Schriesheim

Schriesheim BUND und Stadt weihen neuen „Meiler“ ein / Fördergelder von Land und Lotterie

Kinderstube für den Hirschkäfer

Insekten, gerade wenn sie schwarz und acht Zentimeter groß sind, gehören nicht gerade zu den Sympathieträgern. Eine Ausnahme bildet der Hirschkäfer, sagt Edit Spielmann von der BUND-Ortsgruppe Steinachtal: „Schon Kinder können ihn erkennen.“ Was an dem großen Geweih liegt, mit dem Lucanus cervus, so sein biologischer Name, Vögel abwehrt und andere Männchen in die Flucht schlägt. Mittlerweile gehört das Tier zu den bedrohten Arten, deutschlandweit sind seine Populationen rückläufig.

Das soll sich nun ändern, denn jetzt gibt in es Schriesheim am Waldrand einen kleinen, gut geschützten Flecken, an dem die Weibchen ihre Eier ablegen können. „Hirschkäfer-Meiler“ nennt man die kreisförmige Konstruktion aus Eichenstämmen, die entfernt an die Form eines Brennofens erinnert, sonst aber nichts mit ihm gemein hat. Denn hier geht es darum, dem auf Totholz brütenden Käfer ideale Bedingungen für die Eiablage zu bieten.

Die Idee für den „Meiler“ geht auf die Ortsgruppe zurück, die nun bei der Eröffnung von Dr. Jochen Schwarz vertreten wird. Er spricht von einem Beitrag zum Artenschutz und davon, dass man den Käfer im etwa 500 Meter hoch gelegenen Ort sonst nur selten antrifft. „Doch das“, sagt er, „wird sich hoffentlich bald ändern.“

Auf zwei Holztafeln erfahren Besucher Wissenswertes über Brutverhalten und Larvenstadium des Käfers und über die vielen Tiere, die tote Bäume nutzen. Der Text stammt von Spielmann, die die Bedeutung der „Baumleichen“ erklärt: In einer Studie seien auf nur einer einzigen toten Eiche über 500 Arten nachgewiesen worden, Pilze, Flechten und Insekten. Die moderne Forstwirtschaft berücksichtige diesen Umstand immer mehr: „In 30, 40 Jahren, wenn der Meiler schon verrottet ist, könnte es im Wald schon so viel Totholz geben, dass er ohnehin überflüssig wird.“

Kosten von etwa 8000 Euro

Hansjörg Höfer nickt: „Zehn Prozent unserer Waldfläche sind schon in das Totholzkonzept integriert.“ Schriesheims Bürgermeister steht gerade auf dem äußersten Zipfel der Gemarkung – ein Umstand, auf den der Wilhelmsfelder Rathauschef Christoph Oeldorf eingangs aufmerksam macht. Auf Wilhelmsfelder Seite, dem „Hexenbesen“, stehen nur ein paar Meter weiter die zwei Sitzgarnituren, die der Heimat- und Verkehrsverein hier im Sommer aufstellte; sein Vorsitzender Reiner Hertel erinnert daran. Und auch an die Probleme, die mit der Fällung von drei „Schriesheimer“ Rotbuchen einhergingen. Vom Brandkrustenpilz befallen, seien die Bäume nicht mehr standsicher gewesen, erklärt Förster Michael Jakob später im MM-Gespräch.

Schon 2017 sei klar gewesen, dass sie gefällt werden müssten, doch dagegen regte sich Widerstand: Beim ersten Versuch rückten die Arbeiter unverrichteter Dinge wieder ab, weil sich drei Wilhelmsfelder weigerten, den Wald zu verlassen. Erst beim zweiten Anlauf – mit Polizeischutz – fielen die Baumriesen. Jetzt stehen nur noch ihre Stümpfe, im einen sieht man deutlich das Loch, das der Pilz verursacht hat. „Wir wollen hier neue Bäume pflanzen“, erklärt Jakob. Buchen oder Linden kämen wegen des Pilzes nicht mehr infrage, dafür aber Eichen, Kastanien und Kirschen. Mit ein wenig Distanz zur Käfer-Kinderstube, weil es die Tiere sonnig mögen. Sie ist eingefasst von einem Zaun aus Robinienpfosten und Eichenbrettern – ein Schutz gegen Wildschweine, erklärt Jakob: „Die können die Larven meterweit riechen und graben dann den ganzen Boden um.“

Die Kosten für Meiler, Zaun und Tafeln schätzt Cordula Samuleit auf etwa 8000 Euro; 4600 Euro hat die Geschäftsführerin des Naturparks Neckartal-Odenwald an Fördergeldern beim Land und bei der „Glücksspirale“-Lotterie eingeworben, die restlichen 3400 Euro übernimmt die Stadt Schriesheim.

„Hauptsächlich“, sagt Höfer, „geht es da um die Arbeitsleistungen unserer zwei Waldarbeiter und vom Bauhof.“ Am Ende der offiziellen Einweihung kommt eine Kindergartengruppe vorbei – Maria Landenberger vom BUND-Regionalverband nimmt den Besuch zum Anlass, ihre Hoffnung auszudrücken: „Dass der Meiler angenommen wird – auch als Lernort.“