Schriesheim

Schriesheim Anwohner Karl Wilhelm Bauer hat Vorkommen der allergieauslösenden Ambrosia-Pflanze entdeckt

Hoch allergene Pflanze in Stadt

Archivartikel

Es ist ein kleines, unauffälliges Pflänzchen, das da seine Blätter aus der trockenen Erde streckt: Die Blätter sind saftig grün, gezackt, und mancher mag sich schon fragen, was daraus wird. Nichts Gutes, so viel steht fest. „Denn das“, sagt Karl Wilhelm Bauer, „ist eine Ambrosiapflanze.“ Der pensionierte Bio-Lehrer entdeckte die ersten Exemplare vor zehn Jahren auf Weinheimer Gemarkung und machte in den letzten Jahren auch immer wieder Vorkommen in der Weinstadt aus.

Es ist eine alarmierende Beobachtung, denn vor der Pflanze warnt mittlerweile sogar das Umwelt-Bundesamt. „Ambrosia“, heißt es in einer Mitteilung der Behörde, „ist nicht nur ein lästiges Ackerunkraut. Ihr Pollen kann schon in kleinen Mengen heftige allergische Reaktionen auslösen.“ Irgendwann aus Nordamerika in verunreinigtem Vogelfutter eingeschleppt, verbreitete sich die Pflanze über winzig kleine Samen, die bis zu 30 Jahre lang im Boden überleben können. Den Pollen, die sie ab Juli abgibt, wird ein Allergiepotenzial zugeschrieben, das fünfmal so hoch ist wie das von Gräserpollen.

Pflanzen wachsen in zwei Beeten

Heuschnupfen, Bindehautreizungen und Asthma können auftreten, wenn Menschen damit in Kontakt kommen. Noch sind die meisten Ambrosiapflanzen nur wenige Zentimeter hoch, doch in den nächsten Tagen oder Wochen könnten die ersten bereits Blüten bilden. Und schon jetzt gibt es einzelne Gewächse, die einen halben Meter hoch sind.

Bauer zeigt dem „MM“ die Fundstellen unweit seines Zuhauses: Die Pflanzen wachsen in zwei Beeten entlang der B 3, unweit der Kreuzung Ruhweg. Mitten in der Stadt. „In einem Beet“, sagt er, „habe ich über 30 Exemplare gezählt, in dem anderen ein gutes Dutzend.“ Es gebe zwei Möglichkeiten, wie sie dorthin gekommen sein könnten. Die eine: Durch einen Bodenaustausch könnte mit Samen verseuchte Erde aufgebracht worden sein. Die andere: Die Samen könnten in der Blühpflanzen-Mischung enthalten gewesen sein, die hier gesät wurde. Gegenmittel gibt es nicht viele, sagt er: „Man muss die Pflanzen mit den Wurzeln entfernen, möglichst, wenn sie noch so klein sind wie jetzt.“

Das Beet umgraben helfe ebenso wenig Mähen. Denn die Samen bleiben im Boden. Wichtig sei, die Pflanzen nur mit Handschuhen anzufassen; falls sie bereits blühen, müsse zudem mit Atemschutzmasken gearbeitet werden. Auf keinen Fall dürften die Unkräuter in den Biomüll gegeben werden, besser sei es, sie in eine Plastiktüte zu stecken und im Restmüll zu entsorgen - eine Empfehlung, die auch das Umwelt-Bundesamt gibt. Das die Bürger übrigens auch auffordert, Ambrosia-Vorkommen zu melden.

Auch Bauer will das tun und sich noch heute an die Stadtverwaltung wenden. „Am besten“, sagt er, „wäre es, wenn die städtischen Gärtner mitkommen und sich die Pflanzen ansehen würden.“ Es wäre übrigens nicht das erste Vorkommen hier: Vor ein oder zwei Jahren fand der Schriesheimer Bestände beim Minigolfplatz, in einem anderen Jahr gab es welche in der Schubertstraße.

Und als er nun mit dem „MM“ die Straße in Richtung Supermarkt entlang geht, zeigt sich, dass es auch im dortigen Beet bereits wuchert. „Drei Stellen im Umkreis von 300 Metern“, sagt er, „das ist schon viel. Vor allem hochgerechnet auf das Stadtgebiet.“