Schriesheim

Schriesheim Gemeinderat billigt Bebauungsplan für Ladenburger Straße 7 / Einfachwohnungen können weichen

„Maroden Leerstand beseitigen“

Die maroden Gebäude in der Ladenburger Straße 7/Nähe B 3 dürfen abgebrochen und neu gebaut werden. Mit seiner Zustimmung zum Bebauungsplan schuf der Gemeinderat jetzt die rechtliche Grundlage. Alleine die Mehrheit der Grünen votierte dagegen, da sie sich den Einwänden der Anwohner gegen die Verkehrserschließung anschloss.

Die betreffenden Häuser wurden in den 1960er Jahren errichtet – mit einfachen Mitteln – und entsprechend schlechtem Zustand heute. Auch die Ausstattung ist nicht mehr zeitgemäß, die Heizung besteht aus mit Kohle oder Öl betriebenen Einzelöfen. Eine Sanierung rechnet sich nicht. Deshalb will die Bauhütte die Gebäude abreißen und durch drei neue Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 20 Wohnungen ersetzen.

Fast fünfjährige Diskussion

Bereits 2014 wurden erste Pläne erarbeitet, die dem Technischen Ausschuss damals jedoch zu massiv waren. Im April 2015 präsentierte die Bauhütte neue Pläne – mit geringerer Höhe der Gebäude. Sie stießen im Gemeinderat auf Zustimmung.

Allerdings stellte die Verwaltung fest, dass die Planung vom geltenden Bebauungsplan, der den historischen Gewann-Namen „Sautrieb vor dem Heidelberger Tor“ trägt und ungefähr so alt ist wie die hier stehenden Häuser, nicht gedeckt ist. Daher musste die Rechtsgrundlage angepasst und für das 1400 Quadratmeter große Gebiet eigens ein sogenannter „Vorhabenbezogener Bebauungsplan“ aufgelegt werden. Auch dies fand im Rat Zustimmung.

Lediglich über die Zufahrt entspann sich eine Kontroverse. Der Großteil der 24 Stellplätze wird zwar in einer Tiefgarage ausgewiesen, die von der Ladenburger Straße aus angefahren werden soll; vier Stellplätze für die beiden hinteren Gebäude sollen jedoch ebenerdig erschlossen werden – und zwar durch eine Stichstraße aus der Max-Planck-Straße.

Von deren Anwohnern wird dies jedoch abgelehnt. Bisher nämlich sei die Stichstraße als Sackgasse ausgewiesen, ein Gehweg nicht vorhanden, für mehr Verkehr baulich gar nicht ausgelegt. Erfahrungsgemäß würde darüber hinaus auch ein großer Teil des Anlieger-, Besucher- und Lieferverkehrs für den gesamten Neubaukomplex hier abgewickelt.

Lange schob die Verwaltung das heiße Eisen vor sich her, doch nun drängt die Zeit. Denn die Häuser können nur noch im Februar abgerissen werden – wegen der Schwalbennester, die in den ruinenähnlichen Gebäuden entstanden sind und wegen der Brutzeiten der Vögel nach Februar unter Schutz stehen. So musste der Rat jetzt entscheiden.

„Wir können das nicht einfach abhaken“, betonte jedoch Grünen-Fraktionschef Christian Wolf. Schon bisher sei die Bauhütte bevorzugt worden wie kein privater Bauherr: „Auf Schwalben wird Rücksicht genommen, auf Anwohner nicht.“

Breite Mehrheit für Projekt

„Die Erschließung ist nicht anders machbar“, meinte dagegen Andrea Diehl (CDU). Die Bauhütte sei Stadt und Anwohnern weit entgegengekommen. „Wir sehen das Projekt positiv, denn hier entsteht dringend benötigter neuer Wohnraum.“

„Diese Hängeparty muss endlich ein Ende haben“, meinte Bernd Hegmann. Die Freien Wähler würden zustimmen, da sonst das gesamte Projekt scheitern würde: „Dadurch wird jedoch das Stadtbild positiv verändert und Wohnraum geschaffen“. Immerhin habe die Stadt Belegungsrecht für hiesige Wohnungen.

„Wir begrüßen das Projekt ausdrücklich“, so SPD-Fraktionschef Sebastian Cuny, auch wenn Innenverdichtungen immer Veränderungen für die Nachbarschaft bedeuten. Die Vorteile würden jedoch überwiegen: „Maroder Leerstand wird beseitigt, und erstmals seit langem entstehen wieder Mietwohnungen.“ Wolfgang Renkenberger (FDP) setzte eine Spitze gegen die Grünen: „Wählerstimmen sind nicht alles.“

„Es geht um ganze vier Stellplätze“, machte Bürgermeister Hansjörg Höfer die Dimension der Einwände klar und bat um Zustimmung. Die erhielt er – mit Ausnahme der Grünen, aber auch hier waren nicht alle dagegen: Dr. Barbara Schenk-Zitsch und Bernd Trotte enthielten sich.