Schriesheim

Schriesheim Winzergenossenschaft bereitet sich auf ihre Weinlese vor / Start am 6. September

"Jetzt vor allem eins: kein Regen!"

Archivartikel

Die aktuellen Wetterprognosen verfolgen viele Bürger interessiert. Einige Berufsgruppen jedoch ganz besonders, hängt davon doch der Erfolg vieler Monate Arbeit, ja der finanzielle Erlös eines Jahres ab. Konkret gilt dies für die Winzer, die ihrer diesjährigen Ernte entgegensehen, die am 6. September starten soll. Damit sie erfolgreich ist, "brauchen wir jetzt vor allem eins: kein Regen!", erklärt Vorstandschef Friedrich Ewald.

Das Datum des Weinlese-Starts - für das Leben in einer Weinbau-Region wie Schriesheim ist das ein zentrales Ereignis: Professionelle Betriebe müssen das notwendige Personal organisieren, Hobbywinzer nehmen sich eigens im Betrieb Urlaub und laden Verwandte und Freunde ein.

Und diese Bedeutung zeigt sich daran, dass sich zur Bekanntgabe des Termins vor der Presse Vorstandschef Ewald, sein Vize Karl-Heinz Spieß und Aufsichtsratschef Winfried Krämer in der Kuhbergstube einfinden (Geschäftsführer Harald Weiss fehlt wegen Krankheit).

"Die Qualität der Trauben ist derzeit sehr gut", freut sich Krämer. Denn ihr Wachstum ist in den Augen der Experten im Großen und Ganzen positiv - mit Ausnahme des späten Frostes im April, der einige Schäden hinterlassen hat. "In einigen Bereichen Schriesheims hat dies zu Ausfällen von bis zu 70 Prozent geführt", berichtet Krämer.

Eine erste Kostprobe des 2017er liegt in Gestalt des Federweißen bereits vor, geerntet am Dienstag von einer Hand voll ausgewählter Winzer. 37 000 Kilogramm Müller-Thurgau lautet die Bilanz. "Gemessen wurden 77 Grad Oechsle", so Friedrich Ewald: "Das ist ein guter Wert."

Noch Hängenlassen oder loslegen?

Für die eigentliche Ernte gilt die ewig zu treffende Abwägung zwischen weiterem Hängelassen, damit die Trauben noch etwas mehr Power bekommen, und zügigem Abernten, damit Wetterunbilden wie Hitze, Regen oder Frost nicht doch noch einen Strich durch eine möglichst positive Erntebilanz machen können.

Für die Wahl des richtigen Zeitpunkts ist also die ganze Erfahrung des Winzers gefragt, sind außerdem viele Begehungen im Wingert und Messungen der Trauben-Oechsle notwendig. Aus all diesen Erkenntnissen haben die Verantwortlichen der WG nun Mittwoch, 6. September, als Start festgelegt. Losgehen wird es entweder mit St. Laurent und Dornfelder oder Müller-Thurgau.

Die Entscheidung dieser Frage sowie der weitere Verlauf der Lese, die erfahrungsgemäß 20 bis 23 Tage dauert, hängt ausschließlich vom Wetter der kommenden Tage ab. Am liebsten sind den Winzern jetzt noch trockene Tage und kühle Nächte. Heiße Tage oder heftigen Regen können sie gar nicht gebrauchen. Bei der Logistik für die konkrete Abwicklung der Ernte hat auch in einem so traditionsbewussten Betrieb wie der 1930 gegründeten Schriesheimer Winzergenossenschaft die moderne Technik Einzug gehalten. Der tägliche Leseplan, also die Info, welche Sorte an welchem Tag geerntet wird, geht per e-Mail an die Winzer. Für die maschinelle Lese wird sogar eine eigene Whatsapp-Gruppe "Traubenvollernter" eingerichtet.

Denn gut ein Drittel der WG-Flächen wird in diesem Jahr maschinell geerntet, was im Vergleich zu anderen Gegenden noch zurückhaltend ist: "In Heppenheim sind es rund zwei Drittel." Um die maschinell geernteten Trauben zügig und zugleich schonend zu behandeln, gibt es in diesem Jahr erstmals eine zweite Annahmestelle, die allein der maschinellen Lese vorbehalten ist.

Konzipiert wurde sie von erfahrenen Winzern der WG um Winfried Krämer und dann von der Firma MAS gebaut. Insgesamt hat sich die Genossenschaft die neue Hardware 52 000 Euro kosten lassen.

Bei aller Modernität setzt die WG in Sachen Kelter-Mannschaft jedoch weiter auf das erfahrene hausinterne Team mit Tobias und Thomas Rell, Uwe Hölzel, Gerd Schmitt und Steffen Gaber, um nur einige zu nennen. "Manche sind bereits seit 25 Jahren dabei", weiß Karl-Heinz Spieß.

Alles in allem - was erwarten die Schriesheimer Winzer vom 2017er? "Was die Menge betrifft, einen guten, durchschnittlichen Jahrgang", sagt Winfried Krämer voraus: "Und von der Qualität her sogar einen sehr guten." Na, denn: Prost!