Schriesheim

Schriesheim Damit der Kanzelbach ungefährlich bleibt – Stadt muss altes Rückhaltebecken sanieren und ein neues bauen

Millionen für Hochwasserschutz

Archivartikel

Hochwasserschutz? Das ist doch nur was für Küstenstädte, mag mancher Zeitgenosse denken. Weit gefehlt! Auch und vor allem eine Stadt an der Bergstraße wie Schriesheim muss sich dem widmen – mit dramatischen finanziellen Folgen: Die Sanierung des bestehenden Rückhaltebeckens kostet fast eine Million Euro, der notwendige Neubau eines weiteren gut fünf Millionen Euro.

Dazu muss man wissen: Schriesheim ist bei starken dauerhaften Regenfällen überdurchschnittlich gefährdet. Durch die gesamte Stadt führt, teils verdolt, teils offen, der Kanzelbach, der bei Zufuhr aus den Wolken mächtig anschwillt. Das vom Odenwald bestehende Gefälle verleiht den Wassermassen dann ungeahnte Geschwindigkeiten, so dass das kleine Bächlein zu einem reißenden Strom werden kann.

Kritische geografische Lage

Und das ist keineswegs ein Phänomen unserer Tage im Zeichen des Klimawandels. Berühmt-berüchtigt ist die Schriesheimer Hochwasserkatastrophe vom 11. Juni 1859. Am Vortag hatte es heftig geregnet, zwischen 60 und 70 Kubikmeter pro Stunde, wie die Wasserbauinspektion damals errechnete. Die Verdolung brach auf, Brücken wurden geradezu weggesprengt, Scheunen und sogar Häuser mitgerissen.

Diese schon immer bestehende potenzielle Gefährdung verschärft sich durch die aktuell unberechenbaren Wetterlagen weiter. Das hat in Schriesheim für Bauherrn sehr konkrete Folgen: Als etwa im Jahre 2015 an der B 3/Ecke Ladenburger Straße das neue Ärztehaus errichtet wurde, da mussten die Bauherren ihre Tiefgarage so konzipieren, dass sie im Fall eines Jahrhundert-Hochwassers geflutet werden kann, um überzählige Wassermassen aufzunehmen. Ohne derartige Schutzmaßnahmen „kann schnell einmal der Rosenhof überschwemmt werden“, wie Bürgermeister Hansjörg Höfer die Folgen recht anschaulich beschrieb.

Das dramatische Hochwasser vom Januar 2011 führte im Jahr darauf zu einer Sicherheitsüberprüfung des in den 1970er Jahren gebauten Rückhaltebeckens am Kanzelbach, dessen rund 4000 Quadratmeter Fläche sich auf eine Höhe von zehn Metern füllen lassen. Ergebnis der Prüfung war, dass es sich „in einem nicht mehr den heutigen sicherheitstechnischen Anforderungen entsprechenden Zustand befindet und daher zwingend zu sanieren ist“, wie die Verwaltung in einer Vorlage an den Gemeinderat formuliert.

Fast die Hälfte als Zuschuss

Gemeinsam mit Wasserrechtsamt und Regierungspräsidium erarbeitete die Stadt einen Sanierungs- und Finanzierungsplan. Immerhin kostet die Maßnahme 882 000 Euro. Allerdings stand dafür ein Zuschuss des Regierungspräsidiums in Höhe von 400 000 Euro in Aussicht – jedoch unter einer Bedingung: Die Arbeiten müssen spätestens am 1. Dezember 2019 beginnen und am 31. März 2021 fertig sein. So steht es in dem Bewilligungsbescheid, der im Rathaus am 3. Februar 2019 eintraf.

Dieser Zeitplan setzte die Stadt am Ende unter Druck. Am 1. Oktober erfolgte die Ausschreibung, an der sich ganze drei Unternehmen beteiligten. Der teuerste Anbieter lag bei rund 1,2 Millionen, der günstigste bei 880 000 Euro. „Das zeigt ganz deutlich die Lage auf dem Markt“, bekennt Stadtbaumeister Markus Schäfer. In der Gemeinderatssitzung am Mittwoch vergangener Woche erhielt also die Firma Rapp aus Mosbach den Zuschlag. „Die Rodung der umliegenden Flächen wird noch vor Weihnachten beginnen“, kündigt Stadtbaumeister Schäfer an. Wie vorgegeben, sollen die Arbeiten in einem Jahr abgeschlossen werden.

„Die Maßnahme ist auch mit den Angelsportlern abgesprochen“, versicherte Bürgermeister Hansjörg Höfer am Mittwoch auf entsprechende besorgte Fragen im Gemeinderat. Denn der aktive kleine Verein nutzt das Gewässer als ideales Aktionsfeld. Sobald das Wasser abgelassen ist, um das Becken auszubaggern, geht das natürlich nicht mehr.

Die Untersuchungen ergaben aber auch, dass ein Becken im Fall des Falles nicht ausreicht. So ist die Stadt verpflichtet, ein neues zu bauen. Die Planungen dafür sind allerdings erst im Anfangsstadium, wie Stadtkämmerer Volker Arras bei Vorlage des Haushalts im Januar 2019 mitteilte. Als möglichen Standort nannte er damals ein Grundstück in der Nähe des Waldschwimmbads.

Mögen Einzelheiten der Planungen noch unklar sein, die anfallenden Kosten sind es nicht. Im Januar nannte Arras schon mal eine erste Schätzung: fünf Millionen Euro.