Schriesheim

Schriesheim Künftig gibt es in der Evangelischen Kirchengemeinde nur noch ein Pfarramt / Folge der am 1. März vollzogenen Verschmelzung von „Ost“ und „West“

Gemeindefusion jetzt konkret sichtbar

Archivartikel

Die Fusion der beiden evangelischen Kirchengemeinden Schriesheim West und Ost wird nun in einer ersten konkreten Maßnahme auch sichtbar: Statt zweier Pfarrämter gibt es fortan nur noch eines, und zwar in der Kirchstraße in der Altstadt. Die beiden Pfarrer Suse Best und Kieren Jäschke stellten die neuen Strukturen gestern der Öffentlichkeit vor.

Zunächst ein Rückblick, wie alles entstand: Im Zuge der Expansion der kirchlichen Infrastruktur in den 1960er Jahren wurde die damals 6000 Mitglieder zählende Evangelische Kirchengemeinde Schriesheim 1967 geteilt: Das Gebiet um den historischen Ursprung in der Altstadt und das gesamte Gebiet diesseits der Bismarckstraße firmierte fortan als Ostpfarrei, das jenseits der Bismarckstraße, vor allem westlich der B 3, als Westpfarrei. Beide Teile erhielten eigene Gemeindehäuser, Pfarrer-Wohnungen, Pfarrämter.

„Viel schon gemeinsam gemacht“

Inzwischen ist die Gesamtzahl der Gläubigen auf etwa 5000 gesunken, der Arbeitsaufwand aus vielerlei Gründen aber dennoch gestiegen. Bei einer Klausurtagung im Oktober vergangenen Jahres, bei der die künftige Arbeitsverteilung diskutiert wurde, entstand die Idee einer organisatorischen Zusammenlegung der beiden Gemeinden. „Wir machen ja schon bisher das meiste gemeinsam“, erläutert Pfarrerin Suse Best. Ohnehin besteht nur eine Kirche, also Gottesdienstgemeinschaft. Nur baulich und administrativ sind die beiden Gemeinden getrennt. Bisher.

Bei den Gläubigen stieß die Idee eines Zusammenschlusses auf große Zustimmung, sowohl in den beiden Ältestenkreisen als auch im Gesamtkirchengemeinderat der Stadt. „Vielen Gemeindemitgliedern ist gar nicht bewusst, dass sie zu West oder Ost gehören“, erlebt Pfarrerin Best.

Die Vorteile einer Fusion liegen in Synergieeffekten bei der Verwaltung sowie im Wegfall von Gremien und damit von Sitzungsterminen: „Außerdem müssen weniger Kandidaten für deren Besetzung gefunden werden.“ Da sowohl Kirchensteuerzuweisung als auch Personalschlüssel für die Hauptamtlichen gleich bleiben, standen diesen Vorteilen auch keine Nachteile gegenüber. Am 1. März trat die Fusion also in Kraft.

Ein zur Abwicklung der Fusion gegründeter Ausschuss bereitete die konkreten Schritte vor. Dazu gehört die Zusammenlegung der Pfarrämter, wie die Verwaltungssitze bei den Evangelischen genannt werden (im Gegensatz zu den Katholiken, die lieber von Pfarrbüros sprechen).

In der Frage des Standortes entschied man sich, West zu schließen und mit Ost zusammenzulegen – und dies, obwohl Ost kleiner ist als West. „Aber die unmittelbare Nähe zum Kirchengebäude war ein wichtiges Argument“, erläutert Best.

Doch die Fusion bringt für die Gläubigen weitere Vorteile. Da Elke Merkel, die 15 Jahre lang in West gewirkt hat, nun zu ihrer Kollegin Natalia Hammer in Ost stößt, künftig also zwei Kräfte vor Ort sind, die sich abwechseln können, sind längere Öffnungszeiten möglich, davon an drei Tagen auch am frühen Abend.

Die Gebäude in West selbst – also auch Pfarrerwohnung und bisheriges Pfarramt – bleiben bestehen. Das bisherige Pfarramt West wird Büro des Gemeindediakons, der, so hoffen die Schriesheimer, bald kommen wird. „Die Stelle ist ausgeschrieben“, berichtet Kieren Jäschke. Aufgabe des/der Neuen besteht – vorbehaltlich der endgültigen Arbeitsaufteilung des dann vollständigen Teams – in der Betreuung von Altenbach, also in Nachfolge von Klaus Nagel.

Allerdings wird der oder die Neue nicht alleine für Altenbach zuständig sein, sondern in ganz Schriesheim eingesetzt werden, so wie übrigens schon bisher; in der Vergangenheit sah man dies daran, dass auch der Gemeindiakon Beerdigungen vornahm, zuletzt die von Doris Miech. Denn Altenbach hat keinen Pfarrer nur für sich und auch kein Pfarramt, auch wenn es eine Kirchengemeinde mit eigenem Ältestenkreis bildet.

Noch komplizierter erscheint die Kirchenstruktur von Schriesheim, wenn man die Betreuung des kleinsten Stadtteils Ursenbach mit einbezieht. Die rund 80 Protestanten dort bilden keine eigene Kirchengemeinde, sondern sind Teil der Schriesheimer. Ihr – oft gut besuchter – Gottesdienst ein Mal im Monat in der Trauerhalle wird seit langem von Alt-Pfarrer Hans Behrendt geleitet.