagens in Schriesheim von derzeit geplant zwölf auf irgendwann 24 Stunden ausgeweitet werden, dann reiche das DRK-Heim dafür nicht mehr aus. „Er muss dann an das Feuerwehrhaus mit seiner Logistik angebunden werden“, so Höfer. Dafür sei der Platz am jetzigen Standort aber nicht ausreichend.

Hinzu kommt, dass auf dem Festplatz ja eigentlich eine umfassende Umgestaltung der Freifläche erfolgen soll. Entsprechende Pläne und Modelle waren bereits von einer Jury bewertet werden. „Doch das Ganze liegt derzeit auf Eis“, bekennt Höfer. Die Gründe liegen vor allem im Finanziellen: „Für uns als Stadt hat derzeit das Schulzentrum Priorität.“

Alles, was aktuell auf dem Festplatz gemacht wird, hat also lediglich provisorischen Charakter. Das gilt etwa für die Fläche direkt vor dem Rathaus, auf der der Pavillon der Volksbank und zuvor der Brunnen stand. Diese soll asphaltiert und mit zwei Behindertenparkplätzen und zwei Bänken versehen werden.