Schriesheim

Schriesheim Land Baden-Württemberg zeichnet Rainer Nobiling mit der Staufer-Medaille aus

Hohe Ehrung für Mitglied der Tierethik-Kommission

Archivartikel

„Die Staufer-Medaille“, sagt Peter Hauck, „wird für herausragende Verdienste um das Gemeinwohl verliehen.“ Bei dieser Gelegenheit könne man ab und zu auf einen Aspekt des gemeinschaftlichen Lebens hinweisen, der über das Alltägliche hinausgehe. Jedenfalls ist der Minister für Ernährung und ländlichen Raum eigens zu diesem Zweck aus Stuttgart in die Weinstadt gekommen. Er zeichnet Rainer Nobiling aus, weil er sich in einem, wie Hauck sagt, „höchst ungewöhnlichen“ Zusammenhang Verdienste erworben hat.

Seit Jahren gehört der Schriesheimer Professor nämlich der Tierethik-Kommission an, einem Gremium, das in jährlich 250 Fällen Art und Umfang von Tierversuchen begutachtet. Das sei ein Feld, über das selten fundiert gesprochen werde, bemerkt Hauck: „Denn Tierschützer ist ja eigentlich jeder.“ Doch müssten solche Versuche zuweilen gemacht werden, in letzter Konsequenz seien sie eben doch denen am Menschen vorzuziehen: „Das ist eine bittere Wahrheit für alle, die sich als Tierrechtsaktivisten verstehen.“

Ehrenamtlicher Einsatz

Nobiling habe sein Wissen jedenfalls der Ethik-Kommission am Regierungspräsidium Karlsruhe zur Verfügung gestellt – ehrenamtlich, so Hauck. Erworben hatte er es ab 1998, als er den Posten eines Tierschutzbeauftragten der Uni Heidelberg annahm. Seit 1988 lehrte der heute 70-Jährige am Heidelberger Institut für Physiologie und Pathophysiologie.

Geboren in Kiel, aufgewachsen in Frankfurt und Düsseldorf, verschlug es den Hanseaten zum Studium erst nach Hamburg, dann nach Heidelberg. Vor knapp 50 Jahren zog er nach Schriesheim, wo er bis heute lebt. Als Tierschutzbeauftragter kümmerte er sich um die Voraussetzungen, den Art und Umfang von Tierversuchen an der Uni – was ihn zum Experten qualifizierte. 2002 wurde er Mitglied der Karlsruher Ethikkommission, 2011 deren stellvertretender Vorsitzender. Heute sitzt er zudem in ähnlichen Gremien bei der Bundeswehr sowie in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz.

Diese Informationen liefert Nobiling nach Haucks Laudatio selbst. Wie auch den Hinweis, dass er sich ins Gemeindeleben der hiesigen evangelischen Kirche einbringt. Hauck weiß von Nobilings einstigem Engagement für den Orgelförderverein. Der Geehrte fügt noch hinzu, dass er jahrelang dem Kirchengemeinderat vorstand.

Für diese Seite seines Lebens stehen die Pfarrer, die zur Feierstunde in den Ratssaal gekommen sind: Pfarrerin Suse Best und ihre Amtskollegen Kieren Jäschke und Udo Zansinger sowie Vorgänger Wolfgang Putschky, außerdem Kirchenälteste und Gemeindemitglieder. Die Familie ist vertreten durch die beiden Kinder, die drei Enkel und die 97-jährige Mutter, die Beifall spenden, als er die Staufer-Medaille aus den Händen Haucks entgegennimmt. Als Vertreter seines Berufsstands spricht schließlich noch der Dekan der medizinischen Fakultät Heidelberg, Professor Andreas Draguhn: „Wir sind froh und stolz, dass wir dich haben.“ Und freut sich, dass Nobiling an einer so „kritischen, hoch sensiblen Stelle“ vermitteln könne. Und sich noch immer einbringe, trotz seiner Emeritierung 2013.

Zu guter Letzt wird angestoßen, und zwar mit Madonnenberg-Sekt, wie Bürgermeister Hansjörg Höfer bemerkt. Ist Hauck doch Pate des historischen Schriesheimer Weinbergs.