Schriesheim

Längst kein Selbstläufer

Konstantin Groß über die Grüne Liste Schriesheim

Die Kandidatennominierung bei der Grünen Liste Schriesheim lief ab, wie man es von ihr gewohnt ist: hochprofessionell, effizient. Der gelungene Start ist aber auch nötig; die anstehende Kommunalwahl wird für die Grünen in ihrer regionalen Hochburg Schriese kein Selbstläufer mehr.

Die Versammlung zeugt zu-mindest von Geschlossenheit. Fraktionschef Wolf hat den Laden im Griff. Die Erwartung, der Zwist mit der eigenen, populären Vize-Bürgermeisterin Schenk-Zitsch oder das zerrüttete Verhältnis zum grünen Bürgermeister Höfer werfe Schatten, bewahrheitete sich nicht. Dass der aus dieser Fraktion stammende Rathaus-Chef fernblieb, hier nicht einmal Erwähnung fand, ist allerdings schon politisch bemerkenswert.

Dass die Stimmenkönigin Schenk-Zitsch nicht mehr antritt, wird den Grünen wohl schaden. Die Liste der neuen Kandidaten ist zwar solide, aber ohne Überraschungen oder gar Sensationen. Der feste Vorspann amtierender Räte lässt wenig Luft für den Nachwuchs, der ohnehin rar gesät ist. Das Durchschnittsalter der Liste von 49 Jahren täuscht; das der wieder antretenden Räte, lange älteste Fraktion im Gremium, beträgt nämlich 56 Jahre.

Mehr ökologisches Profil nötig

Versiert wie Wolf mit 35 Jahren als Gemeinderat und 21 Jahren als Fraktionschef ist, sieht er dies natürlich, dreht es daher, macht aus der Not eine Tugend namens „100 Jahre Erfahrung“. Man muss schon schmunzeln bei dem Gedanken, dass die Grünen vor 40 Jahren mit dem Rotationsprinzip antraten, um Mandatsinhaber nur ganz kurz im Amt zu belassen.

Neben dem personellen Angebot kommt es für die Grüne Liste darauf an, ihr Profil zu schärfen. Und vor allem in Sachen Ökologie besteht dafür Nachholbedarf: Beim Thema Windkraft an der Bergstraße agiert sie zögerlich bis skeptisch; bei der E-Mobilität haben ihr die Freien Wähler im Rat längst den Rang abgelaufen.

Die größte Herausforderung jedoch: Die Schriesheimer Grünen wurden stark als Rebellen gegen den konservativen Bürgermeister Peter Riehl. Diese Stimmung trug ihren Stadtrat Höfer ins Bürgermeisteramt – und ihn und die Grünen auch noch bei den Wahlen danach. Doch längst gilt: Wenn jemand etabliert ist – politisch und personell – , dann sind es Schriesheims Grüne. Bei Wahlen ist das heutzutage nicht nur Vorteil, sondern auch Risiko.