Schriesheim

Schriesheim Stadtparlament wird um zwei Sitze auf 28 erweitert / Bürgergemeinschaft und AfD mit je einem Mandat vertreten

Gemeinderat wird größer –; mit Vertretern neuer Listen

Archivartikel

Wer Kommunalpolitik als Krimi erleben will, der ist gestern Nachmittag im Schriesheimer Rathaus genau richtig. Für 16 Uhr ist das vorläufige amtliche Endergebnis avisiert, am Ende wird es 18.22 Uhr, bis Bürgermeister Hansjörg Höfer die Ausdrucke mit den Resultaten dem „MM“ übergeben kann. Und die beinhalten mehrere Sensationen: Auf Grund von Ausgleichsmandaten hat das Stadtparlament fortan zwei Sitze mehr als bisher. Und mit AfD und Bürgergemeinschaft nehmen zwei neue Gruppen am Ratstisch Platz.

Dass die beiden Neulinge mit jeweils einem Sitz ins Stadtparlament einziehen, das wird bereits am frühen Nachmittag erkennbar. Bemerkenswert ist jedoch, dass nicht die jeweiligen Spitzenkandidaten dieses Mandat übernehmen. Bei der AfD liegt der 21-jährige Student Jan Spatz um 18 Stimmen hinter Thomas Kröber; er ist Vize-Pressesprecher der örtlichen AfD und durch von manchen als scharf empfundene Beiträge im Mitteilungsblatt ein Begriff.

Ähnliches geschieht bei der Bürgergemeinschaft. Spitzenkandidat Andreas Gehrig liegt um knapp 200 Stimmen klar hinter der nach ihm antretenden Liselore („Lissy“) Breitenreicher. Als Mitarbeiterin des Reisebüros in der Altstadt weithin bekannt, zieht sie nun in den Rat ein.

Überraschungen am Abend

Weit länger dauert es, bis die Liberalen Gelegenheit bekommen, sich so richtig zu freuen. Denn erst am frühen Abend wird klar, dass sie neben dem seit langem amtierenden Stadtrat Wolfgang Renkenberger einen Ausgleichssitz erhalten: Er geht an Ulrike von Eicke und Polwitz.

Weniger Grund zur Freude haben SPD und Freie Wähler, die jeweils einen Sitz abgeben müssen. Trotzdem sind alle bisherigen Stadträte der Freien Wähler, die angetreten sind, wieder im Gremium vertreten, da der bisherige Fraktionschef Heinz Kimmel nicht mehr kandidiert hat.

Schwerer getroffen hat es die SPD. Sie verliert einen Sitz; er wird bisher von der Verkehrsvereinsvorsitzenden Irmgard Mohr gehalten.

Ob es der CDU auch so ergeht – da muss sie lange zittern. Zunächst geht man am Nachmittag davon aus, dass ein Sitz verloren geht. Erst wenige Minuten vor Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses wird klar, dass die CDU trotz deutlicher Verluste die Zahl ihrer Sitze halten kann. Denn durch Auszählung eines großen Briefwahlbezirkes schafft es die Ortsverbandsvorsitzende Christiane Haase, ins Gremium einzuziehen.

Spannend wird es aber auch für die Grünen. Zu Beginn der Auszählung nämlich ist noch keineswegs ausgemacht, dass ihre Gewinne an Prozentpunkten für einen siebten Sitz in der Kernstadt ausreichen; einige Zeit lang sieht es sogar so aus, als wenn Bernd Molitor den Einzug ins Gremium nicht schafft. Doch je länger ausgezählt wird, desto klarer wird, dass die Grünen einen weiteren Sitz bekommen. Zu den bisherigen Stadträten gesellt sich Claudia Kockrow, seit langem eine feste Größe bei der Grünen Liste. Am frühen Abend kommt die Nachricht, dass auch Dagmar Wenger dank Ausgleichssitz in den Gemeinderat einzieht – doch da sind die Grünen bereits zum Feiern im Lokal „Handwerk“.

Das offizielle Endergebnis wird im Gemeindewahlausschuss der Stadt am Mittwoch, 19 Uhr, bekanntgegeben. Die konstituierende Sitzung des neuen Gemeinderates erfolgt dann am 17. Juli um 19 Uhr.