Schriesheim

Schriesheim Daniela Zitsch wirkt zwei Wochen lang ehrenamtlich als Zahnärztin im afrikanischen Madagaskar

Ihren Sommerurlaub nutzt sie, um anderen Menschen zu helfen

Archivartikel

Die meisten von uns haben ihren Sommerurlaub schon geplant. Die Ziele reichen von der Nordseeküste bis zu den bayerischen Bergen, vom Gardasee bis zum heimischen Baggerweiher. Eine junge Schriesheimer Zahnmedizinerin nutzt ihren Sommerurlaub, um – pathetisch formuliert und dennoch auf den Punkt gebracht – Gutes zu tun: Dr. med. dent. Daniela Zitsch (33) wirkt im September zwei Wochen lang ehrenamtlich in ihrem Beruf auf Madagaskar.

Warum man so etwas tut? „Vielleicht, weil es einem von den Eltern auf den Weg gegeben ist, anderen zu helfen“, bekennt Daniela Zitsch. Schon ihre Mutter Dr. Barbara Schenk-Zitsch, ebenfalls Zahnärztin, engagiert sich als Gemeinderätin für die Barrierefreiheit Älterer und gründete eine nach ihr benannte Stiftung für Kinder und Jugendliche.

So ist auch Daniela Zitsch selbst von Jugend an engagiert: Vom Tierschutzverein, in dem sie Mitglied ist, bis zur Organisation „World Vision“, in deren Rahmen sie seit zehn Jahren ein Patenkind in Tansania fördert. „Für 30 Euro pro Monat kann man einem jungen Menschen Ernährung und Schulbildung ermöglichen“, berichtet sie. Vergangenes Jahr finanzierte sie für die Familie jenes Stephen eine Ziege und Saatgut – in unseren Ohren ein seltsames Geschenk, vor Ort aber Mittel zur nachhaltigen Verbesserung des Lebens.

Berufliches Wissen einbringen

Doch schon während ihres Studiums der Zahnmedizin wünschte sich Daniela Zitsch, auch ihre beruflichen Kenntnisse für andere nutzen zu können. Die Möglichkeit dazu bietet der Verein „Planet Action“, gegründet von zwei Kommilitoninnen in Heidelberg, Nina Sickenberger und Anja Stengele. Sie riefen im Jahre 2015 diesen Verein ins Leben, der sich mittlerweile auch in Malawi und in Tansania engagiert.

„In der Zeitschrift für Zahnmedizin habe ich davon gelesen“, berichtet Daniela Zitsch, die seit vergangenem Jahr in Praxisgemeinschaft mit ihren Eltern tätig ist. Das Projekt sagte ihr zu: „Ähnliche Organisationen gibt es ja viele. Aber hier kennt man die Leute, die dabei aktiv sind.“

Zwei Wochen nun ist sie im September vor Ort, zunächst in der Hauptstadt Antananarivo an zwei Standorten, einem Ausbildungsprojekt und einem Waisenhaus. „Da werden Tische zusammengestellt, eine Decke drüber gelegt, mit der Stirnlampe gearbeitet“, berichtet sie: „Denn die Stromversorgung ist schlecht.“ Auch Absauggeräte funktionieren aus diesem Grunde nicht.

So ist die Arbeit nicht im geringsten zu vergleichen mit jener in Schriesheim. „Dort geht es um Basisbehandlung“, erläutert sie: „Zähne, die schmerzen, müssen gezogen werden.“ An Neuaufbau oder gar Prothesen ist natürlich nicht zu denken. Gerade deshalb wichtig ist die Prophylaxe: „Das beginnt schon damit, eine Zahnbürste zu benutzen.“

„Anfangs läuft es langsam an“, berichtet sie von den Erfahrungen ihrer Mitstreiter: „Doch bald spricht sich herum, dass wir da sind, und dann stehen 80 Leute in der Schlange.“ Gearbeitet wird daher ununterbrochen von acht Uhr morgens „bis man kein Tageslicht mehr hat“ (nur zwei der 14 Tage sind frei). Und dies alles wohlgemerkt ehrenamtlich. Wobei sogar dieser Begriff verniedlichend ist. „Den Flug zahlt natürlich jeder selber“, betont sie unter Hinweis auf den 13-Stunden-Trip mit Air France von Frankfurt über Paris nach Antananarivo. Instrumente, Schmerzmittel und Antibiotika werden ebenfalls mitgebracht. Nur die Unterbringung wird gestellt, doch die ist bescheiden: im Waisenhaus „oder auch einmal in einem Zelt.“

Trotz aller Beschwernisse – sie freut sich auf ihren Einsatz: „Für mich als Zahnärztin ist es eine Horizonterweiterung. Hier geht es nicht um weißere Zähne.“ Das Einzige, vor dem sie Bammel hat, ist die Sprache: „Dazu muss ich mein Schulfranzösisch auffrischen“. Geschehen soll dies im Vorfeld in der Provence.

Denn ihr Wirken ist langfristig angelegt, soll keine Eintagsfliege bleiben: „Ziel ist, jedes Jahr oder zumindest jedes zweite dabei zu sein.“