Schriesheim

Schriesheim Geschäftsführer der Winzergenossenschaft gibt sein Amt im 25. Jahr aus gesundheitlichen Gründen ab

Harald Weiss hört auf

Archivartikel

Es ist eine Nachricht, die in Schriesheim und darüber hinaus in der Region aufhorchen lassen wird: Harald Weiss, im 25. Jahr Geschäftsführer der Winzergenossenschaft Schriesheim, gibt sein Amt zum 1. Oktober auf eigenen Wunsch aus gesundheitlichen Gründen ab. Dies teilten Vorstand und Aufsichtsrat der WG am Donnerstag vor der Presse mit. Weiss selbst konnte wegen eines gerade erst erfolgten medizinischen Eingriffs nicht anwesend sein, allerdings war die verteilte Presseerklärung mit ihm abgestimmt.

„Ich habe heute Nacht wegen dieses Termins nicht richtig schlafen können“, bekennt der Vorstandsvorsitzende Karlheinz Spieß. „Denn wir sind ja nicht nur Angehörige eines Betriebes, sondern vor allem Menschen“, ergänzt der Aufsichtsratsvorsitzende Winfried Krämer. Und man spürt, dass den beiden die jetzige Entwicklung in der Tat nahegeht.

„Positive Entwicklung“

Denn Krämer und Spieß waren – gemeinsam mit dem damaligen Vorstandsvorsitzenden Friedrich Ewald und anderen – schon Anfang 1996 dabei, als die Bewerbungen für den Posten des Geschäftsführers gesichtet wurden. Bald war ihnen klar, dass der Prokurist einer Weingroßkellerei aus Alzey der beste Kandidat war. Am 1. Juli 1996 trat Weiss sein Amt an. In den 24 Jahren seither habe sich die Schriesheimer Winzergenossenschaft „außergewöhnlich positiv entwickelt“, betonen jetzt Krämer und Spieß in ihrer Erklärung: „Dies ist ganz wesentlich den Ideen und Impulsen von Harald Weiss zu verdanken, der von Anfang an sehr professionell die Geschäfte geführt hat.“

Genannt werden die Gründung von Großveranstaltungen wie die Reihe „Rock‘n‘Riesling“, die Weiss übrigens bereits in den 1980er Jahren als Verwalter des Weingutes Graf von Kanitz in Lorch mit Erfolg erprobt hatte, die Erweiterung des Sortenspiegels um Sauvignon Blanc, Chardonnay oder St. Laurent sowie vor allem der „mit gewissenhafter Begleitung von Lese und Kellerwirtschaft“ umgesetzte Qualitätsanspruch. Dieser habe unter anderem zu 15 Ehrenpreisen bei der Badischen Gebietswein- und Sektprämierung und damit „in die erste Liga der Badischen Weine geführt“.

Gerne erinnert sich Krämer an ein frühes Treffen mit Weiss. Bei einem Essen in der „Pfalz“ hätten sich beide als Ziel vorgenommen: „Beim Wein soll Schriesheim in Nordbaden eine so gute Adresse werden wie Durbach in Südbaden.“ Jetzt stellt Krämer fest: „Dieses Ziel haben wir erreicht.“ Auch wenn die Rahmenbedingungen in den letzten Jahren schwieriger geworden sind: „Herr Weiss hat keinen Fehler gemacht“, betont Spieß.

Doch in den letzten Jahren machte Weiss seine Gesundheit, konkret ein Augenleiden, zu schaffen. Und so sind Weiss und die Genossenschaft überein gekommen, dass er zum 1. Oktober diesen Jahres ausscheidet. Zwar hat er, wie dies am Ende einer beruflichen Tätigkeit oft ist, noch Resturlaub. Aber natürlich ist er dennoch gerne bereit, bei Vorbereitung und Abwicklung der Lese zu helfen, deren Beginn für Ende August erwartet wird. „Die Genossenschaft war in den letzten 25 Jahren sein Leben“, weiß Winfried Krämer: „Da lässt er uns nicht hängen.“

Stelle vorerst unbesetzt

Wie es mit der Geschäftsführer-Stelle weitergeht, das hängt von den finanziellen Rahmenbedingungen ab. Corona hat auch der WG ein deutliches Minus beschert, der Weinladen war drei Wochen geschlossen, das Personal in Kurzarbeit. Doch auch schon vor Corona wurde das Umfeld für den Schriesheimer Genossenschaftswein immer schwieriger.

„In diesem Jahr wird die Stelle bestimmt nicht mehr neu ausgeschrieben“, betont Karlheinz Spieß: „Wir wollen uns Zeit lassen, um alle aufgetretenen Fragen zu lösen.“ Dies gilt auch für den Sitz in den Gremien, der durch das Ausscheiden von Weiss frei wird. Da in diesem Jahr keine Generalversammlung stattfinden kann, soll dies 2021 erfolgen.

Gleiches gilt für die offizielle Verabschiedung von Weiss. Und so versichern Spieß und Krämer, „dass seine Leistungen zu gegebener Zeit auch öffentlich zu würdigen sind.“

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