Schriesheim

Schriesheim Sterbefälle, Toiletten am Festplatz und Feuerwehr weitere Themen im Gemeinderat

Hansjörg Höfer: „Es braucht nur vier Reißnägel“

Archivartikel

Sterbefälle: Kann man die Todesfall-Nachrichten aus den Ortsteilen auch in der Kernstadt aushängen? Das wollte Georg Grüber in der Gemeinderatssitzung wissen. Daraus entspann sich eine Diskussion, die mal gewollt, mal ungewollt komisch wurde, am Ende aber auch neue Erkenntnisse brachte. Erstmal war es die Begründung des Grünen-Stadtrats, die manche zum Staunen brachte: „Das sind ja auch Mitbürger!“ Ob nun die Toten oder die Altenbacher gemeint waren, blieb offen, denn Bürgermeister Hansjörg Höfer konterte schlagfertig: „Technisch ist das kein Problem, man braucht nur vier Reißnägel!“

Allerdings, gab er zu bedenken, würden auch im umgekehrten Fall keine Bekanntgaben aufgehängt, also keine Nachrichten aus Schriesheim in den Ortsteilen. Worauf Grüber sinnierte: „Es wird aber die Altebächer auch interessieren, wenn ich tot bin.“ Höfer brachte einen Aspekt der neuen Datenschutz-Verordnungen ins Spiel: Demnach darf die Verwaltung bei Sterbefällen keine Straßennamen mehr veröffentlichen. „Wenn die Adresse und der Zeitpunkt der Beerdigung genannt werden, wissen Einbrecher, wann die Wohnung leer ist“, erklärte Kämmerer Volker Arras. Soweit, so sinnvoll. Schwierig werde es erst, wenn ein Karl Schmitt verstorben sei, so Höfer: Bei häufigen Namen wisse niemand mehr, um wen es sich nun handle. „Das fragen mich mittlerweile die Besucher des Friedhofs“, schüttelte Heinz Kimmel (FW) den Kopf: „Als ob ich das immer wüsste.“

Offenbar erreicht die Vorschrift in diesen Fällen genau, was beabsichtigt wird, denn Michael Mittelstädt (CDU) erklärte: „In den Mitteilungen darf nichts stehen, was auf eine bestimmte Person schließen lässt.“ Worauf Bauamtsleiter Markus Schäfer zum Schluss noch den Dreh zu den Lebenden schaffte: Auch in Ausschreibungsverfahren müsse anonymisiert werden. Wer ein Angebot abgebe, aber nicht zum Zuge komme, dürfe nicht mehr namentlich genannt werden.

Toiletten am Festplatz: Die wöchentliche Boule-Runde am Uzès-Platz gehört für den Partnerschaftsverein zum festen Programm. Ärgerlich nur, wenn an solchen Abenden die Toiletten am Festplatz abgeschlossen sind. „Warum ist das so“, wollte SPD-Stadträtin Gabriele Mohr-Nassauer wissen. Offensichtlich aus einem traurigen Grund, den Bürgermeister Hansjörg Höfer auf Nachfragen auch nannte: Im vergangenen Spätjahr hätten sich des Öfteren Personen, vermutlich Obdachlose, in der Anlage eingeschlossen, um darin die Nacht zu verbringen. Der Zustand, in dem sie sie am anderen Morgen zurückließen, empörte offenbar die Reinigungskräfte. „Die Putzfrau hat sich schon des Öfteren darüber beschwert“, so Höfer. Auf der anderen Seite müsse die Bedürfnisanstalt offenbleiben, gerade auch für die Besucher des Wochenmarkts. Weshalb er versprach, eine Lösung zu finden: „Wir müssen uns darum kümmern.“

Schulzentrum: Kurz und schmerzlos war der Satzungsbeschluss für das Baugebiet „Sautrieb vor dem Heidelberger Tor“. In dem Viertel rund um das Kurpfalz-Schulzentrum sind es vor allem zwei Vorhaben, die mit den Änderungen verwirklicht werden können: Zum einen geht es um einen Garten mit derzeit brachliegendem Tennisplatz, der mit zwei Wohnhäusern überbaut werden soll. Zum anderen soll im Bereich einer Zahnarztpraxis ein Verbindungsbau zwischen Wohnhaus und Garage entstehen, der über die Conradstraße erschlossen werden soll. Einwendungen seitens der befragten Behörden wurden gegen die Pläne nicht erhoben, seitens der Stadt, hieß es in einer Stellungnahme, werde „die Maßnahme als sinnvolle Nachverdichtung“ eingestuft. Auch der Gemeinderat gab dem Regelwerk grünes Licht.

„Feuerwehr-Sachbearbeiter“: Wann wird der Feuerwehrbedarfsplan im Gemeinderat vorgestellt“, fragte Karl Reidinger. Der CDU-Stadtrat erkundigte sich in der Ratsfragestunde nach dem länger angekündigten Papier, das als Grundlage künftiger Beschaffungen für die Wehr gebraucht wird. Erstellen solle es der Kommandant, der dafür eigens von seiner Arbeit freigestellt werde, erklärte der Bürgermeister. Doch wegen der vielen Einsätze in letzter Zeit sei der Plan „noch nicht weit gediehen“. Er hoffe, dass die Aufstellung Anfang 2019 fertig sei, bemerkte Höfer und vermutete: „Ich glaube, dass die Stadt in den nächsten zehn Jahren einen hauptamtlichen Feuerwehr-Sachbearbeiter braucht. Das ist so wie jetzt in Zukunft nicht mehr zu leisten.“ stk