Schriesheim

Schriesheim Heinz Kimmel wird nach 35 Jahren im Gemeinderat am Sonntag von „seinen“ Freien Wählern offiziell verabschiedet

„Langweilig ist es mir nicht“

An den Beginn seiner kommunalpolitischen Laufbahn erinnert er sich noch ganz genau. „Die Freien Wähler hatten im ‘Adler‘ ihre Kandidatenaufstellung für die Gemeinderatswahl“, berichtet Heinz Kimmel: „Gegen 21 Uhr rief einer an und fragte: Wir machen gerade unsere Liste und müssen noch einen Platz füllen. Können wir Dich drauf nehmen?“

40 Jahre ist das her, und Heinz Kimmel erreicht damals, 1980, obwohl nur auf Platz 21, für einen Neuling beachtliche 1300 Stimmen. Zwar verpasst er den Einzug ins Gremium, doch 1984 ist es soweit. Und dort bleibt er 35 Jahre Mitglied, zuletzt sogar als Stimmenkönig. Bei der Wahl im Mai 2019 kandidiert er nicht mehr, am Sonntag nun wird er von seiner Fraktion verabschiedet.

„Ich bin dankbar, dass man das macht“, bekennt Kimmel im Gespräch mit dem „MM“. Er wirkt gelassen. Ist der Verzicht auf das öffentliche Rampenlicht vor Ort nach so vielen Jahren denn nicht doch schwer zu verkraften? „Nein, überhaupt nicht“, versichert er: „Der Abschied war ja gut überlegt.“

Mit Beruf schwer zu vereinbaren

Doch Heinz Kimmel bekennt auch: „Ich habe meine Arbeit gerne gemacht“, sagt er und setzt hinzu: „Ich habe sie ernst genommen.“ Und das ist oft gar nicht so einfach. In der Zeit seiner aktiven beruflichen Tätigkeit muss der Gärtnermeister morgens um halb vier aufstehen, um bald danach beim Mannheimer Blumengroßmarkt zu sein. „Da ist eine abendliche Sitzung ab 18 Uhr schon anstrengend“, lacht er. Wenn freitags die Vorlagen für den Gemeinderat kommen, dann geht der Sonntag dafür drauf, sie durchzuarbeiten.

„Ich bin nicht der große Redner“, bekennt er: „Aber was ich sagen wollte, das habe ich auch gesagt.“ In den 35 Jahren als Stadtrat gestaltet Kimmel sämtliche Großprojekte Schriesheims mit: die zwei Neubaugebiete Fensenbäumen und Nord, die Bebauung der Hübsch‘schen Mühle und des OEG-Geländes.

Am härtesten umkämpft ist damals das Waldschwimmbad, das von Bürgermeister Peter Riehl wegen zu hoher Sanierungskosten geschlossen wird. „Da habe ich mich auch gegen meinen Freund Peter stellen müssen“, erinnert er sich. Kimmel als Ortsvorsitzender und Friedrich Ewald als Fraktionschef legen die Linie der Freien Wähler fest, wonach die Stadt eine Million Mark ins Bad investieren soll: „Das war die Initialzündung zur Rettung des Schwimmbads durch die Bürger.“

Die bekannteste Stellungnahme in Kimmels langer Amtszeit betrifft das Kerg-Museum. In einer Debatte über die Zukunft der modernen Kunstwerke prägt er den legendären Satz, wenn sie abgefahren werden müssten, dann würde er sich selbst hinters Steuer setzen. „Es war aus einer emotionalen Situation heraus, in der mich der damalige Vorsitzende des Kulturkreises (Albert Kesseler, d. Red.) gereizt hat“, erläutert Kimmel: „Heute jedoch amtiert ein Vorstand, mit dem man reden kann“. Und nicht nur der Trägerverein, sondern auch das Museum findet vor Kimmel längst Gnade: „Es ist gut, dass es so etwas in Schriesheim gibt. Ich habe meinen Frieden damit gemacht.“

Seine größte politische Niederlage? Die Bürgermeisterwahl 2005, als der gemeinsame Kandidat von CDU, Freien Wählern und FDP, Peter Rosenberger, gegen den Grünen Hansjörg Höfer verliert. „Nach dem ersten Wahlgang waren wir zu siegesgewiss“, bekennt er, aber ebenso: „Der Kandidat war der richtige.“ Anders als Michael Becker 2013, dessen rechte Vergangenheit nach seiner Nominierung herauskommt.

Die Vorstellung, Kimmel oder sein Betrieb hätten davon profitiert, wenn sein Name regelmäßig in der Zeitung steht, ist übrigens irrig. Vor allem Abstimmungen im Bauausschuss führen zuweilen zum Gegenteil: „Eine Frau, deren Bauantrag abgelehnt worden war, sagte mir: Bei Ihnen kaufe ich keine Blumen mehr!“ Auch so manchem guten Freund, der sonntags vorbeikommt, um vor der Ausschusssitzung vom Montagabend für sein Vorhaben zu werben, muss Kimmel klarmachen: „Da kann ich nicht zustimmen.“

Die Kommunalpolitik verfolgt er nach wie vor, nicht zuletzt die Schulsanierung. „Die Frage, wie wir Freien Wähler dazu stehen, hat mich damals buchstäblich eine schlaflose Nacht gekostet“, berichtet er.

Seine Prioritäten liegen dennoch inzwischen woanders. Den ein Hektar großen Betrieb gibt er zwar bereits vor fünf Jahren an Sohn Florian und Tochter Daniela ab. Nach wie vor jedoch ist er in der Firma, auf deren Gelände auch sein Wohnhaus liegt, präsent und aktiv. Und dann sind da ja noch die vier Enkel: „Langweilig ist es mir also nicht.“