Schriesheim

Schriesheim Technischer Ausschuss vertagt aus Kostengründen Auftragsvergabe für Fluchttreppe am VHS-Haus – trotz Warnungen der Verwaltung zum Brandschutz

Im Ernstfall müsste die Volkshochschule schließen

„Aufgrund der Mitteilung des vorbeugenden Brandschutzes ist eine künftige Nutzung der Volkshochschule (VHS) unter den bisherigen Umständen nicht mehr möglich.“ Es ist ein Satz, der aufhorchen lässt. Und ihm folgt noch ein zweiter: „Die vom Brandschutz vorgegebenen Maßnahmen sind zwingend umzusetzen.“ Die Aussagen stehen in der Verwaltungsvorlage, die dem Technischen Ausschuss in seiner jüngsten Sitzung zur Beratung vorliegt.

Diese Aussagen betreffen eine Fluchttreppe, die das Landratsamt einfordert, ebenso wie einen Feuerschutzvorhang und eine Tür am „Jörg-Bau“, in dem die Einrichtung untergebracht ist. Bauamtsleiter Markus Schäfer hat dem im Gespräch mit dieser Zeitung nichts hinzuzufügen, sondern sagt nur: „Wenn die Behörde wollte, könnte sie die VHS schließen. Das ist Fakt. Was das Landratsamt draus macht . . . “ – der Bauamtsleiter lässt es offen.

Notwendigkeit unbestritten

Auch wenn das nicht nach viel Ermessensspielraum klingt – im Gremium sieht man trotzdem Manches anders. Zwar sagt CDU-Stadtrat Frank Spingel: „Die Treppe soll gemacht werden. Sie wird da landen, das ist unumgänglich.“ Und auch SPD-Fraktionssprecher Sebastian Cuny pflichtet grundsätzlich bei: „Wir können zustimmen, das Thema wurde nun wirklich lange diskutiert. Und wenn die Treppe gebraucht wird, ist das Geld gut angelegt.“

Folgt jedoch das Aber, und das ist die finanzielle Seite: Rund 88 000 Euro würde allein die Treppe kosten, für die die Schriesheimer Firma Gassert im Rahmen der Ausschreibung das günstigste Angebot abgab. Dazu kommen noch, wie Bauamtsleiter Schäfer erklärt, 24 000 Euro für die „Gründung“ sowie etwa 90 000 Euro für Rauch- und Brandschutz, die geforderten Umbauten an Fenstern, Türen und Brüstungen. Es sind diese Beträge, die bei Grünen-Fraktionssprecher Christian Wolf Stirnrunzeln hervorrufen. Es seien 260 000 Euro für die Maßnahme in den Etat aufgenommen; angesichts der Haushaltssperre in der Nachbargemeinde Hirschberg ist er jedoch vorsichtig: „Das wird kein Einzelfall sein, ich gehe davon aus, dass wir die Ziele nicht erreichen werden. Da sind 250 000 Euro für eine Fluchttreppe enorm viel Geld.“ Lieber wäre ihm, die Maßnahme in eine Gesamtkonzeption einzubetten, müssten im Umfeld doch auch der Spielbereich des Horts hergerichtet werden, die Fläche hinterm VHS-Haus und der Schulhof: „Unserer Meinung nach läuft uns das nicht davon.“

„Es ist viel Geld“, stimmt Schäfer zu, gibt aber zu bedenken: „Die Verwaltung hatte sich für eine Variante entschieden, die die Hälfte gekostet hätte. Die Schlosser-Variante ist eben teurer.“ Bernd Hegmann (Freie Wähler) schließt sich Wolf an, während CDU-Fraktionssprecher Michael Mittelstädt, der als Vize-Bürgermeister in der Sitzung Bürgermeister Höfer als Leiter vertritt, an die Vorgaben des Landratsamts erinnert: „Sie sagen, eine Evakuierung über die Feuerwehr ist nicht sichergestellt, das heißt, wir werden um die Treppe nicht herumkommen.“ Würde der Bauantrag jetzt verabschiedet, hieße es nicht, dass gleich mit dem Bau begonnen werden müsse.

Deshalb wird plötzlich ein Kompromiss vorgeschlagen: Statt die Auftragserteilung abzulehnen, soll sie vertagt werden. Dem schließt sich der Ausschuss einstimmig an, während er ebenso einmütig grünes Licht für den Bauantrag gibt.

Ebenso einmütig gibt es grünes Licht für zwei private Vorhaben, einen Pool und zwei Gartenhütten sowie die sanierungsrechtliche Genehmigung für ein Vorhaben im Gebiet „Ladenburger Straße/ B3“.