Schriesheim

Schriesheim ASB-Rettungswache in der Mannheimer Straße seit Oktober in Betrieb / Hansjörg Höfer: „Situation verbessert“

Neuer Notarzt vor Ort lässt die Hilfe schneller ankommen

Archivartikel

Schriesheim.Jeder vierte Rettungswagen schafft es in Schriesheim nicht, innerhalb von 15 Minuten beim Patienten zu sein (der „MM“ berichtete). Diese Zahl beruht auf Erhebungen in den Jahren 2016 und 2017. Seit 1. Oktober sieht die Lage deutlich besser aus. Zumindest tagsüber. Denn zu diesem Zeitpunkt hat der Arbeiter-Samariterbund (ASB) Mannheim/Rhein-Neckar einen Notarztstützpunkt in der Weinstadt eingerichtet. Von hier erreicht die Rettung den Patienten schneller.

„Das Modell läuft sehr erfolgreich“, urteilt Oliver Scherer, der Chef der örtlichen Feuerwehr. Als seine Kameraden am vergangenen Samstag zehn Minuten nach der Alarmierung zu einem Unfall auf der Landesstraße bei Altenbach kamen, war der Notarzt bereits da. „Das entlastet uns“, freut sich Scherer über die Verbesserung. Denn im Notfall müssen sich die Brandschützer auch um die Verletzten kümmern. „Aber unsere eigentliche Aufgabe ist das nicht“, macht Scherer deutlich.

Ob sich die Situation tatsächlich verbessert hat, will der ASB-Geschäftsführer Joachim Schmid nicht beurteilen: „Das steht mir nicht zu.“ Er gehe allerdings davon aus, dass die Rettung umso schneller erfolgen kann, je näher sich der Notarzt an der möglichen Einsatzstelle befinde. Bislang kam er vom Kreiskrankenhaus Weinheim. Von dort dauert nach einer Berechnung mit Google Maps allein die normale Fahrt in den Schriesheimer Stadtteil Ursenbach je nach Route zwischen 18 und 19 Minuten. Vom neuen Stützpunkt in der Ladenburger Straße in Schriesheim sind es hingegen nur 13 Minuten durch den Tunnel und 14 Minuten über die Talstraße.

Der Notarztwagen des ASB steht bei den Kollegen vom Deutschen Roten Kreuz in der Mannheimer Straße. Was die Lage deutlich entspannt, ist allerdings nur eine Übergangslösung, wie Joachim Schmid durchblicken lässt. „Das Gebäude gehört uns nicht, und es ist auch nicht für die Nutzung als Rettungswache ausgelegt“, erläutert er. So lässt sich beispielsweise der Rettungstransportwagen (RTW) hier nicht unterstellen. „Wir brauchen eine Lösung“, erklärt Schmid.

Umzug nach Hirschberg?

Eine denkbare Variante wäre der Umbau eines vorhandenen Gebäudes zu einer Rettungswache im Gewerbepark Hirschberg Süd, direkt an der Autobahn A 5. Dafür hat der ASB bereits eine Bauvoranfrage gestellt, wie Schmid bestätigt. Entschieden sei aber noch nichts. Man sei im Gespräch mit allen Beteiligten. Der Bereichsausschuss, das oberste Gremium in Sachen Rettungsdienst, werde sich in seiner nächsten Sitzung im Januar mit dem Thema befassen.

Der Standort Hirschberg würde die Situation für die Odenwald-Stadtteile allerdings wieder verschärfen. Denn von dort beträgt die reine Fahrzeit nach Ursenbach laut Google Maps durch den Branichtunnel zwar 12 bis 13 Minuten, im Falle einer Sperrung müsste der Notarzt jedoch über die Talstraße fahren und bräuchte dafür 16 bis 18 Minuten.

Einstweilen freut man sich im Schriesheimer Rathaus über die Rettungswache in der Ladenburger Straße. „Eine Verbesserung der Versorgung im Notfall ist dadurch sicher eingetreten“, erklärt Bürgermeister Hansjörg Höfer: „Die Fristen werden jetzt wohl gewährleistet.“ Dies gelte auch für Altenbach und Ursenbach. Die Stadt habe sich bemüht, eine dauerhafte Lösung zu finden. Wegen des dafür notwendigen Bebauungsplanverfahrens sei das aber nicht kurzfristig möglich. Mit einer Verlegung des Stützpunktes in den Gewerbepark Hirschberg könne er leben: „Das wäre für uns auf jeden Fall besser als eine Versorgung von Weinheim aus.“ Über Autobahn und Tunnel könnten auch die Odenwald-Stadtteile schnell genug erreicht werden, glaubt Höfer.

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