Schriesheim

Schriesheim Orgelkonzert in der evangelischen Stadtkirche / Werke von vier Komponisten

Herausforderung für Künstler und Hörer

Seit zehn Jahren lädt die evangelische Stadtkirche zu einem besinnlichen Orgelkonzert ein. „Heute können wir ein kleines Jubiläum feiern“, ging der Kantor Martin Fitzer auf zehn Jahre weihnachtliche Orgelmusik ein und lud im Anschluss an das Konzert in das Begegnungszentrum zum Glühwein und Plaudern ein.

Vier Werke bedeutender Komponisten aus drei Jahrhunderten standen auf dem Programm, die in Klang, Harmonie und Farbgebung nicht unterschiedlicher sein könnten, jedoch zu einem einzigartigen Klangerlebnis verschmolzen. Es wurden alle Register gezogen, angefangen vom einem hauchenden Pianissimo (sehr leise) bis hin zum majestätisch aufbrausenden Fortissimo (sehr laut). Zu hören waren Kompositionen von Bach über Max Reger bis hin zu modernen französischen Orgelwerken von Olivier Messiaen und Alexandre Guilmant.

Den Anfang des Konzertes machten Präludium und Fuge in A-Dur von Johann Sebastian Bach mit zwei Choralbearbeitungen aus den „Arnstädter Chorälen“. Ein Werk mit imposantem Klangvolumen und unterschiedlicher Tongebung, das manchen Organisten vor ein Problem stellt: Ist der Takt nun in Dreiachtel oder in Dreiviertel geschrieben?

„Das weiß man nicht so genau“, bemerkte Fitzer in seiner Einführung in das Werk. Er spielte es mit einer festlichen aber energiegeladen und schwungvollen Nuancierung, die er in einer musikalischen Raserei enden ließ. Es folgten zwei Choräle „Vom Himmel hoch da komm ich her“ und „Lobet Gott ihr Christen all zugleich“. Von Max Reger hatte er für den Abend zwei Stücke aus den „Zwölf Orgelstücken“ gewählt, und zwar „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ und das „Pastorale“.

Es sind Stücke, die Reger trotz strengem Arbeitsverbot durch seinen Arzt innerhalb von nur 14 Tagen in der Oberpfalz geschrieben hat. Diese Werke mit ihrem riesigen Crescendo bis zum Pianissimo verlangen vom Interpreten alles ab, sowohl eine rasante Finger- als auch Fußfertigkeit.

Schwere Kost

In seiner Einführung hatte der Kantor seinen Zuhörern nicht nur keine leichte Kost versprochen, er warnte sie sogar vor dem dritten Werk. „Bitte nicht fluchtartig die Kirche verlassen“, sagte er. Und dieser Rat war auch gut gemeint. Die Zuhörer fuhren bereits bei den ersten Tönen des französischen Komponisten Olivier Messiaen erschrocken zusammen.

Was das Stück „Le Verbe“ aus dem Zyklus „La Nativité“ für das Ohr so gar nicht harmonisch klingen lasse, seien die von ihm eingesetzten systematischen Tonleitern, die aus einer in der Oktave sich mehrfach wiederholenden regelmäßigen Folge von Ganz- und Halbtonschritten bestehen, erläuterte Fitzer. Den Abschluss des Jubiläumskonzertes machte der französische Komponist Alexandre Guilmant mit dem Konzertstück „Morceau de Concert“ das sich aus „Prélude, Theme es quatre variations“ und einem prachtvollen und starken „Finale“ zusammensetzt. Als dann der letzte Orgelton verhallt war, bedankten sich die Musikliebhaber in der voll besetzten Kirche mit frenetischen und langanhaltenden Applaus. greg