Schriesheim

Historisches Ergebnis

Archivartikel

Man sollte ja vorsichtig sein mit dem Gebrauch des Wortes „historisch“. Doch hinsichtlich der Kommunalpolitik in Schriesheim verdient das Ergebnis der Gemeinderatswahl diese Bewertung durchaus: Das Stadtparlament muss um zwei Sitze erweitert werden. Und vor allem: Vertreter zweier neuer Listen nehmen am Ratstisch Platz: Bürgergemeinschaft und AfD.

Klarer Sieger ist jedoch auch in Schriesheim die Grüne Liste. Natürlich durfte sie vom Bundestrend profitieren, doch ihr Erfolg ist längst strukturell untermauert. Die Grüne Liste ist tief verankert im gesellschaftlichen Leben der Stadt und ihrer Ortsteile. Und sie betreibt Ratsarbeit und Wahlkampf so professionell wie kaum einer ihrer Mitbewerber. Ihr Erfolg ist daher verdienter Lohn.

CDU im Glück, SPD mit Pech

Die CDU hat dagegen Glück im Unglück: Im Gegensatz zu anderen Orten kann sie trotz Stimmenverlusten die Zahl ihrer Sitze halten; dem Fraktionsvorsitzenden Michael Mittelstädt fiel sichtlich ein Stein vom Herzen.

Verlierer ist jedoch auch hier die SPD – auf Grund des Bundestrends und daher unverdient. Den Schriesheimer Sozialdemokraten geht es so wie ihren Genossen in der Bundesregierung: Sie machen gute Sacharbeit, haben auch einen ideenreichen Wahlkampf abgeliefert, doch in Stimmen schlägt sich das nicht nieder. Das Ausscheiden ihrer Stadträtin Irmgard Mohr ist menschlich ein Verlust für das ganze Gremium.

FDP-Sensation und neue Listen

Eine eigene kleine Sensation schafften die Liberalen. Ihnen gelang es, in schwierigstem politischen Umfeld rechts der Mitte die Zahl ihrer Sitze zu verdoppeln – Ergebnis jahrelanger Arbeit auch des Ortsvorsitzenden Ingo Kuntermann. Dass nicht er es ist, der in den Genuss dieses neuen zweiten Sitzes kommt, zeigt, dass Politik zuweilen nicht gerecht ist.

Der wahre Hammer ist jedoch der Einzug der beiden neuen Listen in den Rat: Mit Lissy Breitenreicher von der Bürgergemeinschaft kommt sicher mehr Stimmung ins Gremium. Veränderung bringen wird aber auch und vor allem die AfD. Man kann nur hoffen, dass sich das Klima im Gremium nicht derart belastet wie in Landtag oder Bundestag, als diese Partei dort hinzustieß.

Ringen um Schlüsselpositionen

Im Ortschaftsrat Altenbach deklassiert die Grüne Liste die CDU. Auf der Basis dessen könnte ihr Fraktionschef Christian Wolf durchaus Anspruch auf das Amt des Ortsvorstehers anmelden, um damit seinen großen Traum zu verwirklichen. Ob Amtsinhaber Kraus bleibt, das entscheidet die SPD vor Ort mit ihrer einen Stimme. Das wird also spannend.

Weniger spannend wird die anstehende Wahl der ersten Vize-Bürgermeisterin. Hier liegt auf der Hand, dass Stimmenkönigin Fadime Tuncer dies wird. Dass mit der Grünen-Stadträtin eine Frau mit Migrationshintergrund mit den meisten Stimmen in den Rat eines so traditionsbewussten Ortes einzieht, das ist ein Ausrufezeichen der Mehrheit der hiesigen Bevölkerung – angesichts der Stimmung im Lande im Allgemeinen und des Einzugs der AfD in den Rat im Speziellen. Und damit auch Zeichen der Hoffnung.