Schriesheim

Schriesheim Der langjährige Chef des Grundbuchamtes, Wilhelm Körbel, geht nach fast 38 Jahren Dienst bei der Stadt in Pension

Im Rathaus endet eine Ära

„Ich bin ja noch 40 Tage im Amt“, flachst Wilhelm Körbel, als er offiziell in seinen Ruhestand verabschiedet wird – nach 37 Jahren und fünf Monaten in Diensten der Stadt Schriesheim. Bekannt war er vor allem als Leiter des Grundbuchamtes, bis sein „Baby“, wie er es liebevoll nennt, in 600 Kisten ins nunmehr zuständige Amtsgericht Mannheim umzog.

An der Schwetzinger Fachschule studierte er Rechtspflege, war zunächst für die Traktorenfirma John Deere tätig und übernahm dann in der Gemeinde Lobbach das Grundbuchamt, referiert er bei seiner jetzigen Verabschiedung seinen beruflichen Werdegang.

Mit Humor erzählt er vom ersten Computer, der in den 1980er Jahren ins Rathaus kam, ein IBM: „Er hatte die Größe eines stattlichen Möbelstückes.“ Nach der Schulung durch die IBM-Mitarbeiter verlief zunächst auch noch alles ohne Probleme; doch die stellten sich zum Feierabend ein. „Wir wussten nicht, wie das Ding runterzufahren war“, erzählt er: „So haben wir einfach den Stecker gezogen.“ Das überlebte der Computer nicht: „Am nächsten Tag musste er wieder abgeholt worden“.

1670 Paare getraut

Doch Körbel war nicht nur Leiter des Grundbuchamtes der Stadt, sondern auch Standesbeamter. Im Laufe seiner 37 Jahre verhalf er 1670 Paaren ins Eheglück: „Was ich mit den Brautleuten oder auch den Brauteltern erlebt habe, darüber könnte ich ein Buch schreiben“, lacht er.

Und in der Tat: Die Anekdoten, die er bei der Verabschiedung zum Besten gibt, sind so komisch, dass die Runde die Zeit vergisst. Einmal wurde die Braut in ihrem weißen Kleid hoch zu Ross im Damensitz vom Bräutigam zum Standesamt geführt. Ein Brautvater fütterte während der Zeremonie seinen Hund mit Leckerli. Körbels ältestes Brautpaar war weit über 80 Jahre: Er kam zur Eheschließung mit dem Fahrrad, sie mit einer Einkaufstasche; sie gaben sich das Ja-Wort, und danach ging jeder wieder seiner Wege.

Dass die Trauzeugen die Ringe vergessen – dieses Klischee ist durchaus nicht selten Realität. Und weil auch Weinen zur Hochzeit gehört, legte Körbel auf jeden Stuhl ein „Tränentüchlein“: „Und manchmal musste auch ich schlucken“, bekennt er. Ans Herz gingen ihm jedoch vor allem Trauungen, die am Krankenbett noch kurz vor dem Tod eines der beiden Brautleute geschlossen wurden.

Als es möglich war, dass auch gleichgeschlechtliche Paare zum Standesamt gehen durften, vereinbarte Körbel mit seiner Kollegin: „Ich traue die Mädels und sie die Männer.“ Für seine Ansprache habe er kein Konzept gebraucht: „Ich rede einfach aus dem Bauch raus“.

Auch im Ruhestand aktiv

Wie wird er seinen Ruhestand verbringen? „Jedenfalls nicht im Garten“, macht er klar. Bis zu seinem endgültigen Ruhestand wird er noch fünf Ehen schließen und auch danach weiter stundenweise Notartermine für Bürger vereinbaren.

Außerdem will er sich verstärkt seiner künstlerischen Ader hingeben. „Und dann warten ja auch noch fünf Enkel auf ihren Großvater.“ Schließlich gibt es ja noch den Traktor, auf dem man ihn sicher ab und an durch den Wald fahren sieht.