Schriesheim

Schriesheim Werner Opfermann feiert 90. Geburtstag

„Ich war gerne Gastwirt“

Hinter dem Tresen möchte er nicht stehen, erklärt Werner Opfermann. Vielleicht, weil er das jahrelang tat. Vielleicht auch, weil dieser spezielle Tresen, der des Gasthauses Opfermann, das Reich seines Sohns Jürgen ist. Sanft überredet von Gattin Gertrud macht er dann doch mit, stellt sich fürs Foto auf, und das passt: So kennen noch viele Schriesheimer das Gastronomen-Paar.

Von 1963 bis 1995 führten sie das Hotel-Restaurant „Zur Pfalz“ und prägten damit auch ein Stück Stadtgeschichte. Am Montag, als Opfermann seinen 90. Geburtstag feiert, blickt er zurück: „Ich hatte so viele Gäste, es gab keinen, der nicht bei uns war.“ Prominente waren dabei wie Lothar Späth, der immer zuerst in der Küche vorbeischaute, oder Martin Bangemann, bis 1988 Wirtschaftsminister, an dessen Eintrag im Gästebuch sich der Chef noch erinnert: „Er schrieb, ’Ihre Wirtschaft ist besser als meine.’“

Bangemann und Späth zu Gast

Er hat Vereine bewirtet, Familienfeiern oder Großveranstaltungen ausgerichtet und sagt heute: „Ich war gerne Gastwirt.“ Der Jubilar, 1929 in Mannheim geboren, setzte eine Familientradition fort: Eichbaum, Jägerhaus und Deutscher Michel hießen die Lokale von drei Generationen Opfermanns. 1938 übernahm die Familie die Pfalz. Eigentlich habe er studieren wollen: „Doch dann hätte ich zur Wehrmacht gemusst, und mein Vater sagte, du lässt dich nicht totschießen.“

Also machte er eine Metzgerlehre und stieg in den Betrieb ein. Die Nachkriegszeit brachte Chaos, US-Soldaten und Flüchtlinge wurden einquartiert, und nach ihrem Abzug blieben gewaltige Schäden: „Es war nichts mehr da, kein Stuhl, alles war kaputt, bis zu den Steckdosen.“

Sie sind zusammen 180 Jahre alt

Die Familie baute ihre Existenz von neuem auf. 1954 wurde geheiratet: Werner Opfermann trat mit der Schriesheimerin Gertrud Hartmann vor den Traualtar; später wurden die Söhne Bernd und Jürgen geboren. Mutter Gertrud stand am Tresen, Vater Werner hinterm Herd, wo er bürgerliche Gerichte kochte, Spezialitäten wie saure Nierchen. Viel Zeit blieb nicht für Hobbys, doch ist das Paar, sagt Gertrud Opfermann, „eigentlich in allen Vereinen“ Mitglied.

Und so sind bei der Geburtstagsfeier Sänger von Eintracht und Liederkranz da, Vereinsvertreter, Bürgermeister Hansjörg Höfer und Freunde des Paars, das nun zusammen 180 Jahre alt ist. Sie halte sich fit mit Gedächtnistraining, Gymnastik und Schwimmen, sagt Gertrud Opfermann: 50 Mal waren die beiden in dieser Saison im Waldschwimmbad. „Nie hinsetzen“, ist ihr Rezept fürs Gesundbleiben. Daneben gibt es viel zu feiern: Im Sommer wurde das 75. Konfirmationsjubiläum begangen, und auch das seltene Jubiläum der eisernen Hochzeit – 65 Jahre.