Schriesheim

Schriesheim "Entwicklungskonzept 2030" benennt ungeschminkt Stärken und Schwächen im Bereich Städte- und Wohnungsbau

Innenverdichtung hat Priorität

Archivartikel

97 Prozent aller Schriesheimer leben gern oder sehr gern in ihrer Stadt. Dies ist das Ergebnis der Bürgerbefragung für das vom Gemeinderat in der vergangenen Woche gebilligte Stadtentwicklungskonzept 2030 (wir haben berichtet) - also alles in Butter? Keineswegs. Gerade im Bereich Städte- und Wohnungsbau scheint der Handlungsbedarf größer, als in der Öffentlichkeit bislang gedacht.

Dies ergibt die Bestandsanalyse, mit dem der von Kommunalpolitikern und Bürgern erarbeitete Prozess für das Stadtentwicklungskonzept begann. Und die ist eindeutig.

Zwar wird gerade die jüngste Entwicklung am Schillerplatz, also auf dem ehemaligen OEG-Gelände, als positiv bewertet. Doch auch die Schwächen sind unübersehbar. So verfügt die Stadt Schriesheim traditionell kaum über eigene Immobilien, was den Handlungsspielraum im Städte- und Wohnungsbau ganz erheblich einschränkt. Auch ein Zentrum bürgerschaftlichen Lebens, also ein Bürgerhaus, fehlt.

Als noch "weniger positiv angesehen", so formuliert der Bericht, wird die Entwicklung der Stadtteile Altenbach und Ursenbach: "Hier fehlen Impulse und Entwicklungsmöglichkeiten", heißt es ungeschminkt.

Für die Stadt insgesamt wird die demografische Entwicklung als Problem erkannt: "Große Wohnungen und Häuser werden durch alleinstehende Personen bewohnt, während junge Familien Wohnraum suchen."

Das Konzept vermittelt jedoch auch Handlungsoptionen. So wird auf die formelle Ausweisung von Sanierungsgebieten mit der Möglichkeit zur Bezuschussung durch das Land gesetzt, wie etwa beim in Kürze beginnenden Sanierungsprogramm für das Gebiet um die Talstraße.

Bei der Schaffung von Wohnraum setzt das Konzept eindeutig auf eine Innenverdichtung. "Eine weitere Verdichtung im Außenbereich ist im Zeithorizont des vorliegenden Konzeptes (also bis 2030) nicht vorgesehen", heißt es hier klipp und klar. Die Ortsteile haben wegen der sie umgebenden Landschaftsschutzgebiete ohnehin "kaum Entwicklungsmöglichkeiten" durch Neubaugebiete.

Vor diesen grundlegenden Rahmenbedingungen spricht sich das Konzept für einige konkrete Maßnahmen aus. Als wahres Pfund wird etwa der Festplatz mit seiner riesigen formbaren Fläche angesehen. So soll er "unter Erhalt der Parkmöglichkeiten" attraktiver gestaltet, das Ergebnis des städtebaulichen Wettbewerbes "langfristig" umgesetzt werden. Konkrete Vorgabe: Öffnung des Kanzelbaches an dieser Stelle.

Als wichtig erachtet wird auch die Schaffung "attraktiver und sicherer Orte der Begegnung und gemeinsamer Aktivitäten". Dazu zählt in den Ortsteilen die Anlage eines Fußball- bzw. Bolzplatzes in Altenbach und die Schaffung einer Spielmöglichkeit auf dem Branich.

In Bezug auf die Kernstadt soll der traditionelle Weihnachtsmarkt vom Festplatz auf das Areal vor der katholischen Stadtkirche verlegt werden. Da dies relativ kurzfristig möglich ist, gibt das Konzept den Verantwortlichen eindeutig auf: "Mit der Planung der Verlegung wird begonnen."