Schriesheim

Schriesheim Nächtlicher Streifzug durch die Straußwirtschaften / Wer zu spät kommt, muss draußen bleiben / Im Zehntkeller rockt die T-Band

Kölner Jungs vermissen ihr geliebtes Kölsch

In der kleinen romantischen verschlafenen Weinstadt an der Bergstraße ist die fünfte Jahreszeit in Verlängerung gegangen. So empfanden es jedenfalls Dirk, Matthias und Atze, drei wackere Jecken aus Köln, die extra nach Schriesheim gereist waren, um hier noch einmal tüchtig auf die Pauke zu hauen. Den Tipp bekamen sie beim Rosenmontagszug in Köln.

Da stand ein Schriesheimer neben ihnen, und der habe ihnen gesagt, wenn sie noch weiter feiern wollen, dann müssten sie an diesem Wochenende nach Schriesheim kommen. „Jetzt sind wir da, und bislang haben wir es noch kein bisschen bereut“, bestätigte Atze, dem nach seinem Besuchen in sämtlichen Lokalen das Sprechen schon etwas schwerfiel. Und dem stimmten seine sich in Feierlaune befindlichen Kumpanen voll und ganz zu.

Was sie aber ein wenig bedauerten war, dass es kein Kölsch gab. „Hier unten gibt es nur Wein“, bemängelten sie und meinten damit den historischen Zehntkeller. „Macht nichts, wir ziehen weiter“, und sie stimmten das Lied von der Karawane mit dem durstigen Sultan an.

Nicht aus „Kölle“ sondern nur aus Heidelberg machte sich eine Gruppe Mädels auf, um hier mal so richtig abzufeiern. „Heidelberg ist zwar ganz cool, aber hier geht so richtig die Post ab“. Sie haben sich vorgenommen, den Abend in der Weinscheuer Majer zu verbringen, doch sie scheitern an der Security. „Tut mir leid, das Lokal ist überbelegt“, verwehrt er den Mädels den Eintritt, und da hilft auch kein nicht so verführerischer Blick, er bleibt hart.

Die ehrwürdige Scheuer war bereits kurz nach 20 Uhr rappelvoll, so voll, dass zwischen die einzelnen Gäste kaum mehr ein Stück Papier passte. Hier ging so richtig bei Stimmungsmusik der beiden Kult-Musiker Reiner und Franz die Post ab. Die Gäste standen auf den Bänken, und beim Alpenrock flogen die Hände in die Höhe.

Im Weingut Wehweck war das Musikangebot zweigeteilt. Stimmungsmusik in der großen Scheune mit den „Zwoa Spitzbuam“ und „Prinz Karneval“, und im Keller tobte die Band „Kist“, eingenebelt von dicken Rauschschwaden, denn hier durfte man dem blauen Dunst frönen.

Wer sich an diesem Abend zu spät auf den Weg zum Zehntkeller aufmachte, den bestrafte die dort vor der Tür wartende Security. „Wir dürfen hier niemanden mehr reinlassen“, lautete ihre strikte Anweisung, und so bildete sich vor dem Eingang eine lange Schlange. Niemand murrte, alle reihten sich in die Schlange ein und harrten geduldig darauf, dass jemand den Zehntkeller verlässt.

Hier unten war es fast wie in alten Zeiten. Auf der Bühne rockte die T-Band mit Wolfgang Amann, und Sänger Klaus Schenk unterhielt die Gäste in seiner charmanten und witzigen Art. „Für uns ist hier im Zehntkeller zu spielen etwas ganz besonders“, schwärmte Amann. Er erinnere sich gerne daran, wie vor genau 20 Jahren im kleinen Keller alles begonnen habe.

Geschenk für T-Band

In der Pause übernahm die „La gardounnenque“, eine Bläsergruppe aus Uzes, die Bühne und brachte richtig Stimmung unter das Volk. Bei „Rosamunde“ sangen die Gäste dann auch stimmgewaltig mit. Die Franzosen hatten für die T-Band auch ein Geschenk mitgebracht. Als Dankeschön für ihr Konzert in Uzes überreichten sie ihr einen antiken Feuerwehrhelm, der dem Sänger Klaus Schenk sehr gut passte. Während im großen Keller die T-Band rockte, gaben die Franzosen im Probierkeller noch ein kleines Privatkonzert. Begleitet von den Blechbläsern schmetterte die Sopranistin Manuela Steinbrecher „O sole mio“.

Ebenso schwer an der Security vorbeizukommen war es im Gasthaus „Goldener Hirsch“, wo die Band Gonzo‘s Jam“ jazzte. Auf den Straßen rund um den Rummel herrschte bis weit in die Nacht ebenfalls ein buntes Treiben. greg

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/Schriesheim