Schriesheim

Schriesheim Dietmar Betz ist seit 50 Jahren als Prädikant der Evangelischen Kirche tätig / In der gesamten Region unterwegs

„Ich habe diesen Weg keine Sekunde bereut“

Im März 1971, vor fast genau 50 Jahren also, wurde der Hemsbacher Dietmar Betz vom Landesbischof Hans-Wolfgang Heidland in das Ehrenamt eines Prädikanten berufen. Es ist nicht nur ein würdevolles und honoriges Ehrenamt. Dahinter verbirgt sich viel an Verantwortung und Fürsorge gegenüber den evangelischen Christen.

Daher war es für Pfarrerin Suse Best, den Kirchengemeinderatsvorsitzenden Thomas Rufer und den Leiter des Hauses Stammberg, Michael Meisel, ein besonderes Anliegen, ihn für seine 50 Jahre währende Seelsorgearbeit zu würdigen.

„Es ist doch nicht nötig, dieses Ereignis so groß zu begehen“, gab sich Betz bei der Ehrung, die auf Grund der Coronabestimmungen vor dem Haus Stammberg stattfinden musste, recht bescheiden. „Das zeigt mal wieder, wie schnell doch die Zeit vergeht“, sinnierte er.

Als Sohn eines Pfarrers wurde er von Klein auf in kirchliche Dienste miteinbezogen. Nein, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten und Theologie studieren, das wollte er zwar nicht, doch sich weiter aktiv in die Gemeinden einbringen sehr wohl. So folgte er seiner geistlichen Berufung und entschloss sich im Alter von 26 Jahren zu einer Ausbildung als Prädikant, während er dem sehr weltlichen Beruf eines Bankers nachging.

Fast wie ein Pfarrer

„Der Beruf eines Pfarrers ist nicht so glanzvoll, wie es den Anschein hat, der Pfarrgemeinderat kann ihm ganz schön zu schaffen machen“, erläuterte er aus reicher familiärer Erfahrung. Als Prädikant habe er die gleichen Aufgaben wie ein Voll-Theologe, von Taufen über Hochzeiten, Beerdigungen bis zu Predigten, aber keine eigene Gemeinde und keine Verwaltungsaufgaben. So könne er nach den Gottesdiensten einfach gehen, beschrieb er seine Tätigkeit mit einem Schmunzeln. Berufen wird er jeweils für sechs Jahre.

Sein Einzugsbereich als Prädikant reicht von Laudenbach über Hirschberg, Schriesheim und Dossenheim bis nach Ladenburg, Ilvesheim, Neckarhausen und Edingen. Er betonte, dass für ihn dieses Amt „Berufung“ sei: „Das hat sich auch nach 50 Jahren nicht geändert.“

Pro Jahr hält er 62 Gottesdienste, er hat viele Kinder getauft und Trauungen vollzogen, aber zu seinen Aufgaben gehört auch, Menschen auf ihrem letzten Weg zu begleiten: „Und das geht mir immer noch sehr nahe.“ Schmerzhaft in Erinnerung geblieben ist ihm eine Beerdigung, an der niemand teilnahm: „Ich ging alleine hinter dem Sarg her“.

Auch wenn Betz im gesamten Seelsorgebezirk unterwegs ist, so ist er doch am liebsten im Haus Stammberg. Vor rund 48 Jahren hätten er und sein Vater mit den Bewohnern vom Stammberg die Gottesdienste in der Kapelle im Talhof gefeiert, erinnert er sich. Pfarrerin Suse Best dankte ihm für seine Verdienste als Prädikant und ganz besonders für seinen Einsatz im Haus Stammberg. 1971 sei er als Lektor von der Badischen Landeskirche berufen worden und durfte predigen.

Schwerpunkt im Stammberg

Best erinnert sich noch, wie sie bis zum Jahr 2011 immer sonntags um 9.45 Uhr gemeinsam im Haus Stammberg Gottesdienste gefeiert haben, danach habe er diese in Eigenverantwortung gehalten. Gerne hätte sie ihm eine landeskirchliche Würdigung überreicht: „Doch er hat bereits alle Auszeichnungen“, bekannte sie. Darunter sei auch eine Ehrung für seine langjährige Tätigkeit in der Sozialstation der Hemsbacher Gemeinde: „Sie haben durch Ihre ehrenamtliche Tätigkeit Barmherzigkeit bewiesen“, dankte Best.

Dem schloss sich der Leiter des Hauses Stammberg, Michael Meisel, an. Mit seinen warmherzigen und gefühlvollen wie auch inhaltsreichen Predigen sei Betz in die Herzen der Bewohner gedrungen. Und Meisel versicherte ihm, dass sich die Bewohner immer auf seine Predigt freuen. „Ich habe keine Sekunde bereut, diesen Weg gegangen zu sein“, versicherte der Jubilar: „Und ich werde ihn weitergehen, solange ich noch körperlich und geistig fit bin.“