Schriesheim

Schriesheim Am Wochenende feiert die Jugendfeuerwehr ihr 50-jähriges Bestehen / Gespräch mit drei Generationen ehemaliger Nachwuchsbrandschützer

„Man kann sich auf die Leute verlassen“

Anfangs ging es gar nicht um die Jugendfeuerwehr. Vielmehr suchte der Spielmannszug Mitstreiter. Die Verantwortlichen machten deshalb 1967 Werbung an den Schulen und hatten Erfolg. „Wir waren fünf, sechs Leute, die zum Spielmannszug kamen“, erinnert sich Martin Zipperle an die ersten Jahre. In denen es zwar um Musik ging, doch zunehmend auch um die Wehr selbst.

Im Februar 1969 wurde offiziell die Jugendfeuerwehr aus der Taufe gehoben. 13 Teenager gehörten ihr an, Jugendwart war Georg Weber. Damals war die Feuerwehr eine Männerdomäne; Mädchen kamen erst später dazu. Allmählich wuchs die Mitgliederzahl, erreichte 1993 einen Höchststand mit 30 Personen und hat sich heute bei 22 eingependelt. Drei der Jugendlichen sind weiblich.

Zipperle gehört zur Gründungsgeneration und berichtet von prägenden Erlebnissen wie dem Landes-Zeltlager 1974 in Friedrichshafen mit Teilnehmern aus dem Ländle, aus Frankreich und Österreich: „Es hat geregnet, aber wir haben das Beste draus gemacht.“ Der damalige Bürgermeister Peter Riehl stattete dem Camp einen Besuch ab und lieferte sich einen Ringkampf mit zwei Kameraden. Zipperle lacht: „Er war hinterher komplett voller Schlamm.“ Viele, die in der Jugendfeuerwehr Leitungsposten innehatten, übernahmen später auch in der Einsatzabteilung Verantwortung, sagt Oliver Scherer.

So war es bei Weber, der 1977 Kommandant wurde und später Ehrenkommandant. Und so war es auch bei ihm, der 1983 mit zwölf Jahren in die Jugendabteilung eintrat, 1991 ihr Leiter wurde und seit 2004 Kommandant ist. Befragt, was ihm besonders gut gefiel, antwortet er umfassend: „Eigentlich alles.“ Auch er nennt die Zeltlager – seine Generation fuhr nach Villingen – außerdem begeisterten ihn die Technik und dass viele seiner Freunde dabei waren. Was ihn dort hielt, war die Kameradschaft. Ebenso geht es Zipperle, der sagt: „Man kann sich auf die Leute verlassen. Wenn es Streit gibt, wird darüber geredet, und dann ist es wieder vom Tisch.“

Letztlich sind es auch riskante Einsätze, gemeinsam überstandene Gefahren, die zusammenschweißen, darin sind sich die beiden einig. Damit ging es früh los, ergänzt Scherer: „Ab 15, 16. Heute wäre das ein Unding. Das Feuerwehrgesetz schreibt vor, dass niemand ohne Grundausbildung in einen Einsatz darf.“ Doch damals half er mit, die großen Feuer zu bekämpfen, die hier und in der Umgebung wüteten. Ein solches Ereignis weckte auch bei Nicolas Spatz das Interesse an der Wehr. Kurz nach seinem zehnten Geburtstag besuchte der heute 20-Jährige die erste Übung, damals noch in Begleitung seiner Mutter, die ihn anmeldete. Heute ist er Stadtjugendwart, die Festschrift zum 50. Abteilungs-Jubiläum entstand unter seiner Federführung. Seine Generation fuhr nach Epfenbach zum Zelten, und er findet es toll, „dass die Älteren die Jüngeren mitziehen und auf sie achtgeben.“

Einzelne Aufgaben haben sich geändert; früher wurde Altpapier gesammelt, um Geld für die Mannschaftkasse zu sammeln, seit 30 Jahren sind es Christbäume. In den nächsten Jahren steht die Gründung einer Kinder-Feuerwehr ab sechs Jahren an, gibt Scherer die Richtung vor. Ein Mittel, um schon die Kleinsten zu begeistern, rekrutieren sich aus der Jugend doch später die Mitglieder der Einsatzabteilung. „80 Prozent“, sagt er, „gehen diesen Weg.“ Neben diesen pragmatischen Gründen sieht er vor allem eine Stärke in der Feuerwehr: „Wir sind eine eingeschworene Gemeinschaft.“