Schriesheim

Schriesheim Bund der Selbstständigen zwei Monate vor seiner Mittelstandskundgebung immer noch ohne Festredner / Grüne sagen ihre Veranstaltung ab

In diesem Jahr lässt die Politprominenz die Mathaisemarkt-Macher zappeln

In genau zwei Monaten ist der Mathaisemarkt schon vorbei. Doch noch immer hat seine größte Einzelveranstaltung, die Mittelstandskundgebung im Festzelt, keinen Festredner. Anderen politischen Veranstaltungen auf dem größten Volksfest der Region ergeht es ähnlich: Die FDP muss sich mit einem weitgehend unbekannten Stargast begnügen, die Grünen wiederum sagen ihre eigene Veranstaltung gleich komplett ab.

Obwohl Politiker heutzutage sich nicht überall eines solch großen Publikums erfreuen können wie in dem gut 1000 Besucher fassenden Festzelt in Schriesheim, so ist es für den Veranstalter, den Bund der Selbstständigen (BdS) Baden-Württemberg, alljährlich eine Herausforderung, einen Festredner zu finden. Zumal der BdS im Land noch zwei andere Kundgebungen – in Tengen und Rot am See – bestücken muss.

Zudem besteht eine zentrale Anforderung, die der Gast zu erfüllen hat (auch wenn er dies nicht immer kann): Er muss „festzelttauglich“ sein. Parteipolitisch ist der Horizont der Vertretung des Mittelstands inzwischen geweitet: Sogar die Grünen sind inzwischen wohl gelitten – erst recht, seitdem einer der Ihren den Ministerpräsidenten im Land stellt.

„Nur die politischen Ränder bleiben außen vor“, betont BdS-Landesgeschäftsführer Joachim Dörr: „Die AfD haben wir nicht eingeladen.“ Aber auch nicht die Linkspartei – obwohl etwa Sahra Wagenknecht als Finanzexpertin sicher viel zu sagen hätte und für Stimmung im Zelt sorgen würde. „Eine reizvolle Vorstellung“, meint da selbst Dörr schmunzelnd. Doch die politischen Gräben sind (bislang) noch unüberwindlich.

Lage in Berlin als Ursache

Abgesehen von dem allen scheint es für den BdS in diesem Jahr besonders schwierig. Das zeigt sich schon daran: Die beiden Festredner der Vorjahre, SPD-Chef und Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (2016) sowie Landeswirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (2017), standen bereits jeweils im August des Vorjahres fest. Doch diesmal sind es nicht einmal mehr zwei Monate zum Ereignis, und ein Festredner ist noch nicht in Sicht.

„Grund ist die politische Situation in Berlin“, hat Dörr erfahren. Die prominenten Vertreter von CDU/CSU und SPD sind durch die Gespräche über die Große Koalition dort gebunden. Politiker von FDP und Grünen wären nach ihren gescheiterten Sondierungen für eine Jamaika-Koalition zwar theoretisch frei; doch sie scheinen teils ebenfalls in der Hauptstadt präsent bleiben, teils nach einem Jahr Dauerwahlkampf und Sondierungsmarathon einfach ein wenig Ruhe finden zu wollen.

Insofern hatten es auch Grüne und FDP schwer, für ihre Veranstaltungen auf dem Fest einen zugkräftigen Ehrengast aus dem eigenen Lager zu gewinnen. Die Schriesheimer Liberalen, deren Mathaisemarkt-Treffen es bereits zum 33. Mal gibt, müssen sich in dieses Schicksal fügen: Stadtverbandschef Ingo Kuntermann konnte seinen Parteifreunden für den 11. März lediglich Pascal Kober ankündigen. Der 46-jährige Bundestagsabgeordnete aus Reutlingen ist als ehemaliger Militärgeistlicher, der mit den Bundeswehrsoldaten sogar in Mali war, sicher eine biografisch interessante Figur, aber eben kaum ein Publikumsmagnet – anders als bei Christian Lindner vor vier Jahren der Fall.

Diesmal kein „Marktgespräch“

Ähnlich erging es den Grünen, die vor einigen Jahren für die Mathaisemarkt-Pause am veranstaltungsfreien Donnerstagabend ihre „Marktgespräche“ gründeten: Für dieses Jahr sind diese abgesagt. Zwar begründet die Partei den Verzicht offiziell mit einer gleichzeitigen Veranstaltung des Kreisverbandes zum Frauentag in Weinheim; doch Kreisvorsitzende Fadime Tuncer lässt weitere Gründe durchblicken: „Wenn wir schon einen zugkräftigen Festredner gehabt hätten, sähe das sicher anders aus.“

Die Absage der BdS-Mittelstandskundgebung, die es seit 1950 gibt, ist natürlich nicht zu befürchten. Joachim Dörr verspricht vielmehr die Bekanntgabe eines zugkräftigen Festredners oder einer Festrednerin „in den kommenden Tagen“.