Schriesheim

Schriesheim Wegen Sturmwarnung des Deutschen Wetterdienstes wird der Mathaisemarkt-Festzug um eine Woche verschoben

„Mit das Schlimmste, was einem Bürgermeister passieren kann“

Es gibt Nachrichten auf Facebook, angesichts derer man den Button „Gefällt mir“ nur als sarkastisch empfinden kann. So geht es all jenen Schriesheimern, die gestern Vormittag um 11.47 Uhr die Nachricht lesen: „Mathaisemarkt-Festzug nach Sturmwarnung abgesagt!“ Ein kleiner Trost zumindest, dass der Höhepunkt des größten Festes der Region eine Woche später nachgeholt wird.

„Schlecht.“ So antwortet Bürgermeister Hansjörg Höfer gestern Mittag kurz auf die Frage des „MM“, wie er sich fühlt: „Den Mathaisemarkt-Festzug absagen zu müssen, das ist so ziemlich mit das Schlimmste, was einem Schriesheimer Bürgermeister passieren kann.“ Und er bekennt: „Wir alle haben uns diese Entscheidung wirklich nicht leicht gemacht.“

Das gilt natürlich auch für Feuerwehr-Kommandant Oliver Scherer. „Ich habe die Wetterprognosen seit Tagen genau verfolgt“, berichtet er: „Von Mal zu Mal wurden sie schlechter.“ Irgendwie ahnt er bald, was auf ihn zukommt. Und so bekennt er freimütig: „Ich habe heute Nacht ganz schlecht geschlafen.“

Es wird denn auch eine dramatische Stunde, in der die Entscheidung zur Absage fällt. Höfer ist ab 10 Uhr mit den Weinhoheiten gerade beim Mathaisemarkttreffen der FDP im „Neuen Ludwigstal“, als er einen Anruf der stellvertretenden Leiterin seines Ordnungsamtes erhält: „Sie müssen sofort ins Lagezentrum kommen“, bittet Isabel Herschel.

Wetterdienst gibt den Ausschlag

Im Feuerwehrhaus erfährt Höfer, dass für den Nachmittag schwere Sturmböen gemeldet sind. Wie bei ähnlichen Vorfällen in den Vorjahren, ist er es, der zu Mäßigung rät.

Insgesamt drei Mal wird mit dem Wetterdienst telefoniert, beim dritten Mal ist der Mann am anderen Ende der Leitung schon ein wenig genervt: „Ich kann Ihnen wirklich nichts anderes sagen.“ Die Vorhersage ist eindeutig: Zwischen 13 und 17 Uhr sind Windgeschwindigkeiten bis zu 120 Kilometer möglich. Dass Schriesheim betroffen ist, hat eine Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent. Das Telefon ist auf laut gestellt, damit alle mithören. Niemand soll sagen können, er habe nichts gewusst.

Die prognostizierte Uhrzeit trifft genau den Festzug. Und 120 Stundenkilometer Sturm halten manche der Aufbauten auf den Motivwagen nicht aus, Besatzungen und Zuschauer wären gefährdet, da ist sich die Runde einig. Der Zug wird abgesagt – oder korrekt formuliert: auf den nächsten Sonntag verschoben.

Mit dieser Ansage geht Höfer in den Ring, und dies im wahrsten Sinne des Wortes. Die Box-Matinee im voll besetzten Festzelt ist die erste Gelegenheit, den Entschluss öffentlich zu machen und dafür um Verständnis zu werben: „Es gab spontan Beifall“, konstatiert er erleichtert.

Im Rathaus beginnt das Ordnungsamts-Team derweil, die Entscheidung breit zu kommunzieren – über die Homepage der Stadt und über Facebook, WhatsApp und per Handy. Plakate werden aufgehängt, auch die RNV unterrichtet über ihr elektronisches Fahrgast-Informationssystem über die Festzug-Absage.

Reaktionen lassen nicht auf sich warten. „Die Facebook-Nachricht ist innerhalb einer Stunde von etwa hundert Nutzern geteilt worden“, berichtet Oliver Scherer beim Blick in sein Smartphone: „Zumeist zustimmend“, konstatiert er zufrieden.

Am Nachmittag werden die Verantwortlichen auch von der Realität bestätigt. „Wir hatten schon vier Einsätze wegen umgeknickter Bäume“, so Scherer am Abend – zwar nicht so dramatisch wie in Hirschberg. „Aber wenn es bei uns so gewesen wäre wie dort – nicht auszudenken!“, sagt er.

Der Vergnügungspark ist von sturmbedingten Einschränkungen übrigens nicht betroffen, auch das Riesenrad dreht sich weiter. Und trotz widrigen Wetters sind gestern 15 000 Festgäste in der Stadt. Zusammen mit den 16 000 von Freitag und Samstag verbucht der Mathaisemarkt 2019 am ersten Wochenende damit also 31 000 Besucher.

Info: Infos und Bilder unter morgenweb.de/mathaisemarkt