Schriesheim

Schriesheim Seit Beginn des Monats werden in der Bismarckstraße die Versorgungsleitungen erneuert – mit Folgen für den Handel

Geschäftsleute verlangen pünktliches Ende der Arbeiten

Nein, es ist keine der üblichen Pressegespräche von Anliegern zu Straßenbauarbeiten. „Wir wollen heute nicht meckern“, macht Christiane Majer gleich zu Beginn deutlich. Die Winzerin und andere Gewerbetreibende aus der Schriesheimer Bismarckstraße wollen vielmehr Zweierlei: ein pünktliches Ende der Arbeiten zum zugesagten Termin und bis dahin finanzielle Unterstützung der Stadt für Werbemaßnahmen.

Die von der Talstraße nach Süden führende Bismarckstraße ist nicht irgendeine Straße in Schriesheim: Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war sie die zentrale Einkaufsstraße des Ortes, nach dem Kriege lief ihr die Heidelberger Straße den Rang ab. Seitdem dort manche Leerstände zu verzeichnen sind, nimmt die Bedeutung der Bismarckstraße wieder zu.

Viele Gewerbetreibende betroffen

Hier befinden sich die Volksbank und der Edeka-Markt, der einzige Vollsortimenter in der Innenstadt, dazu verschiedene Geschäfte, so eine Apotheke, die in vierter Generation geführt wird, ein modernes Augenzentrum oder die Weinscheuer Majer, die seit 1879 hier besteht.

Seit 1. April werden hier die Versorgungsleitungen saniert, Leerrohre für schnelles Internet gelegt. „Dass dies gemacht werden muss, ist uns völlig klar“, betont Birgit Zilles von der Brillengalerie im Augenzentrum. „Wichtig ist uns, dass der Endtermin eingehalten wird.“ Und der ist für Ende Juni angekündigt.

Zilles und ihre Brillengalerie sind gebrannte Kinder: Das Augenzentrum grenzt auch an die Kirchstraße. Und die Arbeiten dort dauerten ein viertel Jahr länger als angekündigt. Mit dramatischen Folgen nicht nur für sie, sondern auch für den Edeka-Markt: „Der Betreiber hatte dramatische Umsatzeinbußen“, so Zilles.

Ähnliches zeichnet sich bereits jetzt in der Bismarckstraße ab: „Die Kunden klagen, dass sie nur noch schwer zu uns kommen“, sagt Johannes Opitz, Inhaber der Apotheke Ecke Bismarck-/Römerstraße. Auch Birgit Zilles befürchtet, dass manchen Kunden der Weg zu ihr zu beschwerlich wird und sie daher woanders hingehen: „Die hätte ich dann erst einmal verloren“, fürchtet sie: „Denn eine neue Brille brauchen sie erst wieder in drei bis vier Jahren.“

Bei Christiane Majer leidet nicht nur der Weinverkauf, sondern auch die Vermietung der Scheuer für Veranstaltungen: „Die Leute, die zum Beispiel am 27. April hier ihre Hochzeit feiern wollen, fragen schon, wie sie überhaupt hierherkommen.“ Daher wünscht sie sich, dass zu den Wochenenden eine Schotterdecke auf der Straße aufgebracht wird.

Das Augenzentrum hat ganz besondere Probleme: „Hier wird am Auge operiert, feiner als millimetergenau“, berichtet Zilles: „Das geht natürlich nicht, wenn auf der Straße der Bagger hämmert, dass die Wände wackeln.“ Vor derartigen Bauarbeiten wünscht sie sich daher eine rechtzeitige Information.

Das Wichtigste aus Sicht aller: „Die Baumaßnahme muss auf jeden Fall zum genannten Termin Ende Juni fertig sein“, fordert Majer. „Für uns zählt jeder Tag“, ergänzt Zilles.

Da die Kunden nun hier nicht mehr parken können, wünschen sie sich auch einen für die Bismarckstraße reservierten Bereich auf dem Festplatz – und dass dort für den Zeitraum der Bauarbeiten an die Kunden, die dort parken, natürlich keine Strafzettel verteilt werden.

Bessere Beschilderung gefordert

Zweites wichtiges Anliegen: die Beschilderung. „Viele unserer Kunden kommen aus der Region zwischen Heidelberg und Weinheim“, sagt Zilles: „Sie sind nicht ortskundig und verfahren sich in der Altstadt.“ Oft sind mobile Barken weggestellt, so dass Ortsfremde im Nirvana enden und mühsam rangieren müssen.

„Für uns ist wichtig, dass die Kunden wissen, dass wir alle nach wie vor für sie da sind“, so Majer. Ziel ist daher, so bald wie möglich an der Talstraße einen solchen Hinweis anzubringen, etwa auf einem Transparent. Und dies mit finanzieller Unterstützung der Stadt. „Ich denke, das haben wir verdient“, meint Zilles: „Wir zahlen ja Gewerbesteuer.“

„Ich habe volles Verständnis für die Sorgen der Geschäfte“, versichert Bürgermeister Hansjörg Höfer auf Nachfrage des „MM“: „Das ist für sie alle derzeit in der Tat eine sehr schwierige Situation.“ Und so fügt er gerne hinzu: „Selbstverständlich werden wir als Stadt sie zum Beispiel beim Werbebanner unterstützen.“