Schriesheim

Schriesheim Kritik an Wiesenweg-Container im Ausschuss

Grüber: Gemeinde sollte Vorbild bei Dämmung sein

Archivartikel

Dass Georg Grüber kein Freund von Containern ist, dürfte den Schriesheimern mittlerweile bekannt sein: Der Grünen-Stadtrat argumentierte bereits in den letzten Sitzungen des Ausschusses für Technik und Umwelt (ATU) heftig gegen die provisorischen Bauwerke. Es nützte nichts, die Mehrheit favorisierte sie aus Kostengründen und stimmte für ihre Aufstellung im Wiesenweg, um dort Obdachlose unterzubringen. Nun stand das Thema noch einmal auf der Tagesordnung des ATU, diesmal wegen einer Befreiung von den Festsetzungen des Bebauungsplans, der an dieser Stelle nur Sportanlagen erlaubt.

Doch so einfach wollte es sich der „Treppe-Schorsch“ genannte Zimmerermeister nicht machen; er habe in der Energie-Einsparverordnung (EnEV) nachgeschaut, erklärte er und bemängelte die schlechte Wärmedämmung der Container: „Ich komme da auf einen U-Wert von 0,45.“ Vorgeschrieben seien allerdings Werte von 0,22 Watt pro Quadratmeter und Kelvin für Wände und 0,166 für Dächer – je niedriger der Wert, desto besser die Dämmung. Angesichts dieser Ergebnisse sah er die Vorbildfunktion der Gemeinde infrage gestellt: „Von den Leuten wird verlangt, dass sie die EnEV einhalten, und wir halten uns nicht daran?“

Auch das Argument des Provisoriums wollte er nicht gelten lassen: „Jeder hier weiß, dass die Dinger länger stehen als nur ein Jahr.“ Damit es billiger werde, spare man an der Dämmung, „statt dass gleich was Vernünftiges gebaut wird“. Womit er wahrscheinlich die Holzhäuser meinte, die er hier lieber gesehen hätte: „Aber im Grunde ist es mir egal, ich würde auch was aus dem 3-D-Drucker nehmen, wenn es was taugen würde.“

Da konnte CDU-Fraktionssprecher Michael Mittelstädt nur schwer an sich halten: „Ich fasse mir langsam an den Kopf.“ Seien es doch die Grünen gewesen, die „vor sechs, acht Jahren“ gegen eine feste Bebauung am Wiesenweg gestimmt hätten. „Wir sind da noch mitgegangen und haben der Suche nach einem anderen Standort zugestimmt.“ Auch die Freien Wähler hätten sich dem angeschlossen, bemerkte Stadtrat Bernd Hegmann: „Wir hatten auch noch die Hoffnung, eine andere Lösung zu finden.“ Da daraus nichts werde, müsse man nun allmählich „mal zu Potte kommen“.

Unmut auch aus den Reihen der SPD. „Ich will nicht noch mal diese Diskussion aufmachen, die wir seit Jahren führen“, sträubte sich Fraktionssprecher Sebastian Cuny. Er war es auch, der schließlich zum Verwaltungsantrag zurückkam: Vorgesehen sind vier zusammenhängende Container mit jeweils einem Geschoss; zusammen messen sie 24 mal 6,05 Meter und bieten insgesamt zwölf Zimmer für Obdachlose. „Es ist gut, wenn wir ein bisschen mehr bauen“, so Cuny. Erstmal solle Wohnraum geschaffen werden: „Dann bin ich auch gerne bereit, über die EnEV zu diskutieren.“

Nicht nur Übergangslösung

Bürgermeister Hansjörg Höfer kam noch einmal auf die Standort-Frage zurück: Er wäre dankbar gewesen, wenn die Stadt vor einigen Jahren an dem Platz „etwas Richtiges“ hätte bauen können. Er gab zu, dass die Container nicht nur übergangsweise genutzt würden, denn bis eine Alternative gebaut werden könne, würden auch mindestens zwei Jahre vergehen. „Und wenn wir dieses Ziel nicht erreichen“, fragte GL-Fraktionssprecher Christian Wolf: „Dann bauen wir doch lieber etwas Gescheites, das der EnEV entspricht.“

Doch letztlich war die Entscheidung eindeutig: Gegen die Stimme Grübers gab der ATU der Befreiung vom Bebauungsplan grünes Licht. Ansonsten war sich der Rat einig: Ja für ein Einfamilienhaus in Altenbach – allgemein mit dem Argument, dass der Zuzug junger Familien dort begrüßt wurde. Auch der veränderte Antrag für einen Umbau in der Kirchstraße fand Zustimmung: Das niedrigere Dach passe sich in die Umgebung ein, war der Konsens. stk