Schriesheim

Neckar-Bergstraße Verein „Hilfe zur Selbsthilfe – Dritte Welt“ feiert an diesem Freitag sein 40-jähriges Bestehen / Helmut Merkel seit Gründung 1979 an der Spitze

Mehr als 30 Millionen Euro gesammelt

Archivartikel

Helmut Merkel bringt die Sache in der ihm eigenen Art auf den Punkt: „40 Jahre, das ist kein Anlass, groß zu feiern, aber ein guter Grund schon“, schmunzelt der Gründer und Vorsitzende des Vereins „Hilfe zur Selbsthilfe – Dritte Welt e. V.“ So wird es an diesem Freitag denn auch gemacht.

In der Tat sind Gründe zu feiern gegeben. Denn der Verein leistet Großartiges: Bei der Jahreshauptversammlung im Mai betrug die Summe der Geldmittel und Hilfsgüter, die er in den letzten vier Jahrzehnten organisiert hat, 28 654 492 Euro. Rechtzeitig zum Festakt kann Merkel sogar vermelden: „Inzwischen hat der Gesamtwert der Hilfe die 30-Millionen-Grenze überschritten.“

Dabei fängt alles ganz klein an. „Nur wenige Flugstunden entfernt kämpfen Menschen um ihr tägliches Überleben“, sagt der Bürgermeister der Gemeinde Dossenheim, Peter Denger (SPD), 1979 in einer Rede: „Die Not in der Dritten Welt kann uns doch nicht gleichgültig sein.“

Bürgermeister Denger als Initiator

Das wirkt als Initialzündung. Am 29. November 1979 treffen sich im Dossenheimer Rathaus 18 Männer und Frauen, um den Verein mit dem etwas sperrigen, doch damit alles sagenden Namen „Hilfe zur Selbsthilfe – Dritte Welt“ zu gründen. Bei der Suche nach einem Vorsitzenden fällt die Wahl auf den, der mit seiner Person für Seriösität steht: Helmut Merkel, Chef des für die Bergstraße zuständigen Polizeireviers Weinheim.

Und diesen Vorsitz hat er seither, also seit 40 Jahren, inne – der 82-Jährige kann also auch ein persönliches Jubiläum feiern. Da er in Dossenheim wohnt, firmiert diese Bergstraßen-Gemeinde als Sitz des Vereins. Doch seine heute rund 1000 Mitglieder stammen aus der ganzen Region und darüber hinaus: Sogar Seine Königliche Hoheit, Markgraf Max von Baden, zählt zu den Unterstützern.

Unbestritten ist, dass der Erfolg des Vereins auch das Verdienst von Merkels Einsatz ist, wenngleich viele andere daran Anteil haben: Allen voran die Mitglieder, die mit ihren Beiträgen den finanziellen Grundstock bilden; Bürger, Firmen und Organisationen, die durch Spenden das nötige Darüberhinaus bereitstellen.

Hauptaktionsfeld des Vereins ist Asien, etwa die Philippinen, wo Merkel 1981 seine Frau Maria-Ida kennenlernt. Zentrales Ziel der Aktivitäten ist die Vermittlung von Bildung. Mehr als 100 Container mit Baumaterial hat der Verein seit 1979 um den Globus geschickt, um Schulen zu erweitern oder neu zu bauen. Aktuelles Projekt zum Jubiläum im Wert von 200 000 Euro: „Wir bauen ein Wohnheim für 90 Jungen, deren Weg zur Schule länger als drei Stunden zu Fuß dauern würde“, erzählt Merkel.

Gefeiert wird das Jubiläum nicht protzig, aber würdig und damit dem wichtigen Vereinszweck angemessen – in einer Feierstunde in der evangelischen Kirche Dossenheim ab 19 Uhr, mit der Bevölkerung. „Wir erwarten 400 Gäste“, sagt Merkel.

Die Festrede hält der ehemalige Verfassungsrichter Prof. Paul Kirchhof. George Palliparampil, Bischof aus Nordindien, kommt auf dem Rückflug von New York an der Bergstraße vorbei. Besser lässt sich Internationalität nicht symbolisieren.