Schriesheim

Schriesheim Theater-AG des Kurpfalzgymnasiums führt Henrik Ibsens „Peer Gynt“ auf

Mit Lügen krampfhaft versucht, der Realität zu entfliehen

Mit starken Beifall überhäuft wurde die Theater-AG des Kurpfalzgymnasiums Schriesheim (KGS) mit ihrer recht modern gehaltenen Inszenierung von Henrik Ibsen „Peer Gynt“. Professioneller hätte dieses Stück auch nicht auf einer der ganz großen Bühnen aufgeführt werden können. Bewusst verzichteten die beiden Regisseurinnen, Nisani Bührlein und Jeanette Schmid, auf opulente Ausstattungen, sie setzten vielmehr auf das Wort und das Spiel, das sie mit Lichteffekten unterstrichen.

Die Requisiten auf der Bühne in der Mehrzweckhalle bestanden aus aufeinandergestapelten Kisten, die je nach Szene rasch umgestellt wurden. Im Hintergrund befand sich eine Leinwand, auf die kleine Filmsequenzen projiziert wurden. So drehte sich beispielsweise fast schon bedrohlich der Sekundenzeiger einer Uhr und das beängstigende Ticken eines Metronoms verkörperte die Vergänglichkeit – „Alles hat seine Zeit“. Eingerahmt war die Leinwand von schwarzen Vorhängen, die die Darsteller als „Gasse“ für den Auftritt und Abgang nutzten.

Das Publikum in der gut besuchten Halle erlebte eine fast märchenhafte Lebensgeschichte eines glücklosen Träumers – grandios dargestellt von Jonas Kuhlmann –, der mit seinen Lügen krampfhaft versucht, der Realität zu entfliehen. Ibsen erzählt die Geschichte eines von jugendlicher Neugier und Leichtsinn Getriebenen, der durch die Welt zieht und scheitert. Seine Reise endet schließlich – vom Tod gezeichnet – dort, wo er sie einst begonnen hatte, um dann festzustellen, dass es ihm unmöglich war, sein „Ich“ und sein „Sei du selbst“ zu finden.

Besondere Akzente setzte das Sinfonieorchester des KGS unter der Leitung von Janette Schmid mit Teilen aus Edvard Grieg „Peer Gynt Suite Nr. 1“ und dem bekannten „Solveigs Lied“, das von Darlene Pachur gesungen wurde. Aber auch durch eine Auswahl moderner Stücke, die dem Geschehen auf der Bühne etwas Aufrüttelndes gaben.

Das Stück beginnt mit dem Bankrott des Vaters von Peer und seiner verbitternden Mutter Aase, gespielt von Julia Stammler. Peer lebt in dem Wahn, Kaiser zu werden. Sein sein Weg führt ihn zum Trollkönig und seiner Tochter die „Grüne“ (Keona Buvari), die er heiraten soll. Doch er flieht, seine schwangere Braut zurücklassend, als die Trolle ihm ein Auge ausstechen wollen. Doch sie verfolgt ihn und präsentiert ihm seinen gezeugten „Balg“.

Seine anschließende Reise über den Ozean wird durch das Schwenken einer Plastikfolie angezeigt. Das Schiff kentert, aber er überlebt, indem er einen anderen Menschen aus dem Rettungsboot stößt. Schließlich endet seine Reise am Bett seiner sterbenden Mutter. Frieden findet er dann in den Armen Solveigs, die all die Jahre auf ihn gewartet hatte.

Den beiden Regisseurinnen Nisani Bührlein und Janette Schmid ist es gelungen, Ibsens Drama um die ganz großen Themen nach der Identitätssuche, Hoffnung Tod und vor allem um die Liebe auf die Bühne zu bringen. greg