Schriesheim

Schriesheim Peter Nassauer serviert Geschichten und Anekdoten / Winzergenossenschaft schenkt im Zehntkeller edle Tropfen aus

Heimische Weine begleiten heitere Literatur

Archivartikel

„Nun grüß dich Gott, du frisches Getränk.“ – Mit dieser Hymne auf das göttliche und berauschende Getränk, den Wein, eröffnete Peter Nassauer im ausverkauften Zehntkeller in Schriesheim die 16. heiter-literarische Weinprobe. Was diese Veranstaltung so erfolgreich macht, ist die gute Mischung aus gehaltvollen Weinen und geistreicher Nahrung.

Die Vorsitzende des Kulturkreises, Gabriele Mohr-Nassauer, kündigte einen vergnüglichen Abend an, und das war auch nicht zu viel versprochen. Das Publikum amüsierte sich nach der Devise des Abends: „Wein erregt die Fantasie.“ Und das haben bereits die großen Philosophen der Antike erkannt. So habe Aristoteles dem Geist des Weines nicht widersagt. Selbst der Dichterfürst Goethe war den beflügelnden Genüssen nicht abgeneigt. Auf die Frage eines Studenten, was er gerne auf eine einsame Insel mitnehmen möchte, antwortete er: „Bücher, eine Kiste Wein und eine schöne Frau.“ Und wenn er zwischen Wein und Frau entscheiden müsse? Antwort: „Das kommt ganz auf den Jahrgang an.“ Auch bei der 16. Auflage der Weinprobe mangelte es Nassauer nicht an Themen. Er beleuchtete mit Kurzgeschichten und Anekdoten bekannter Autoren humorvoll und mit einer kräftigen Portion Sarkasmus alles, was das Leben mit dem Genuss von Wein so leicht und lebenswert macht.

Wie könnte man stimmungs- und gefühlvoller einer Frau seine Liebe gestehen als bei einem romantischen Essen in einem Sterne-Restaurant? Meistens scheitert das Liebesgeständnis dann an den mangelnden Weinkenntnissen, denn dann gewinnt das Herz der Angebeteten letztendlich der beflissene Kellner. Man könne auch gewaltigen Eindruck bei Freunden schinden, wenn man nach dem ersten Schluck mit geschlossenen Augen schwärmt: „Dieser Tropfen ist in einem Eichenfass gereift und schmeichelt dem Gaumen.“

Günstiger, als sich den Playboy zu kaufen, sei ein Saunabesuch, empfiehlt Eckart von Hirschhausen. Dort treffe man eine seltsame Mischung aus Neandertaler und Schrebergarten-Kolonie. Eben Menschen, „wie Gott sie erschuf und McDonalds sie formte“. Das Publikum dankte Nassauer für den unterhaltsamen Abend mit lang anhaltendem Applaus, und ohne Zugabe durfte er die Bühne nicht verlassen.

Zwischen den einzelnen Parts stellte Astrid Spies sechs erlesene Weine vor, Träger der Goldmedaille und aus der Exclusiv-Serie. Und während sie über die Eigenschaften der edlen Tropfen plauderte, gingen die amtierenden und ehemaligen Weinhoheiten durch die Tischreihen und sorgten dafür, dass kein Glas lange leer blieb. Dem Riesling Schlossberg (2017) folgten ein Sauvignon Blanc aus dem Jahrgang 2018 und ein Grauer Burgunder von 2018, ein kräftiger fruchtiger Wein. Steigerung war ein Chardonnay Spätlese (2018), neun Monate in kleinen Eichenfässern gereift. Spies verwies auf das fruchtige Vanille-Aroma mit einer Limonen-Note. Es folgte ein Spätburgunder Rotwein Spätlese (2017), „rund, harmonisch, fruchtig und wärmend“, wie Spies sagte: „Dieser Wein erspart jeden Saunagang.“ Mit dem Gewürztraminer Spätlese von 2018 war die Stimmung auf dem Höhepunkt angelangt. „Eine flüssige Praline“, wie Spies schwärmte. greg