Schriesheim

Schriesheim Lesung der Autorinnen Rita Hausen, Gudrun Bendel und Ingrid Rendel im Zehntkeller der Winzergenossenschaft

Mörderische Hausfrauen

Archivartikel

Frauen morden anders. Der Staatsanwalt würde die Motive in den Bereich „niedrige Beweggründe“ einordnen. Da reichen sogar hingeworfene stinkige Socken oder Haare im Abfluss, und schon kann die sonst liebevolle und geduldige Hausfrau zur Massenmörderin werden. Ob aus eigener Erfahrung, das ließ sich bei der Krimilesung am Samstag im Zehntkeller mit den drei Autorinnen aus der Region, Rita Hausen, Gudrun Bendel und Ingrid Reidel, nicht feststellen. Bislang seien die als „die mörderischen Schwestern“ bekannten Frauen jedoch noch nicht wegen heimtückischen Mordes verhaftet worden.

Der Zehntkeller hatte sich auf diesen blutrünstigen Abend eingestellt. Dafür hatte die Winzergenossenschaft sogar ihre besten Weine aus dem Keller geholt. Auch an die Akustik hatten die Organisatoren gedacht und spannten ein weißes Tuch unter die kahle Kellerdecke. „Lehnen Sie sich zurück und genießen Sie einen spannenden Krimiabend“, begrüßte Astrid Spies als Gastgeberin und Moderatorin die Gäste im ausverkauften Zehntkeller.

Kurzkrimis vorgelesen

„Wer Unordnung macht, wird umgebracht“, verkündete die erste Autorin, Gudrun Bendel, ihren Zuhörern. In ihrem Kurzkrimi erzählt sie von dem Schicksal einer überforderten Hausfrau, die ihren Lieben alles hinterherräumen muss. Das ändert sich schlagartig, als sie an einem Seminar für „Ordnung macht glücklich“ teilnimmt und alles über „energetisches Aufräumen“ erfährt. Da heißt es „Staub macht böse“, und was böse ist, muss entfernt werden. Also entrümpelt sie ihr Haus bis nur noch die kahlen Wände zurückbleiben. Weil ihr Ehemann sich gerne außer Haus vergnügt, wird auch er mit einem Aschenbecher aus Murano-Glas aus dem Weg geräumt und die Kinder ins Internat gesteckt.

Dann kommt auch noch die Schwiegermutter an die Reihe, weil sie mit ihren Schuhen immer Dreck ins Haus bringt. Sie macht unter einer Plastiktüte ihren letzten Schnaufer. Doch dann findet die Hausfrau in einem glatzköpfigen Chirurgen, der immer nach Desinfektionsmittel duftet, den Mann ihrer Träume.

Die Protagonistin des Kurzkrimis von Ingrid Reidel zeigt, wie man zur Mörderin werden kann, wenn ein über Jahrzehnte betriebener Landgasthof mit Landwirtschaft plötzlich seine Schweine abschafft. Da nutze auch kein Reisschnaps mehr, um die Wut herunterzuspülen. Aber musste es dann gleich ein Dreifachmord sein? Hätte es nicht gereicht, nur den Wirt mit dem Schlachtermesser abzustechen?

Ehemänner vergiften

Nach einer Verschnaufpause, um die Mordgeschichten zu verkraften, erzählte Rita Hausen in ihrer Geschichte „Sonnenstich“ das Schicksal einer Pfarrersfrau, die Mordgelüste gegenüber ihrem langweiligen Ehemann hegt. Die Gelegenheit bietet sich bei einem gemeinsamen Urlaub in der Türkei, und mit Hilfe einer Prise Gift verschwindet der Gatte für immer. Die Witwe fliegt allein in die Heimat zurück, und niemand kann ihr den Mord an ihrem Ehemann nachweisen.

Um die mörderischen Fantasien der Autorinnen zu verdauen, wurden zwischen den Morden fünf Weine serviert. Nach der Begrüßung mit einen SchrieSecco rot, wurde ein 2018 Schriesheimer Rittersberg St. Laurent in die Gläser gefüllt. Nach dem Mehrfachmord konnten die Gäste zwischen einem Pinot Noir Rosé trocken oder dem lieblichen Spätburgunder Weißherbst wählen. Es folgte ein 2018er Schriesheimer Rittersberg Weißer Burgunder Kabinett trocken. Den Abschluss bildete ein Chardonnay Spätlese im Barrique Fass gereift. greg