Schriesheim

Sommer-Interview Heute Christian Wolf, Fraktionsvorsitzender der Grünen Liste im Schriesheimer Gemeinderat

„Generalsanierung überfordert die Stadt“

Mit ihrer Ablehnung der 32 Millionen Euro teuren Generalsanierung des Kurpfalz-Gymnasiums Schriesheim ist die Grüne Liste im Gemeinderat der Stadt zwar in der Minderheit. Aber: „Es gibt sehr viele Leute in Schriesheim, die unsere Sichtweise teilen“, erklärt ihr Fraktionsvorsitzender Christian Wolf im „MM“-Sommerinterview.

Herr Wolf, wie fällt Ihre Bilanz aus, wenn Sie auf das vergangene Halbjahr zurückblicken?

Christian Wolf: Es ist viel passiert, unter anderem in Bezug auf die Zukunft des Schulzentrums. Aber es ist auch manches liegengeblieben, zum Beispiel der soziale Wohnungsbau auf den Grundstücken in der Talstraße, der für Schriesheim enorm wichtig wäre.

Wie ist das Klima innerhalb des Gemeinderates?

Wolf: Insgesamt recht gut. Die Kämpfe, die es früher untereinander gegeben hat, gibt es nur noch selten. Wir gehen meist ordentlich und respektvoll miteinander um.

Von den anderen Fraktionen kommt in letzter Zeit der Vorwurf, die Grüne Liste halte sich nicht an Absprachen, presche vor und befinde sich quasi in einem Dauerwahlkampf.

Wolf: Das kann ich nicht nachvollziehen. Als größte Fraktion versuchen wir oft, die anderen Fraktionen in unsere Initiativen mit einzubeziehen und einen möglichst großen Konsens zu erreichen – so beim Gymnasium, den Obdachlosen-Containern am Wiesenweg oder beim Sicherheitskonzept der Stadt. Allerdings ist die Bereitschaft zur Zusammenarbeit eher verhalten.

Das Verhältnis zwischen Gemeinderat und Verwaltung wurde ja jüngst dadurch getrübt, dass der Bürgermeister bei der Wahl eines Amtsleiters gegen das Mehrheitsvotum des Rates sein Veto einlegte. Wie beurteilen Sie den Vorgang?

Wolf: Ich kann den Unmut verstehen. Auch aus unserer Sicht ist das Verfahren nicht gut gelaufen. Doch wenn man nur das Ergebnis betrachtet, ist Dominik Morast die richtige Wahl für die Leitung des Hauptamtes.

Für den Betrachter offensichtlich ist, dass Ihr Verhältnis zum Bürgermeister, obwohl er aus Ihrer Fraktion stammte, gespannt ist.

Wolf: Zur Verwaltung haben wir ein sehr gutes und offenes Verhältnis. Vom Bürgermeister würden wir uns wünschen, dass er sich mehr dafür einsetzt, was uns wichtig ist.

Wer ist „wir“ und „uns“?

Wolf: Die Grüne Liste.

Warum lehnen Sie die geplante Generalsanierung des Kurpfalz-Gymnasiums ab?

Wolf: Zwei Gründe: Wir glauben, dass diese Investition die Stadt finanziell überfordert. Für andere wichtige Projekte, auch die beiden anderen Schularten, wäre dann kaum noch Geld da. Zum zweiten glauben wir nicht, dass das Gymnasium in einem Zustand ist, der eine solche Generalsanierung dringend erfordert.

Was ist Ihre Alternative?

Wolf: Ein abschnittsweiser Austausch von Fenstern, Heizung und Dach ohne Notwendigkeit einer provisorischen Unterbringung der Schüler in Containern, die alleine fünf Millionen Euro kosten würde.

Fühlen Sie sich nicht isoliert mit Ihrer Haltung gegen die Generalsanierung des Gymnasiums?

Wolf: Überhaupt nicht. Denn es gibt sehr viele Leute in Schriesheim, die das komplett anders sehen als die Verwaltung und unsere Sichtweise teilen. Die Bürger haben die Befürchtung, dass dann für die anderen Schularten, aber auch für weitere Projekte kein Geld mehr vorhanden sein wird.

Die Verwaltung sagt, das Neubaugebiet soll mit sechs Millionen Euro zur Finanzierung beitragen?

Wolf: Der Gemeinderat hat noch gar keine Entscheidung getroffen, dass es ein solches weiteres Neubaugebiet überhaupt geben soll. Und wir als Grüne Liste stehen für ein Neubaugebiet, das vor allem den Zweck haben soll, maximalen finanziellen Ertrag zu erwirtschaften, auch nicht zur Verfügung. Wir haben an ein Neubaugebiet ökologische und soziale Anforderungen, die natürlich auch Geld kosten.

Überrascht war die Öffentlichkeit über Ihre kritische Haltung gegenüber der Windenergie.

Wolf: Die beiden einzigen Standorte, die in unserer Region dafür vorgesehen sind, liegen auf Schriesheimer Gemarkung und beide auch noch mitten im Wald. Wald ist aber der schlechteste Standort für Windenergie. In unserer dicht besiedelten Region sollte er der Erholung dienen und seinen Freizeitwert behalten.

In drei Jahren befinden wir uns bereits voll im Bürgermeisterwahlkampf, in dem Herr Höfer ja nicht mehr antritt. Spielt das Thema bei Ihnen bereits eine Rolle?

Wolf: Wir haben das natürlich im Hinterkopf, aber aktuell spielt es noch überhaupt keine Rolle. Zuvor sind ja noch die Kommunalwahlen.

Richtig, in zehn Monaten. Wird es in Ihrer Fraktion zu Veränderungen kommen?

Wolf: Das kann ich jetzt noch nicht sagen. Die Liste wird gemeinschaftlich und solidarisch aufgestellt. Dem möchte ich nicht vorgreifen.

Aber Sie selbst werden doch wohl wieder antreten?

Wolf: () Ich kann mir das gut vorstellen. schmunzelt