Schriesheim

Schriesheim Verabschiedung der Abiturienten des Kurpfalz-Gymnasiums

Höfer: „Euch stehen alle Türen offen“

Mit dem Überreichen der Zeugnisse treten 77 junge Menschen in ein neues, selbst bestimmtes Leben ein. Wurden in der Vergangenheit viele Entscheidungen von den Eltern und den Lehrern übernommen, so müssen sie die Entscheidungen für ihr weiteres Leben selbst in die Hand nehmen. Das waren die Hauptthemen, die in den Grußworten und Ansprachen behandelt wurden. Jürgen Sollors, Leiter des Kurpfalz-Gymnasiums, fragte in seiner Ansprache nach dem Erlangen von Glück, und ob man ihm hinterherlaufen könne. Die antiken Philosophen sprachen von einer tugendhaften Lebensweise, vom Erleben von Lust und von der Abwesenheit von Schmerz.

„Heute haben die Soziologen die Aufgabe nach der Glückssuche übernommen“, machte er den Sprung in die Gegenwart und ging auf eine Studie ein, aus der hervorgeht, dass die glücklichsten Menschen in Finnland leben. Ein Grund hierfür sei, dass in Finnland die sozialen Unterschiede recht gering sind. Er nannte vier Kriterien zum Glücklichsein, die Liebe, Beziehung und Bindung, Optimismus und die Möglichkeit der Veränderung im Denken und der Einstellung. Seinen Abiturienten wünschte er, sie mögen das Glück erkennen, wenn es bei ihnen vorbeischaut.

Für ihn sei es immer ein ganz besonderer Moment, bei diesem Anlass Grußworte sprechen zu dürfen, wandte sich Bürgermeister Hansjörg Höfer an die Abiturienten. Für sie sei ein Lebensabschnitt zu Ende gegangen und ein viel größerer warte jetzt. „Euch stehen alle Türen offen“, wandte er sich direkt an sie. „Ihr habt Durchhaltevermögen bewiesen und dafür auch hart gearbeitet“ – Schule und Lehrer hätten ein solides Fundament gelegt.

Zum Nichtstun gehört Mut

Einhard Büscher vom Lehrerkollegium machte „Mut“ in seiner Ansprache zum Thema und fragte, wozu Mut überhaupt notwendig sei. Entscheidungen stehen an, aber auch das Nichtstun sei eine Entscheidung und dazu gehöre ebenfalls Mut. Er machte ihnen Mut, ihre eigenen Fähigkeiten auszutesten und sich für Frieden und Demokratie einzusetzen. „Eincremen nicht vergessen“, gab die Elternsprecherin Eva Weiler den Abiturienten mit auf ihren Weg. Sei doch wissenschaftlich erwiesen, wie gut die Sonnencreme schützt.

Sie bezog sich auf den Song von Baz Luhrmann „Everybody‘s free to wear sunscreen“, der kurz eingespielt wurde. Sie riet, keine Angst vor der Zukunft zu haben, Mut zu haben, die Welt zu bereisen, Freundschaften zu schließen und Liebesbriefe zu schreiben. Mut brauche es auch, um Entscheidungen zu treffen, selbst dann, wenn sie nicht gut seien.

Mit großer Spannung erwarteten alle Gäste die Rede der Scheffelpreisträgerin Julia Helmes. Sie machte „Verantwortung“ zu ihrem Thema. Übernehme man Verantwortung, so tue man eine Handlung, dabei sei Nichtstun ebenfalls eine Handlung. „Verantwortlich ist man nicht nur für das, was man tut, sondern auch für das, was man nicht tut“, zitierte sie einen chinesischen Philosophen. Außerdem müsse die verantwortliche Entscheidung zum aktiven oder passiven Handeln aus freiem Willen getroffen werden. Als Kind wurde man von den Eltern und Lehrern an die Hand genommen, um die Auswirkungen des Handelns für sich selbst und andere zu lernen, später sei man dafür selbst verantwortlich.

„Während unserer Schulzeit war unsere Verantwortung recht überschaubar, wurde doch vieles von den Eltern und Lehrern abgenommen.“ Und dafür dankte Julia Helmes. „Es war bestimmt nicht immer leicht mit uns“, sagte sie. Jetzt stehe man vor Verantwortungen, die allen bislang noch unbekannt waren. Sie appellierte an ihre Kameraden, die eigene Position zu vertreten und sich auch einzumischen. „Lasst uns handeln, lasst uns Gutes tun“, rief sie ihnen zu. Für ihre Rede erhielt sie tosenden Applaus. Es folgte die Ausgabe der Zeugnisse. Musikalisch umrahmt wurde die Abschlussfeier vom Schulorchester unter der Leitung von Janette Schmid.