Schriesheim

Schriesheim Heinz Kimmel, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, über die Sanierung des Schulzentrums und die Erweiterung des Feuerwehrhauses

„Neubaugebiet ist längst überfällig“

Archivartikel

Die Freien Wähler Schriesheim stehen zum Ziel eines Neubaugebietes, ja sie halten es sogar für längst überfällig. „Andere Gemeinden sind da schon sehr viel weiter“, erklärt ihr Fraktionschef Heinz Kimmel im „MM“-Sommerinterview.

Wie fällt Ihre Bilanz des zurückliegenden Halbjahres aus?

Kimmel: Es war ein ereignisreiches Jahr, wenn ich an die Diskussion über die Schulsanierung denke. Ob es in diesem Punkt auch ein erfolgreiches war, das wird man erst in den kommenden Jahren sehen.

Wie beurteilen Sie das Klima innerhalb des Gemeinderates?

Kimmel: Das Klima ist gut. Auch wenn man anderer Meinung ist, geht man respektvoll miteinander um – es gibt natürlich auch Ausnahmen wie etwa den Ausbruch des Kollegen Mittelstädt (des CDU-Fraktionsvorsitzenden, d. Red.) in der letzten Sitzung. Aber generell ist es gut.

Das Verhältnis zwischen Gemeinderat und Verwaltung wurde ja jüngst dadurch getrübt, dass der Bürgermeister bei der Wahl eines Amtsleiters gegen das Mehrheitsvotum des Rates sein Veto einlegte. Wie beurteilen Sie den Vorgang?

Kimmel: Ich war sehr verärgert über das Prozedere, wie es gelaufen ist und dass wir überrascht wurden von einem Veto des Bürgermeisters gegen die Entscheidung der Gemeinderatsmehrheit, von dem uns zuvor gar nicht gesagt wurde, dass es so etwas überhaupt gibt. Insofern ist bei mir ein Stück Vertrauen in die Verwaltung verloren gegangen.

Zur Schulsanierung: Ihre Fraktion hat mehrheitlich gegen das Konzept der Verwaltung gestimmt. Was war der Grund dafür?

Kimmel: Auch die abgespeckten Kosten in Höhe von 21 Millionen Euro sind unserer Ansicht nach so hoch, dass Schriesheim sie sich nicht leisten kann, ohne dass andere Projekte wie Vereinszuschüsse, Feuerwehrhaus und Talstraßensanierung auf der Strecke bleiben.

Was ist Ihre Alternative?

Kimmel: Wir waren bereit, zwölf Millionen Euro auszugeben, um die dringendsten Schäden zu reparieren – aber eben nicht nur im Gymnasium, sondern auch in den anderen Teilen des Kurpfalz-Schulzentrums.

Fühlen Sie sich mit Ihrer Position, die im Rat ja in der Minderheit war, auch in der Bevölkerung in der Minderheit?

Kimmel: Nein, überhaupt nicht. Viele Eltern, wenn auch nicht die gewählten Elternvertreter, sehen die Sache ebenso wie wir. Denn auch sie sind Bürger, die keine Steuererhöhungen wollen; auch sie und ihre Kinder sind Mitglieder in Vereinen, die nicht wollen, dass die Zuschüsse für die Vereine gekürzt werden.

Ein Mittel zur Finanzierung der Schulsanierung soll das Neubaugebiet sein. Wie stehen Sie dazu?

Kimmel: Das ist auch so eine Sache. Dass es ein Neubaugebiet geben soll, darüber ist noch überhaupt kein Beschluss gefasst worden. Und unser Hauptziel mit einem solchen Neubaugebiet ist es auch nicht, möglichst viel Geld einzunehmen, sondern zusätzliche Bürger zu gewinnen, damit Schriesheim nicht ausstirbt. Andere Gemeinden wie Heddesheim, Ladenburg und Ilvesheim sind da schon sehr viel weiter. Insofern hätten wir das Neubaugebiet sogar schon viel früher gewollt.

Wie ist Ihre Position zur Erweiterung des Feuerwehrhauses?

Kimmel. Wir sind gegen einen Neubau, weil die finanziellen Belastungen dafür zu hoch wären. Wir sind für eine Sanierung des bestehenden Gebäudes und seine Erweiterung über den Bach hinweg auf den Festplatz. Wenn die öffentliche WC-Anlage abgebrochen wird, dann ist dies auch möglich, ohne den Mathaisemarkt zu beeinträchtigen.

In drei Jahren befinden wir uns bereits mitten im Bürgermeisterwahlkampf, zu dem Herr Höfer ja nicht mehr antritt. Spielt das Thema für Sie schon eine Rolle?

Kimmel: In unserer Fraktion und auch sonst wird darüber natürlich gesprochen. Die Frage lautet: Finden wir einen Fachmann in Schriesheim oder nur außerhalb? Aber noch ist das nur am Rande Thema. Jetzt steht erst die Kommunalwahl an.

Wird es in Ihrer Fraktion Veränderungen geben?

Kimmel: Die Kollegen Dr. Wolfgang Metzger, Dieter Knopf und ich werden nicht wieder kandidieren. Uns als Freien Wählern steht also ein nicht einfacher Generationswechsel bevor, den andere Fraktionen schon hinter sich haben. Aber auf Grund der ersten Gespräche, die ich geführt habe, bin ich sehr zuversichtlich, dass uns dies gelingt.

Wenn Sie zur Wahl nicht mehr antreten, wer wird dann Spitzenkandidat der Freien Wähler – Bernd Hegmann oder Matthias Meffert?

Kimmel: Darüber ist noch nicht gesprochen worden.

Warum kandidieren Sie nicht wieder? Sie sind doch noch fit.

Kimmel: Im nächsten Jahr werde ich 35 Jahre Mitglied des Gemeinderates sein. Im Jahr darauf werde ich 70 Jahre alt. Mit mehr als 70 Jahren will ich nun wirklich nicht mehr am Ratstisch sitzen.