Schriesheim

Schriesheim Startup-Unternehmen Actaqua erhält Innovationspreis der Immobilienwirtschaft / Ziel: bessere Trinkwasserqualität

Lob für „digitalen Hausmeister“

Welch eine Lage für einen Firmensitz: am Rande der beschaulichen Schriesheimer Altstadt, wenige Meter Entfernung zu den Weinbergen, die Strahlenburg in Sichtweite. Offenbar ein gutes Ambiente für Kreativität. Denn hier residiert die Firma Actaqua, ein Startup-Unternehmen im Hochtechnologiebereich. Durch einen Innovationspreis, bei dem es sich gegen 110 Mitbewerber durchgesetzt hat, ist das gerade am Dienstag erneut bestätigt worden.

Zufrieden zeigen sich denn auch Sascha Müller, Chairman der Holding, und Geschäftsführer Maiko Dufner. Und gelassen. Zum Pressegespräch präsentieren sich die beiden sympathischen jungen Unternehmer ohne Stress-Allüren, ohne bedeutungsvoll-hektische Blicke auf ihre Smartphones. Für Beruhigung sorgt schon eine Kreation an der Wand des Konferenzzimmers: eckige Elemente in unterschiedlichen Blau-Tönen, an miteinander spielende Wassermoleküle erinnernd.

Legionellen vermeiden

Das passt: Denn Wasser ist das Element dieses Unternehmens. Genauer gesagt Trinkwasser. Unser wichtigstes Lebensmittel. „Es wird immer gesagt: Unser Wasser hat höchste Qualität“, erläutert Müller: „Bis zur Haustür stimmt das auch.“ Danach fangen oftmals die Probleme an: alte Bausubstanz mit entsprechenden Leitungen, nicht ausreichende Aufbereitung des Wassers vor Ort, mangelndes Durchspülen der Leitungen.

Man kennt das, wenn man nach Rückkehr aus zwei Wochen Urlaub erst einmal das Wasser laufen lässt, um unangenehme Zeitgenossen zu vermeiden: Legionellen. Durchspülen mag für einzelne Wohnungen eine gute Idee sein. Doch Mehrfamilienhäuser, gar große Wohnblocks, aber auch Einrichtungen wie Altenpflegeheime und Sportstätten, brauchen ganz grundlegende Lösungen.

Actaqua hat sie entwickelt: das System „Permanent Analytic Use Log“, knuffig abgekürzt PAUL, „der digitale Hausmeister“, wie hinzugefügt wird. Von der Schaltzentrale in Schriesheim digital gesteuert, wird die Trinkwasserhygiene rund um die Uhr vollautomatisch sichergestellt.

Die technischen Vorgänge sind kompliziert, die Details ohnehin Betriebsgeheimnis, das mancher Große der Branche gerne kennen würde. „In der Gesamtheit unseres Angebotes haben wir in diesem Bereich schon ein Alleinstellungsmerkmal“, sagt Müller nicht ohne Stolz.

Für insgesamt 60 000 Wohneinheiten in ganz Deutschland ist Actaqua-Technologie im Einsatz. Kunden sind vor allem Immobilienbetreiber, Wohnungsunternehmen und Genossenschaften. „In unserer Region arbeiten wir sehr gut mit der Familienheim Rhein-Neckar zusammen“, sagt Müller. Unter den renommierten Trägern der Altenpflegeheime, mit denen Actaqua kooperiert, nennt er die Caritas.

Man könnte denken: endlich ein Bericht ohne Corona. Doch das Virus hinterlässt auch hier seine Spuren. „Was geschieht mit den Hotels, die längere Zeit nicht voll ausgelastet oder gar geschlossen sind?“, sagt Müller: „Oder mit Bürohäusern, die weitgehend leer sind, weil die meisten Mitarbeiter im Home Office?“ Da werden die Wasserleitungen weniger oft oder gar nicht „geflutet“. Und so kann ein längerer Lockdown dort sehr schnell auch zu einem Problem der Trinkwasserqualität werden.

Actaqua hat dafür ein Angebot parat: „Hotels zum Beispiel, die eine solche Anlage installieren, aber im Lockdown geringe oder keine Einnahmen haben, können erst in zwölf Monaten bezahlen“, so Müller.

Energieverbrauch senken

Doch unabhängig von der Trinkwasserqualität: Actaqua widmet sich ja auch den Heizungswasseranlagen. „Unsere Technologie führt zu erheblich geringerem Energieeinsatz und damit auch zu entsprechend weniger C02“, erläutert Müller: „Das ist ein Beitrag zur Nachhaltigkeit.“

Die vor Ort eingesetzte Technik passt sich übrigens den vorhandenen digitalen Möglichkeiten an. Das ist auch notwendig. Denn gerade die Leute von Actaqua merken die Defizite im Bereich der Digitalisierung. „An der Bergstraße hat man manchmal schon Probleme, zu telefonieren“, seufzt Müller: „Ich würde mir von unserer Gesellschaft mehr Neugier auf die Zukunft wünschen.“ Müller und Dufner haben sie.