Schriesheim

Schriesheim Gespräch mit dem neuen Altenbacher Feuerwehr-Kommandanten Daniel Hermann

„Gibt nichts Schöneres, als anderen zu helfen“

„Helfen und Retten“, das ist das Lebensmotto des neuen Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Altenbach. Der im Schriesheimer Ortsteil aufgewachsene Daniel Hermann ist mit Leib und Seele Feuerwehrmann: „Ich kann mir keinen schöneren Beruf vorstellen“, bekennt er im Gespräch mit dem „MM“.

Und so hat er seine Leidenschaft auch zum Beruf gemacht. Nach seiner Ausbildung zum Krankenpfleger und etlichen Berufsjahren auf der Intensivstation bewarb er sich nämlich bei der Darmstädter Berufsfeuerwehr – und wurde aus mehr als 400 Bewerbern ausgewählt.

Engagement in die Wiege gelegt

„Bei diesem Prüfungsmarathon spielt es überhaupt keine Rolle, dass ich schon bei der Freiwilligen Altenbacher Wehr eine Ausbildung gemacht hatte und Truppenführer und Maschinist war“, erzählt er. Auswahlkriterium waren abgeschlossener Beruf, Teamfähigkeit, sportliche Leistungsfähigkeit – „und keine Angst, mit schweren Gerät durch enge Tunnel zu kriechen“, erzählt er.

Seine Begeisterung für die Feuerwehr ist dem neuen „Chef“ über 44 Aktive und neun Jungfeuerwehrleute quasi in die Wiege gelegt worden, hatte doch bereits sein Vater in den 1990er Jahren dieses Amt inne. Schon als Fünfjähriger durfte Daniel bei Festivitäten mithelfen. „Ich habe es kaum erwarten können, mit zehn Jahren endlich in die Jugendfeuerwehr eintreten zu dürfen.“ Gerne erinnert er sich an diese Jahre zurück, an die Freizeiten und an die Aktionstage. Mit 17 absolvierte er die Grundausbildung, mit 18 wurde er in die aktive Mannschaft aufgenommen.

Dann hieß es für den jungen Feuerwehrmann erstmals, Abschied zu nehmen von seinem Heimatort Altenbach. Es verschlug ihn ins Tal, und zwar in die Schriesheimer Kernstadt, wo er unter die Fittiche von Georg Weber genommen wurde. „Er war ein sehr guter Kommandant – streng, aber gerecht“. 2011 ging es wieder zurück nach Altenbach und zu seinen alten Kameraden.

Seit er seinen Traumjob bei der Darmstädter Berufsfeuerwehr angetreten hat, pendelt er täglich von Altenbach nach Südhessen. „Im vergangenen Jahr hatten wir dort um die 2700 Einsätze“, berichtet er.

Ein Großteil bestand aus dem Aufbrechen von Türen bei Verdacht von häuslicher Gewalt. Bei diesen Aktionen ruft die Polizei die Feuerwehr zur Unterstützung. „Immer, wenn Gefahr für Leib und Leben besteht, wird die Feuerwehr alarmiert“, erzählt er – und widerlegt somit die Erlebniswelt vieler Zuschauer von Fernsehkrimis, in denen die herbeigerufene Polizei die Türen mit einem einzigen Fußtritt aufbricht.

Auch die Rettung verletzter Personen aus Unfällen auf Autobahnen gehört zu den Standardeinsätzen: „Da ist es natürlich besonders ärgerlich, wenn sture Autofahrer keine Rettungsgasse bilden.“

Auch Höhenrettung gehört zu seinen Aufgaben: „Als Laie kann man sich das kaum vorstellen, gibt es in Darmstadt doch keine Berge“, meint er. Doch diese Höhenrettung ist ja auch eine Rettung aus hohen Gebäuden. Da geht es darum, Menschen wie beispielsweise Fensterputzer aus einer Gondel in schwindelnder Höhe oder Kranführer aus misslichen Lagen zu befreien oder Menschen aus Baugruben zu holen.

Rettung aus Windkrafträdern

Ständig trainiert werden in der Darmstädter Berufsfeuerwehr auch Pannen bei Windkrafträdern. „Da muss man im Inneren über eine sehr schmale Leiter in die Kanzel klettern, um dort einen Arbeiter heraus zu holen.“ Hermann erinnert sich an einen Einsatz, bei dem es darum ging, einen Kranführer aus seiner Kabine zu befreien; der hatte in luftiger Höhe einen Hexenschuss erlitten, sich nicht mehr bewegen können.

Spektakulär war auch ein Einsatz in einem brennenden Haus. „Als wir dort eintrafen, schossen uns schon die Flammen entgegen.“ In einem Raum fanden die Helfer eine Frau mit schweren Brandverletzungen.

Bei allen Einsätzen steht für Hermann Menschenrettung an oberster Stelle. „Wir sind keine Helden und wollen auch keine sein“, sagt er mit Bestimmtheit und bekennt: „Für mich gibt es nichts Schöneres, als anderen Menschen zu helfen.“