Schriesheim

Schriesheim Pfarrer Wilfried Rupp verabschiedet sich von seiner Gemeinde im Altenpflegeheim Haus Stammberg – 17 Jahre nach Eintritt in den Ruhestand

Mit 80 Jahren „etwas kürzer treten“

„Ich werde heute das letzte Mal Gottes Wort verkünden“, sagt Pfarrer Wilfried Rupp zu seiner Gemeinde im Altenpflegeheim Haus Stammberg. Und er sagt auch gleich warum: „Ich gehöre nun auch schon zu den älteren Leuten. Ich bin im Januar 80 Jahre alt geworden und ich möchte jetzt etwas kürzer treten.“

Dabei ist Pfarrer Rupp eigentlich schon seit 2001 im Ruhestand. Doch damals bot er an, dass er immer bereit sei, seine Kollegen im Gottesdienst mal zu vertreten: „Das haben meine Kollegen immer gut ausgenutzt, haben mich immer gerufen.“ Kein Jahr später wurde er sogar gefragt, ob er im Haus Stammberg regelmäßig Gottesdienste halten könnte: „Ich habe gleich ja gesagt.“

Anfangs nur Vertretung geplant

Daraus wurden in 17 Jahren und sieben Monaten stolze 190 Gottesdienste, wie er aus seinen Aufzeichnungen ablesen konnte: „Ich habe es gern getan. Ich danke Dir, lieber Gott, dass ich in all den Jahren hier im Hause Stammberg verkündigen durfte und dass ich immer wieder einladen durfte zu Gottes Feste.“

Dank kam auch vom Leiter des Hauses Stammberg, Michael Meisel, sowie vom Kirchenältesten Rolf Braun, zu den lobenden Worten überreichten beide auch kleine Geschenke zum Abschied. „Ich könnte jetzt Amen sagen, so wie ich jede Predigt beendet habe“, sagte Pfarrer Rupp im Anschluss an seine Predigt. „Aber ich möchte jetzt doch noch am Schluss versuchen, das Ganze noch einmal zusammen zu fassen, und zwar in gereimter Form.“ Und so erklang seine Abendmalpredigt ein zweites Mal, diesmal in Versform:

„Am Abend geht der Bote aus, lädt ein zum Fest in Gottes Haus. Der Tisch gedeckt, das Mal bereit, bedenkt Euch, nichts ist hohe Zeit. Er ruft zunächst die Gott erwählt, lädt was zu seinem Volk sich zählt, das er geleitet Jahr um Jahr, geführt, getröstet, wunderbar, durch Wasser und durch wüstes Land, bis er den Ort zum Wohnen fand. Er sandt’ den Boten immer neu, die sagten ihnen: „Gott ist treu“. Doch was zu Gottes Volk sich zählt, zu dem was er aus Lieb erwählt, kommt nicht zum Fest, will nicht hinein, zum Feiern und zum Fröhlich sein. Da zürnt der Hausherr sehr und sagt: Wenn denen nicht mein Fest behagt, soll der Boten zu den Armen gehen, die ersten sollen mein Fest nicht sehn. Der Bote geht zur Abendzeit, und findet alle sie bereit, die lahm und blind und Krüppel sind, man nun bei Tisch und glücklich find. Doch ist noch Raum, der Saal ist groß, der Bote geht noch einmal los, und holt von Hecken und vom Zaun, da niemand sonst zum Fest sich traut. Die kommen, Mensch auch Du kannst gehen, weil Gottes Türen offen stehen. Noch lädt der Bote Jesu Christ zum Fest, das ohne Ende ist –Amen.“

Es war das letzte Amen von Pfarrer Rupp in der Kapelle des Hauses Stammberg: „Alle Zeit geht mal zu Ende, alles hat seine Zeit“, so seine Worte zum Abschied an die Gemeinde: „Es hat mir gut getan hier.“

Aber so ganz geht Pfarrer Rupp dann doch nicht: In Hirschberg-Großsachsen hält er weiter Sonntagsgottesdienste. Und auch ins Haus Stammberg will er hin und wieder mal zu den Gottesdiensten kommen. Allerdings nur als Zuhörer, wie er betont. dle