Schriesheim

Schriesheim Keine weiteren Container im Wiesenweg und Wohnungen am Ladenburger Fußweg

Gemeinderat lehnt Standorte für Obdachlosen-Unterkünfte ab

Archivartikel

Bürgermeister Hansjörg Höfer machte seinem Unmut Luft: „Damit kann nicht gebaut werden.“ Gleich zwei Vorschläge für Obdachlosen-Unterbringungen fielen jetzt im Gemeinderat durch, und aus lauter Frust verzählte sich das Stadtoberhaupt auch noch beim Auszählen: Nicht 15, sondern 14 Gegenstimmen erhielt der Vorstoß der Verwaltung, weitere Container in der Anlage am Wiesenweg 25 aufzustellen. Nicht besser erging es dem Antrag der Freien Wähler (FW), die für eine Unterkunft im Ladenburger Fußweg plädierten: Auch hier gab es mit 14 zu 13 Stimmen eine denkbar knappe Ablehnung.

Emotionale Debatte

Dem Ergebnis ging eine teils emotionale Debatte voraus, die FW-Fraktionssprecher Heinz Kimmel einleitete: Seine Fraktion prüfte Standorte für mögliche Unterkünfte von Flüchtlingen und Obdachlosen und schlug vor, am Ladenburger Fußweg Bauwerke in Holzbauweise zu errichten, sie durch einen Hausmeister und die Bewohner durch Sozialarbeiter betreuen zu lassen. Gegen die Erweiterung der Wiesenweg-Anlage sprachen aus seiner Sicht die direkte Nachbarschaft zum Jugendhaus und dem Tennisclub Schriesheim (TCS) sowie mögliche Probleme mit dem Hochwasserschutz. Ein Gebäude in der Talstraße, das unterhalb des Sudhauses entstehen soll, war für ihn „in weite Ferne“ gerückt: „Wegen der Kostenexplosion bei der Entsorgung von Erdreich.“

„Wir hatten niemals vor, in der Talstraße Obdachlose unterzubringen“, konterte Höfer: Es sei nur um die Schaffung bezahlbaren Wohnraums gegangen. Ansonsten redete er der Wiesenweg-Erweiterung das Wort: Die Menschen würden sich dort wohlfühlen, weitere Unterbringungen würden bald nötig, „und wir haben es auch mit einem Klientel zu tun, das nicht einfach ist.“ Wäre die Anlage Überflutungsgebiet, dürfe hier gar nicht gebaut werden, argumentierte er und bat die Stadträte, den Zusatz „Flüchtlingsunterkunft“ aus ihren Unterlagen zu streichen; es solle nun ausschließlich um Obdachlose gehen.

Fadime Tuncer (GL) war „irritiert“ von dem überraschenden Wechsel; ansonsten schlug sich ihre Fraktion mit Ausnahme von Barbara Schenk-Zitsch auf die Seite der FW. Tuncer erinnerte an den 2016 geschriebenen „Brandbrief“ der Jugendsozialarbeiter, der die offene Jugendarbeit auf dem Push-Gelände als gefährdet ansah; damals ging es um Wohnungen für Flüchtlinge. Warum solle die Situation bei Obdachlosenunterkünften nun anders sein? In dem Gebiet mit Sport- und Freizeitcharakter seien Probleme programmiert, der Wiesenweg solle als Standort am besten „mittelfristig aufgelöst werden“.

Bescheidene Wünsche

Auch Wolfgang Renkenberger (FDP) fand die Lage „suboptimal“, sprach sich für den Ladenburger Fußweg als langfristige und den Wiesenweg als kurzfristige Lösung aus. So sah es auch Gabriele Mohr-Nassauer, die den Bewohnern zusammen mit Schenk-Zitsch einen Besuch abgestattet und erfahren hatte, dass sie sich im Wiesenweg wohlfühlten; sie hätten „bescheidene Wünsche“, wollten aber nicht, dass man die Lage schlecht rede. CDU-Fraktionssprecher Michael Mittelstädt wollte lieber die Formulierung Obdachlosen- und Flüchtlingsunterkunft stehenlassen: „Wenn Not am Mann ist, kann man auch Flüchtlinge unterbringen.“ Davon abgesehen waren ihm Container lieber als feste Unterkünfte.

Mit der letztlichen Ablehnung sah auch das wieder anders aus, erklärte Ordnungsamtsleiter Dominik Morast: „Wir müssen die Kapazitäten für Obdachlose nehmen, die eigentlich für Flüchtlinge vorgesehen waren. Die Flüchtlinge müssen dann anderswo hin.“ Im Zweifel, so Höfer, müssten die Menschen „irgendwo eingewiesen“ werden. Wohin, das blieb offen.