Schriesheim

Schriesheim Jahreshauptversammlung des Kraftsportvereins / Kritische Finanzlage und Querelen

Nach Rücktritt von Witteler und Katz Suche nach neuer Leitung

Archivartikel

Was ist mit dem so erfolgreichen KSV los? Noch bei der großen Jubiläumsfeier standen alle euphorisch hinter dem Motto „fit für die Zukunft“, doch heute sind sie meilenweit davon entfernt. Diese Meinung vertrat bei der Mitgliederversammlung auch Werner Kranz, Abteilungsleiter Boxen. Denn nach drei Jahren gibt Sven Witteler den Vorsitz beim KSV zurück und mit ihm eine der kompetenten und erfahrenen Führungskraft und das über 35 Jahre, Gabi Katz. Beide sind jedoch bereit, den Verein maximal bis 31. Oktober kommissarisch zu führen.

Diese Entscheidung nahmen die Mitglieder tief betroffen entgegen. Seine Beweggründe legte Sven Witteler in seinem Rechenschaftsbericht dar. Er habe vor drei Jahren einen beinahe zahlungsunfähigen Verein übernommen. Seine erste Amtshandlung war, seine Unterschrift unter einen Darlehensvertrag über 25 000 Euro zu setzen, um überhaupt die anstehenden Verbindlichkeiten zu begleichen.

„Ich stand bei meiner Amtsübernahme vor einem Schuldenberg von 281 000 Euro“, offenbarte Witteler die bittere Wahrheit. Da man in den guten Zeiten keine Rücklagen gebildet hatte, belief sich der Investitionsstau auf 300 000 Euro. „Anstatt aber alles daranzusetzen, den Verein aus den Schulden zu holen, wurden immer neue Nebenkriegsschauplätze geöffnet, und das hat viel Zeit und Kraft gekostet“, wetterte er. Trotz aller Querelen habe der Schuldenberg innerhalb der drei Jahre um 67 000 Euro gedrückt werden können. „Wenn nichts Unvorhersehbares passiert, könnte der Verein in neun Jahren schuldenfrei sein“, rechnete Witteler vor, doch es folgte das „aber“.

Offen sei noch der Sanierungsstau und wenn man daran mit viel Eigenleistung gehe, könnte man ihn auf 300 000 Euro drücken. Das würde bedeuten, dass der Verein in zwölf Jahren erst schuldenfrei ist. Was ihn maßlos geärgert habe, sei die Ignoranz einiger Leute, die den Schlamassel mit verursacht haben. Eine Rüge ging auch an die Adresse der Verwaltung. „Wenn einem als ehrenamtlicher Vorsitzender von der Stadt so viel Gegenwind entgegen bläst, dann hat man irgendwann die Nase voll“, richtete er seine Kritik an den anwesenden Bürgermeister, der sich an diesem Abend jedoch mit einer Stellungnahme zurückhielt.

Doch es gab auch etwas Erfreuliches zu berichten: Nach den beiden Jahren hatte das Betriebsergebnis einen Überschuss von 41 000 Euro. „Das zeigt doch, wie unglaublich leistungsfähig der Verein ist“, kommentierte Witteler. Abschließend richtete er seinen ganz besonderen Dank an seine Mitstreiterin Gabi Katz. Sie habe ihm über drei Jahre den Rücken gestärkt. „Ohne Gabi stände der Verein bei weitem nicht da, wo er heute steht“, lobte er und er dankte auch allen ehrenamtlichen Helfern und Unterstützern.

Wie es weiter gehen soll, darüber informierte Werner Kranz die Mitglieder. Er sei sehr dankbar, dass Sven Witteler und Gabi Katz bereit seien, bis zum 31. Oktober kommissarisch den Verein zu führen. In dieser Zeit soll eine Findungskommission, Kandidaten küren. Er verwies darauf, dass neben den beiden Vorsitzenden weitere Positionen besetzt werden müssten, wie die eines Schriftführers, eines Pressewartes.

Aus den Reihen der Mitglieder kam die Frage nach den Verursachern dieser Misere. Und wieder wurden die Querelen und die Ignoranz innerhalb des Vereins hervorgehoben. Dazu der Aufstieg in die Erste Bundesliga, der den finanziellen Rahmen gesprengt habe und auch der Verlust an Mitgliedern im Studio. Hier sei der Grund, dass Pfitzenmeier gerade die jüngeren Sportler abgeworben habe. Der Vorschlag eines Mitglieds, eine Sonderkommission zu gründen, um die Gräben auszutrocknen, lehnte Herbert Graf ab: „Hört damit auf, das würde die Gräben noch tiefer ausheben“ ab. Der von Werner Kranz vorgetragene Vorschlag wurde von den Mitgliedern angenommen. Gabi Katz bat die Mitglieder mit Tränen erstickter Stimme: „Bitte kämpft um unseren KSV, nur gemeinsam geht das“.

Geehrt wurden: für 25 Jahre: Inge Adam, Hans Kuhn, Brigitte Neusel-Bedu-Addo, Susanne Kott für 50 Jahre: Heinrich Philipp, Heinz Merkel, Renate Krämer für 60 Jahre: Karlheinz Grüber für 70 Jahre: Martin Deger, Heinz Beyrer greg