Schriesheim

Schriesheim Freie Wähler verabschieden ihren langjährigen Fraktionsvorsitzenden Heinz Kimmel

Jetzt im Club der Altstadträte

Die Entscheidung von Heinz Kimmel, nach 35 Jahren des Wirkens für seine Freien Wähler im Gemeinderat bei der Wahl im Mai 2019 nicht wieder zu kandidieren, war eine Zäsur für das Gremium; von Bürgermeister Hansjörg Höfer wurde er bereits vergangenes Jahr im Ratssaal offiziell verabschiedet. Doch auch seine Fraktion wollte ihn nicht einfach so ziehen lassen, und so lud sie zu einer Feier in Forschners Schützenhaus.

Gekommen waren neben den eigenen Mitgliedern auch langjährige Weggefährten aus anderen Parteien wie Siegfried Schlüter und Paul Stang (beide CDU), Bürgermeister Hansjörg Höfer (Grüne) und dessen Vorgänger, Ehrenbürger Peter Riehl.

Klaus Hartmann, Vorsitzender der Freien Wähler Schriesheim, würdigte Kimmel als „Stimmenkönig: „Es war für uns sehr schmerzhaft, dass Du bei der letzten Kommunalwahl nicht mehr Platz 1 eingenommen hast.“ Die stellvertretende Vorsitzende Gerlinde Hartmann hob in ihrer Ansprache hervor: „Deine politische Arbeit war stets am Wohl der Stadt ausgerichtet.“

Sie nannte einige Eckpunkte seiner politischen Laufbahn: Seit 1984 im Gemeinderat, übernahm er 1994 den Vorsitz der Freien Wähler, den er nach vielen Jahren an Matthias Meffert abgab. 2009 übernahm er von Friedrich Ewald den Fraktionsvorsitz, den er bis zu seinem Ausscheiden aus dem Rat 2019 innehatte. Neben seiner politischen Arbeit habe er das Schlachtfest und das Ochsenkopfessen organisiert. Auch die Blumenpracht in der Ladenburger Straße sei ihm zu verdanken.

Erinnerungen von Friedrich Ewald

„Willkommen im Club der Alt- Stadträte!“, wandte sich sein Freund, Schulkamerad und langjähriger Fraktionskollege Friedrich Ewald an Kimmel, um etwas aus dem Nähkästchen zu plaudern. 1980 auf einem hinteren Platz zunächst erfolglos, sei ihm 1984 der Sprung in den Gemeinderat gelungen, und seine stetig steigenden Stimmzahlen ließen ihn zum Stimmenkönig werden. Nach dem Ausscheiden ihrer beider Ziehväter, Peter Hartmann, Wilhelm Gassert und Robert Brodbeck, seien weitere Ämter hinzugekommen.

„Wir haben immer konstruktiv diskutiert und in den Fraktionssitzungen das gemeinsame Vorgehen besprochen, ihm war es wichtig, Politik für die Bürger zu machen, aber ebenso wichtig, in Augenhöhe mit den anderen Fraktionen im Gespräch zu bleiben“, betonte Ewald. Auch wenn man mal in einer Sache nicht einig wurde, habe dies ihrer Freundschaft nicht geschadet.

Überhaupt sei die Freundschaft zwischen den beiden Familien sehr innig gewesen. Und nur zu gerne erinnerte sich Ewald an einen „Gärtnerball“ im Heidelberger Schloss: „Da waren wir noch ganz jung, und unsere Frauen hatten sich zu diesem Anlass Ballkleider nähen lassen“.

„An die gemeinsame Zeit im Gemeinderat erinnere ich mich gerne“, bekannte auch Bürgermeister Höfer, habe man doch zusammen im Jahre 1984 den Sprung in das Gremium geschafft. Höfer erinnerte an die heftigen Diskussionen um Finanzen, Kinderbetreuung und Jugendarbeit. Kimmel habe seinerzeit die Meinung vertreten, Vereine übernähmen die sozialen Aufgaben, sich jedoch im Laufe der Jahre vom Gegenteil überzeugen lassen: „Die Zusammenarbeit mit ihm war zu jeder Zeit fair, ehrlich und geradeaus“.

Dies konnte Alt-Bürgermeister und Ehrenbürger Peter Riehl nur bestätigen: „Auf Dich war immer Verlass“. „So viel Lob und Dank habe ich nicht erwartet“, meldete sich der Geehrte zu Wort: „Das macht mich sprachlos, und das will was heißen“, scherzte er. Seine Devise sei stets gewesen, ohne Ausschweifungen auf den Punkt zu kommen. greg