Schriesheim

Schriesheim Ökumenischer Abend am Reformationstag unter dem Motto „Kirche hellwach“

Gemeinsam für Glauben aktiv

Archivartikel

Im Trubel von Halloween wird gerne vergessen, dass der 31. Oktober der Reformationstag ist, jener Tag, der an den großen Reformator Martin Luther erinnern soll. Die einstige Trennung der reformierten von der katholischen Amtskirche ist heute zum Teil wieder überwunden. So feierten in Schriesheim die drei christlichen Gemeinden, die evangelische, die katholische und die evangelisch-freikirchliche, in der evangelischen Kirche einen ökumenischen Gottesdienst, mitgestaltet vom Gospelchor.

Thema war diesmal das Widerstehen, beleuchtet anhand des Gleichnisses vom Pharisäer und dem Zöllner, die beide im Tempel beten. „Auch in der heutigen Welt regiert der Egoismus, doch Gott soll der feste Punkt in unserem Leben sein“, mahnte Pfarrerin Suse Best. Nach dem Gottesdienst zog die Gemeinde zum Alten Rathaus.

Kampf um Gerechtigkeit

„Viele Menschen nehmen Ungerechtigkeiten hin, andere stehen auf und kämpfen für Gerechtigkeit“, stieg Rolf Braun ins Thema Widerstehen ein und stellte fünf Schriesheimer vor, die sich gegen Ungerechtigkeiten auflehnen. Über Krebs, die Geisel der Menschheit, berichtete Joachim Whiskemann, der im Heidelberger Zentrum für Tumorerkrankungen arbeitet. Als er 14 war, trennten sich seine Eltern, und er sei in ein tiefes Loch gefallen. Halt und Kraft habe er in seiner Volleyballmannschaft gefunden: „Es war der Sport, der mir die Kraft zum Weitermachen gab.“

Für die Gleichstellung der Frau innerhalb der katholischen Kirche und Zugang zu allen kirchlichen Weihen und zum Priesteramt kämpft Christel Deeg-Schmitt und widersetzt sich der Lehre der katholischen Kirche. Die Bewegung mit dem Namen „Maria 2.0“ beruft sich auf die Auferstehung und die Botschaft der Engel an die Frauen, die Osterbotschaft den Jüngern zu verkünden. „In allen weltlichen Bereichen haben Frauen führende Aufgaben, nur nicht in der katholischen Kirche“, klagte Deeg-Schmitt.

Gegen den Klimawandel kämpft die Schülerin Marieke Wölfer, die sich der Protestaktion „Friday für Future“ angeschlossen hat und freitags gegen den Klimawandel auf die Straße geht. Mit diesen Protesten wolle die Jugend andere wachrütteln und alles daran setzen, die Erde als Lebensraum zu erhalten. Sie lebe vegetarisch und verzichte auf Flüge. „Statt zu fliegen, sollte man wandern und Rad fahren“, forderte sie.

Wie sie vor 30 Jahren die Grenzöffnung erlebt haben, und wie ihr Leben in der DDR als bekennende Christen aussah, darüber sprachen Regina Treztka und Barbara Weiss. 1965 in einer christlichen Familie in Ost-Berlin geboren, weigerte sich Regina Treztka, an der Jugendweihe teilzunehmen. Dies habe dazu geführt, dass sie nur unter größten Schwierigkeiten das Abitur habe machen können. Ein Medizinstudium sei ihr verweigert worden. Sie habe 1989 an den friedlichen Demonstrationen am Berliner Alexanderplatz teilgenommen und für die Wiedervereinigung gekämpft. „Heute stehe ich hier in Demut und Dankbarkeit, ich habe ein kleines Wunder erlebt.“

Über ihr Leben als Christin in der DDR erzählte die 1968 im Vogtland geborene Barbara Weiss: „Von freier Berufswahl war keine Rede, und ich war auch lange arbeitslos.“, gestand sie. Als einzige Christin in der Klasse habe sie an der Jugendweihe teilgenommen, bei der die Jugendlichen Treue zum sozialistischen Vaterland und seiner Ideologie geloben, ein Jahr später sei sie konfirmiert worden. Dennoch sei sie zu keinem Studium zugelassen worden. „Es ist wichtig, die Freiheiten zu verteidigen“, forderte sie. Mit Gesprächen, Gebet und Segen klang der Tag im katholischen Pfarrzentrum aus.